Filmkritik: „Machete“ (2010)

Filmtitel: Machete
Regisseur(e):
Robert Rodriguez / Ethan Maniquis
Mit:
Danny Trejo
Laufzeit:
105 Minuten
Land:
USA
Genre:
Action

Inhalt: Man sollte sich besser nicht mit dem raubeinigen, vom Leben gezeichneten Machete anlegen – denn der hat für seine Feinde kein Mitleid übrig. Das war schon zu seiner Zeit als US-Bundesagent so, doch nachdem seine Frau brutal ermordet wurde; scheint bei ihm ein weiterer Schalter umgelegt worden zu sein. Erst einmal aber versucht er, der Gewalt abzuschwören – indem er als Tagelöhner und nun illegaler Einwanderer in den USA arbeitet. Doch als er einen Tages eher zufällig einen Job als Auftragskiller angeboten bekommt, zögert er nicht lange – die Verlockung des Geldes ist einfach zu groß. Die Auftraggeber haben jedoch einen ganz anderen Plan, sie wollen Machete nur als mexikanischen Sündenbock für ihre perfide Grenzpolitik-Kampagne missbrauchen. Das Problem: sie wissen (noch) nicht, mit wem sie sich hier angelegt haben… als es ihnen bewusst wird, ist es allerdings schon längst zu spät.

Kritik: Ha, endlich (und seltenerweise) mal wieder ein Film, zu dem man nicht viel schreiben muss. Und auch nicht wirklich kann – denn ähnlich wie der Film, indem der Trailer zu Machete das erste Mal gezeigt wurde – Planet Terror – ist Robert Rodriguez’s neuester Streich ebenfalls ein Werk, an dem sich die Geister scheiden werden. Die einen werden ein wahres (Action-)Genre-Fest feiern – denn allein die Combo aus Rodriguez (Regisseur) und Danny Trejo (Hauptdarsteller) verspricht trashige Unterhaltung (im positiven Sinne) vom allerfeinsten. Die anderen aber werden stöhnen ob der relativ plumpen Story, der expliziten Gewaltdarstellungen und dem obercoolen Helden, dem einfach alles gelingt. Im Grunde sind sowohl Lobgesänge als auch vernichtende Kritiken bei einem Werk wie Machete durchaus nachvollziehbar. Roedriguez polarisiert – aber genau das will er ja auch.

Die (wirklich heftigen !) Gewaltdarstellungen fliessen hierbei nicht in die Wertung mit ein – sie sind zwar besonders widerlich, aber dennoch gehören sie zum Genre und zum Markenzeichen von vielen Beteiligen, auch der Schauspieler. Doch, wenngleich ein ähnlicher Brutalitätsgrad bereits in Planet Terror zum Zuge kam, erschafft Machete keinesfalls eine ähnlich intensive, düstere Stimmung. Hier hat man nicht das Gefühl, dass es um eine enorme Bedrohung für Leib und Seele (ein gefährlicher Virus) geht, stattdessen wird heftig in eine politische Richtung gelenkt. Natürlich, bei einer Figur wie Machete bietet sich das an – aber die Geschichte um illegale Einwanderer aus Mexiko, und dem Bestreben einiger Politiker, die Grenze besser auszubauen – hat man nun doch schon einige Male gesehen. Der Unterschied: die Bösewichte des Films, die die Einwandererzahl senken möchten, tun dies aus ganz anderen, recht eigennützigen Gründen. Und da kommt auch schon Machete ins Spiel, der eigentlich schon in den Ruhestand gehen wollte – zumindest wenn es um das professionelle Töten geht. Langsam aber sicher, und nur offenbar erst nur halbwegs freiwillig, avanciert er zum Nationalhelden des „Netzwerks“ und damit der Mexikaner. Die Geschichte recht zwar für einen grundsoliden Actionstreifen, aber wer ähnlich originelle Ideen und eine packende Stimmung wie in Planet Terror erwartet, wird enttäuscht werden.

Stellenweise geht – in all dem Gemetzel – nämlich auch schon mal die Übersicht verloren. Was genau Machete mit seinem Feldzug erreichen möchte, bleibt unklar. Will er allgemeine Gerechtigkeit ? Will er Gerechtigkeit für die Mexikaner ? Oder will er sich einfach nur für Ereignisse aus der Vergangenheit rächen ? In jedem Fall ist es klar, dass er eher auf sein Blut (das mexikanische) hört, als sich von einigen hinterlistigen Politikern veräppeln zu lassen. Wenn man so will, könnte man auch sagen, dass die Story nur als Aufhänger beziehungsweise Rechtfertigung für die zahlreichen Kämpfe und Schnetzeleinlagen dient. Und wieder werden Fans sagen: das ist ja auch gut so – während andere, und Rodriguez‘-Neueinsteiger möglicherweise abgeschreckt werden. Andererseits funktionierte dieses Prinzip letztlich erst wieder in The Expendables, welcher zahlreiche (männliche) Zuschauer in die Kinos lockte. Auch hier galt: erst schiessen (oder zuschlagen), und dann fragen. Filme wie The Expendables und jetzt eben auch Machete funktionieren, noch – solange es nicht überhand nimmt mit vergleichbaren Produktionen, die einen auf „alte Schule“ machen.

Der technische Part des Films macht durchgehend Laune, die Optik ist stellenweise auf alt getrimmt, und wirkt (dem Klima der Gegend entsprechend) wunderbar trocken und staubig – mit einigen Blutfontänen als Bewässerung der Szenerie. In Sachen Musik bietet vor allem die Kirchenszene eine interessante Abwechslung: geistig-sakrale Töne markieren den Auftakt zu einer gar unheiligen Metzelei an einem eigentlich heiligen Ort. Am interessantesten ist aber mit Sicherheit die bunte Schauspielerriege. Dass Danny Trejo die Hauptrolle übernehmen würde, war ja bereits klar – und diese Rolle meistert er gut, wenngleich sie offensichtlich auch nicht sonderlich schwer zu spielen ist. Es genügt wohl schon, so auszusehen wie Herr Trejo, und dem Ganzen mit einer grimmigen Mimik zusätzlichen Ausdruck zu verleihen. Robert DeNiro bekommt den Part eines Politiker-Hardliners, ähnlich wie seine Rolle in Der Sternwanderer ist sie aber grundsätzlich gezeichnet von einem merkwürdig-makaberen Unterton – das Prinzip geht auch hier auf ! Wenngleich es etwas schade und einfallslos erscheint, wie sein Charakter im Film (s)ein Ende findet. Super: Steven Segal als knallharter, klingenschwingender Drogenboss – eine durchweg selbstironische Rolle. Auch die weiblichen Stars machen ihre Sache gut, ähnlich wie schon in Planet Terror wirken sie ein klein wenig (!?) überzeichnet, aber das gehört einfach dazu. Selbst Lindsay Lohan konnte den positiven Darsteller-Gesamteindruck nicht trüben – eine kleine Überraschung.

Fazit: Der Film erreicht nicht die Klasse eines Planet Terrors, aber immerhin bietet er wie auch schon The Expendables kurzweilige, allerdings reichlich blutige Unterhaltung für Erwachsene. Wem die geleckten Superheldenporträts von Helden wie Superman und Co. zu brav sind, der sollte ruhig mal einen Blick auf Machete werfen – dem etwas anderen (eigentlich ja Anti-)Helden.


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