Spieletest: METRO 2033 (2010, PC)

Titel: „Metro 2033“, Entwickler: 4A Games (Ukraine), Genre: Horror-Shooter

Im Jahre 2033 sieht es gar nicht gut aus auf beziehungsweise mit der guten alten Erde. Nach einem folgenschweren Atomkrieg haben sich die Menschen in Russland in die wenigen noch nicht kontaminierten Ecken zurückgezogen – sie stiegen hinab in die endlosen Tunnel der Metrosysteme. Doch auch hier kann man nicht gerade von einem sicheren oder angenehmen Dasein reden, welches die Überlebenden fristen – längst sind neue Gefahren aufgetaucht. Die sogenannten Schwarzen (oder: Schattenwesen) sind es, die den Menschen nun Angst und Schrecken einjagen – genauso wie allerlei andere mutierte Gestalten, die offenbar nur ihren innersten Instinkten folgen. Der Spieler schlüpft in Metro 2033 in die Rolle des jungen Soldaten Artjom; welcher gleich zu Beginn den Auftrag erhält, nach Polis zu reisen – der zentralen Station im verschachtelten Metro-Netzwerk. Dort soll er von den neuesten Ereignissen berichten, und den hiesigen Rat um Hilfe ersuchen – doch der Weg bis zur Polis wird kein leichter werden.

Metro 2033 basiert auf dem gleichnamigen Buch des russischen Autors Dmitry Glukhovsky – von dem es auch einen zweiten Teil gibt, nämlich Metro 2034. Wie es aussieht, wird auch dieses Buch in Form eines Computerspiels umgesetzt – vielleicht kein Wunder, bei der Qualität und dem Erfolg des ersten Teils. In Metro 2033 geht es vor allem um die Frage, wie die Menschen in einer von atomaren Krisen zerstörten Welt überleben – und wie sie ihren Alltag unter Tage, das heisst in der Metro – bewältigen. Doch überaus bedeutsam sind auch die neuen Gefahren, die offenbar erst aus der Krise heraus entstanden sind – die Mutanten, und die rätselhaften Schattenwesen. So beginnen wir am Anfang als relativ zielstrebiger Soldat, der keine Fragen stellt und sich – verständlicherweise – gegen alle Gefahren verteidigt. Doch nach und nach erfahren wir häppchenweise mehr von den Schattenwesen, die den Spieler mit heftigen Visionen und Halluzinationen beehren. Ein fragliches Vergnügen, das steht fest – doch auch die Überlebenden haben sich längst wieder aufgespaltet, in herumstreunernde Banditengruppen, Stationszugehörige, Kommunisten, Faschisten. In all diesem Durcheinander, bei dem sich ein jeder selbst der nächste zu sein scheint, müssen wir als Artjom also dafür sorgen, dass zumindest die ständige Gefahr der Mutanten und der Schattenwesen gebannt wird. Das wir dabei zwischendurch auch auf Menschen feuern müssen, erscheint aufgrund der ungeordneten Situation innerhalb der Metro zwar absurd, aber irgendwie doch nachvollziehbar.

Doch kommen wir zu meinem persönlichen Resümee, nachdem ich das Spiel nun einmal komplett durchgespielt habe – wie bei mir üblich, auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad. Im Vorfeld habe ich immer wieder gehört, dass das Spiel relativ kurz sei – von einer Spielzeit von 7 Stunden war die Rede. Ich selbst muss jedoch feststellen, dass mir die Gesamtspielzeit weitaus länger vorkam. Es kommt eben auch ein wenig darauf an, wie man ein Spiel wie Metro 2033 spielt – ich spielte es wohl der intensiven Atmosphäre entsprechend. Das heisst: eher zögerlich, ängstlich und verhalten. Etwas schade ist, dass es keine Option zum freien Speichern gibt – vielleicht erklärt auch das relativ häufige Neuladen (von festgelegten Startpunkten aus) meine etwas längere Spielzeit. Eines ist jedoch ganz klar: Metro 2033 ist wohl das bisher atmosphärischste, gruseligste und spannendste Spiel, welches ich je gespielt habe. Das düstere Setting wird spielerisch perfekt inszeniert, dem recht linearen Handlungsverlauf werden allerlei Scriptereignisse und spannende Elemente entgegengesetzt. Und natürlich: gnadenlos stimmige Halluzinations-Sequenzen und Zwischenvideos – bei denen ich nicht immer sofort wusste, ob es sich tatsächlich um eine reine Videosequenz handelte oder ob man noch immer Kontrolle über die Spielfigur hatte.

