Filmkritik: „Casshern“ (2004)

Alternativ-Filmtitel: Kasshân
Regisseur:
Kazuaki Kiriya
Mit: /
Laufzeit:
141 Minuten
Land:
Japan
Genre:
Science Fiction / Fantasy / Action

Inhalt: Irgendwann in der nahen Zukunft… wir befinden uns auf dem Kontinent Eurasien. An der politischen Macht sind zwei Großmächte, die sich gegenseitig bekriegen. Die Asiaten haben den Wissenschaftler Dr. Azuma (Akira Terao) mit kriegsbezogenen Forschungen beauftragt – und eines Tages entdeckt er tatsächlich etwas sensationelles. Das sogenannte NEO-Gen errmöglicht es, soetwas wie menschliche Ersatzteillager zu erschaffen. Das Problem: die Experimente geraten ausser Kontrolle, und eine ganz neue Spezies verlässt die versiegelten Pforten des Laboratoriums. Die NEO-Menschen haben offenbar nur ein Ziel: die Menschheit, und damit auch ihre Schöpfer – auszurotten. Warum das so ist, das wird sich erst noch herausstellen… doch diese von Rache getriebenen Ambitionen können nun nur noch von Tetsuya (Yusuke Iseya), dem wiedergeborenen Sohn des Wissenschaftlers unterbunden werden.

Kritik: Wem der Name des Regisseurs (Kazuaki Kiriya) bereits ein Begriff ist – der kann zumindest ungefähr erahnen, was einen in Casshern erwartet. Im Grunde dient ein einzelnen großes Themenfeld als Aufhänger für den Plot, doch – wie es bei Herrn Kiriya offensichtlich üblich ist – wird dieser von zahlreichen (verworrenen) Nebengeschichten und vielen filmischen Prämissen umrahmt. Natürlich basiert auch Casshern – wie auch schon Devilman – auf einer Manga-Vorlage, dementsprechend turbulent und bunt ist das Ergebnis. Das erste Problem, welches dem geneigten (besonders europäischen) Zuschauer begegnen wird, ist das ungebändigte Ausleben der Macher in Sachen japanischer Fantasy-Elemente. In Sachen Tiefgang, Charakterzeichnung und einer allgemeinen Philosophie hat Casshern zwar durchaus etwas anzubieten – doch als Gesamtkomposition wirkt der Film schmerzlich überladen. Dies liegt nicht zuletzt an der gewagten Optik – einerseits wirkt sie zwar farbenfroh und opulent, doch andererseits kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass 90% der Szenen einige Male zu oft durch den Computer gejagt wurden.

Das vorläufige Ergebnis: CGI- und Effekt-Overload. Besonders in den Kampfszenen fehlt der allgemeine Überblick. Überall kracht und rummst es, es wird knallhart gekämpft – doch stellenweise kann man leider nur erahnen, was genau da gerade geschieht. Die gesamte Szenerie wirkt extrem artifiziell, was an sich noch nicht das ausschlaggebende Problem wäre – doch wenn einzelne Objekte und Figuren mit dem Hintergrund verschwimmen, hat man als Zuschauer so seine Mühe. Als zusätzliche technische Spielereien (die gleichzeitig storyrelevant sind) gibt es Rückblicke auf längst vergangene Kriegstage, die eher in einem kontrastarmen Grauton gehalten sind. Doch wenig später regiert wieder die Optik der übermäßig-bunten Fantasylandschaften – seien es verschneite Berggipfel, riesige Roboter-Produktionshallen, die rauchdurchzogenen Schlachtfelder der Zukunft – Casshern weiss nicht mit (hier: übertriebener) Abwechslung zu geizen. Hinzu kommen die Darstellungen des Totenreiches, sowie weitere stark metaphorische Ebenen – die Frage lautet also, ob der Zuschauer dieses Angebot annehmen kann, oder ob er automatisch abschaltet ob dieses visuellen Overloads. Auch der Soundtrack weiss nicht gerade mit subtilen Tönen zu glänzen, es werden eher bombastisch-schmetternde Klänge durch die Boxen gepresst. Und viel zu oft auch eine unpassend wirkende Rockmusik – immer und immer wieder. Einzelne klangvolle, mystisch anmutende Stücke gibt es auch, doch diese gehen im allgemeinen viel zu sehr unter. Wie die Leistungen der Darsteller zu beurteilen ist, kann ich nicht genau abschätzen. Mein Eindruck ist jedoch, dass sich kein Charakter wirklich profilieren kann (Stichwort Drehbuch), in Erinnerung wird Casshern eher als Ganzes, als (zähe) Masse bleiben.

Von der ersten Minute an wird mit vielen Prämissen um sich geworfen (Zukunftssetting, Kriegssituation, Asiens Machtstellung, die Technologien), was an sich und für einen guten Fantasy-Film sogar Voraussetzung ist – doch im Fall von Casshern wirkt die Inszenierung eher lieblos und willkürlich zusammengewürfelt. Auch die (fragliche) Philosophie hinter dem Werk gilt es erst, für sich selbst zu entdecken – doch mit der Einbringung von Themen wie: Leben und Tod, Krieg und Frieden, Liebe und Hass, Ethik und Moral, Stolz und Loyalität oder auch Wahrheit und Lüge (die Liste ist endlos) hat man sich vielleicht doch ein klein wenig übernommen. Wenn hierbei der Zuschauer die Übersicht zu verlieren droht (offenbar war dies auch den Machern bewusst), werden einfach typisch bedeutungsschwangere Szenen in Zeitlupenoptik gegensteuert. Das lässt den Zuschauer dann zwar kurz innehalten, jedoch nur, um sich in Anbetracht der dramaturgisch völlig überzogenen Szenen zu amüsieren.

Fazit: Die (Grund-)Idee an sich, dass Wissenschaftler so etwas wie Klone erschaffen die sich dann gegen ihre Schöpfer stellen – ist eigentlich gar nicht mal so übel (mehr wird nicht erwähnt, aus Spoilergründen). Doch die viel zu verworrene Inszenierung, der total überfrachtete Plot und die optisch-akustischen Overloads führen zu nichts anderem als einer puren Verzweifelung. Was will uns der Regisseur nur sagen ? Man sollte vielleicht mit einer weiteren, merkwürdigen Action-Szene des Films schliessen: nämlich der, in der unser Held auf einmal in Lichtgeschwindigkeit davonfliegt. Wie, warum, weshalb ? Nur für Fans beziehungsweise eingefleischtes Japan-Art Kinopublikum empfehlenswert, alle anderen sollten einen großen Bogen um Casshern machen.

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