Und tatsächlich, dies war sehr oft der Fall. Mal sitzt man auf einer Lore, die durch finstere Metrotunnel fährt, mal versteckt man sich unter einer solchen weil man nicht gesehen werden darf, mal spaziert man durch optisch beeindruckende Traumsequenzen. Dabei fast immer möglich: das Umschauen beziehungsweise das Bewegen der Spielfigur – nur die Waffen dürfen manchmal nicht gezückt werden. Es sind jedoch nicht nur die speziellen Scriptereignisse, die zur unvergleichlichen Spannung und den zahlreichen Schockmomenten beitragen – es ist generell die sehr düstere Optik, die oftmals nur durch den Lichtstrahl der Taschenlampe des Spielers durchbrochen wird. Oder von den Lampen der zahlreichen Begleiter – oftmals ist man im Spiel nicht alleine unterwegs. Gerade diese Momente zählen für mich zu den eindrücklichsten im Spiel – wenn man mit einem schwer bewaffneten Trupp alte Schutztüren aufbricht, um die Räume dahinter zu erkunden… das ist Gruppendynamik und Spannung pur !

Überaus intensiv wurde es auch, als die zahlreichen Phänomene in Metro 2033 vorgestellt wurden – die Geister oder die Anomalien beispielsweise. Als Spieler steht man ob der Spannung und er gefühlten Authentizität einfach nur da – und ist fassungslos. Wenn mein Begleiter mir plötzlich zuruft: „An die Seite,  Artjom !“ – dann bleibt kaum Zeit zu überlegen, man tut es einfach. Eine instinktive Handlung, wie man sie sonst nur aus dem realen Leben kennt – Metro 2033 ist definitiv ein fesselndes Spiel.

Auch die zahlreichen Verschnaufpausen in halbwegs friedlichen Gegenden fallen derart stimmig inszeniert und optisch ansprechend aus, dass ich nur Lob für die Entwickler aussprechen kann. Die Erschaffung einer solch glaubwürdigen Spielwelt – und das für ein Erstwerk (erstes Spiel von 4A Games)… einfach unglaublich. Aber… leider gibt es auch einige negative Aspekte, die den Gesamteindruck etwas zu schmälern wissen. Allein von der Story, der Atmosphäre und der grafischen Gestaltung her hätte das Spiel wohl eine 10/10 verdient – doch da das Gesamtbild zählt, wird das Endergebnis etwas anders ausfallen. Ich war beispielsweise etwas überrascht ob einer Szene gegen Ende des Spiels, wo man (im D6-Level) mit einem Gefährten namens Miller unterwegs ist. Dort hat man unter anderem die Aufgabe, ein von Schleimbällen besiedeltes Areal zu durchqueren – allerdings ohne, dass Miller dabei umkommt. Das Problem: das geschieht relativ schnell ! Denn: ebenso schnell verliert man als Spieler die Übersicht, und besonders wenn viele der schleimigen Querulanten auf einmal auftauchen, geht die Framerate enorm in den Keller (Auslöser wahrscheinlich die Rauch- und Lichteffekte der Monster). Kurzum: die für mich nervigste Szene des Spiels. Während es im allgemeinen zwar langsam, aber doch kontinuierlich nach vorne ging, hing ich hier erst einmal fest – wie oft ich Neuladen musste, weiss ich nicht. Und wie ich es letztendlich geschafft habe, auch nicht – eine kleine Frechheit, eine so offensichtlich unfaire Szene in ein sonst so stimmiges Spiel einzubauen. Überhaupt wäre es das einfachste gewesen, einfach durch diesen Abschnitt durchzurennen – aber da besagter Kollege Miller „die Ruhe weg“ hat, wird das leider nichts… ja, lieber gemütlich mit den Monstern spazieren, als zu rennen – Hektik und Stress sind eben ungesund…

Auch das viel zu versteckte Moralpunktesystem findet bei mir keinen allzu großen Anklang – und ich werde das Spiel nicht noch einmal von vorne beginne, nur um das alternative Ende zu erleben (höchstens, weil ich einfach nocheinmal Lust darauf habe). Dafür gibt es eben auch Youtube und Co. Alle weiteren Aspekte, die mir positiv oder negativ aufgefallen sind, werde ich in meiner typischen Positiv- und Negativliste aufführen. Ich denke, dies dient der Übersichtlichkeit und verhindert eine zu weite textliche Ausschweifung – denn zu Metro 2033 könnte man beileibe einiges schreiben ! Zur Übersicht:

+ Absolut beklemmendes Setting, unvergleichlich spannende Atmosphäre

+ Schicke Grafik (Texturen, Charaktere, Metrostationen, Visionen)

+ Atemberaubende Soundkulisse (tolle Effekte und subtil-gruselige Musik)

+ Abwechslungsreiche Scriptereignisse und Schockmomente

+ Menschenansammlungen (Händler werben, Kinder spielen, Menschen musizieren und so weiter)

+ Verschiedene Begleiter

+ Gute und detailreiche Levelabschnitte (besonders die Tunnel)

+ Spielbare Zwischensequenzen

+ Visionen und Halluzinationen

+ Auge in Auge mit dem Monster… niemand greift an, was passiert hier ?

+ Man stirbt… und dennoch geht das Spiel weiter

+ Eigene Möglichkeiten für Gasmaske, Nachtsichtgerät, Licht

+ Feuerzeug, Kompass und Kartenbrett als Missionscheck

– Gefühl für die Hintergrundgeschichte kommt nicht immer rüber

– Moralpunktesystem viel zu versteckt und insgesamt unsinnig (Gitarre zupfen=Moralanstieg ?)

– Begleiter Beratungsresistent – keine Kommandos möglich, stellenweise unglaubwürdige KI

– Kaum Gesprächsoptionen mit Überlebenden

– Artjom spricht nur während der Ladezeiten

– Etwas öde und wenig hübsche Aussenlevels (mit unsinnigen Levelbegrenzungen)

– Schleichen oftmals sinnlos, da viel zu schwer – durchballern fällt leichter und ist ergiebiger

– Fummeliges Waffen- und Munitionssystem

– Kein freies Speichern

– Unfairer Levelabschnitt (D6, Schleimbälle)

– Beide Enden nicht wirklich zufriedenstellend, (zu) viele Fragen bleiben offen > Nachfolger ?

Alles in allem wäre Metro 2033 beinahe ein perfektes Spiel geworden. Doch die durchaus zahlreichen, kleinen Mängel verhindern eine Höchstwertung. Eigentlich schade, da besagte Mängel nicht hätten sein müssen – die Spielmechanik selbst funktioniert ja eigentlich tadellos. Warum also hat man zahlreiche kleinere NERV-Faktoren im Spiel gelassen ? Dies stösst bei mir auf Unverständnis. Darüber, dass das Spiel relativ kurz ist kann ich noch getrost hinwegsehen (dafür ist es unvergleichlich intensiv), aber über Dinge wie das D6-Level keinesfalls. In Sachen Linearität, nun ja… das Spiel ist sehr linear gestaltet, keine Frage. Doch auch hier sehe ich das im Endeffekt nicht ganz so wild, da man einfach viel zu gefesselt ist von der Grundstimmung, und sich freiwillig ohnehin fast gar nicht trauen würde, einen anderen, noch dunkleren Gang auszuprobieren (überspitzt gesagt). Sicher, ein klein wenig mehr Wege zum Ziel wären vielleicht nicht verkehrt gewesen – die zwar auf das gleiche hinauslaufen, aber immerhin hätte man dem Spieler so ein größeres Gefühl der Freiheit vermittelt. Ganz besonders bei den Aussenarealen wäre das sicherlich mehr als sinnvoll gewesen.

Schlussendlich: ich vergebe trotz einiger NERV-Faktoren eine Wertung von 8.5/10 Punkten für die PC-Version von Metro 2033. Immerhin muss man dem Entwickler auch zugestehen, dass dies sein erstes Spielprojekt war – und  dafür ist es mehr als beeindruckend. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil, und hoffe; dass einige Negativaspekte bis dahin ausgebügelt werden; und dass es in Sachen Story noch ein wenig intensiver zur Sache geht. Denn der Rest stimmt jetzt schon, und hat mich für einige Stunden (und instensiv wie noch nie !) vor den Bildschirm gefesselt.


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„‚Einzigartig-intensive Grusel-Atmosphäre.“

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