Filmkritik: „Devilman“ (2004)

Originaltitel: Deburiman
Regie:
Hiroyuki Nasu
Mit: /
Laufzeit:
112 Minuten
Land:
Japan
Genre:
Science Fiction / Fantasy / Action

Inhalt: Eines Tages wird ein junger Higschool-Student mit Kräften konfrontiert, die nur schwer zu bändigen sind. Akira Fudo (Hisato Izaki) verschmilzt mit einem dämonenartigen Wesen; wobei sein bester Freund Ryo (Yûsuke Izaki) seine Finger mit im Spiel hat. Die Situation gestaltet sich für Akira nun wie folgt: er kann Gebrauch von den physischen Kräften des Dämons machen, während dieser keine Kontrolle über Akiras Geist besitzt. An und für sich nicht schlecht, doch nun ist er weder Mensch noch „richtiger“ Dämon – er wird zu einem Zwischenwesen namens Devilman. Währenddessen finden andere problematische Ereignisse statt – ein Tor zur Hölle ist geöffnet worden, durch das noch weitere, viel gefährlichere Dämonen kommen. Ein gnadenloser Kampf zwischen Menschen und Dämonen entbrennt, wobei die Frage aufkommt, ob die Menschen es überhaupt verdient haben zu leben. Schließlich kennen die Menschen den Begriff der Panik nur allzu gut, und handeln im Zuge dieser Emotion meist zum Nachteil anderer – die Fähigkeit der Menschen, in Frieden miteinander zu leben, wird hinterfragt. Und auch die Freundschaft zwischen Akira und Ryo wird auf eine harte Probe gestellt…

Kritik: Man sieht vielleicht schon an der Plotbeschreibung, dass es sich bei Devilman um keinen gewöhnlichen Film handelt. Ungewöhnlich, das ist schon einmal von Vorteil – und auch sonst spricht im ersten Moment eigentlich alles für Devilman. Denn zum einen handelt es sich um eine Manga-Adaption der gleichnamigen Serie von Gô Nagai, und zum anderen stammt der Film aus Japan – und wird durch die Mischung dieser beiden Aspekte fast automatisch zu einem Actiongarant mit philosophischem Gehalt und allerlei Existenzfragen. Ja, in einer Art und Weise beinhaltet der Film auch einiges an Action und Tiefgründigkeit, doch es gibt (mindestens) ein schwerwiegendes Problem. Wir alle wissen um die Tatsache, dass es unglaublich schwer ist einen Manga zu verfilmen. Sicher, in Bezug auf Anime-Serien funktioniert das meist tadellos, und auch Anime-Filme sind nach wie vor ein hohes Kulturgut. Aber Realverfilmungen solcher, meist phantastischer Stoffe… ?

"Devilman" ist weder Mensch noch richtiger Dämon, er muss seinen Platz erst noch finden

Die Art, wie die Figur Devilman hier in der Realverfilmung vorgestellt wird – bietet im Grunde keinerlei Reiz. Dies ist in erster Linie weniger auf den Charakter selbst, als auf die stark artifiziell wirkende Inszenierung zurückzuführen. Die allgemeine Optik erscheint ab der ersten Minute an mehr als gewöhnungsbedürftig; und erinnert eher an eine Videospiel-Zwischensequenz als an eine Filmproduktion. Richtig bitter wird es, wenn es um das Design und die Animationen der Charaktere in Dämonenform geht – hier wird dieser Eindruck noch zusätzlich gestärkt. Daher erscheint es auch eher unpassend, dass die Macher sich offensichtlich stets um möglichst authentische Schauplätze bemüht haben – der Eindruck fremdes (CGI-)Objekt in der Szenerie beschreibt die Optik von Devilman wohl am treffendsten. Wenn man schon derart stark und häufig mit CGI-Charakteren arbeiten muss, hätte ich persönlich auf eine gänzlich differente Filmgestaltung gesetzt – sodass ein insgesamt harmonischer optischer Eindruck entsteht. So aber wirkt es, als fehlte es einfach an Budgetmitteln (oder schlicht einem besseren Team), um die künstlichen Effekte und Figuren besser in Szene zu setzen.

Die eigentlichen "Eyecatcher" des Films, die Dämonen; wirken leider arg künstlich inszeniert

Diese Realverfilmung – wie wohl auch das Ursprungsmaterial – seine Stärken ausschließlich in der Story. Die Grundidee selbst ist bereits mehr als interessant, und bietet einiges an Potential. Dämonen, die unter uns Menschen leben; und nur darauf warten eines Tages die Macht an sich zu reissen ? Ein Mensch-Dämon-Mischling, der als fehlendes Bindeglied und Vermittler zwischen beiden Parteien fungieren könnte – und später eine wichtige Entscheidung zu treffen hat ? Und: eine Freundschaft, die aufgrund der Tatsache, dass beide eigentlich auch Erzfeinde sind – auf eine harte Probe gestellt wird ? Es hätte so toll werden können. Doch im Endergebnis schockt Devilman eher aufgrund der plumpen Art und Weise, wie diese Geschichte dargestellt wird. Zum mehr als gewöhnungsbedürftigen optischen Part, den höchstens mittelmässigen Leistungen der Darsteller und dem platten Soundtrack – gesellen sich nämlich noch weitere, storyrelevante Schwächen. Die Dialoge wirken konfus und sinnlos, es scheint, als benötigte man bereits hier einiges an Vorwissen. Am gravierendsten ist aber der Eindruck, dass man (zumindest als europäischer Zuschauer) das Gezeigte wohl kaum für voll nehmen kann – der Film sich selbst aber gnadenlos ernst nimmt.

Auch die (hektischen) Kampfszenen wirken alsbald ermüdend

Wenn es um die Action geht, kann Devilman wohl auch nicht gerade neue Maßstäbe setzen. Sein erster Gegner ist beispielsweise ein Dämon, der an seinem Körper die Gesichter bereits verspeister Menschen trägt. Das Problem: während der (sprechende) Dämon bereits für ein nicht unerhebliches Maß an Verwirrung sorgt, indem er eben spricht – sieht das Ganze erneut enorm billig und wenig glaubhaft aus. In den Kämpfen selbst geht oft der Überblick verloren, und man muss sich ernsthaft die Frage stellen, wer hier überhaupt für wen oder was antritt. Man bekommt einfach kein ausreichend detailliertes Bild der Beteiligten, und versteht kaum deren Motivation. Auch andere Aspekte, wie die Kostüme beziehungsweise die Körperbemalungen der Dämonen wirken oftmals mehr als lächerlich. Interessant: eine der Endszenen erinnert ein wenig an das Finale von The End Of Evangelion – wurde hier etwa ein wenig abgekupfert, oder ist das ein reiner Zufall ?

Fazit: Diesem merkwürdigen Machwerk ist nur schwer etwas abzugewinnen. Vielleicht liegt dies auch einfach nur an der europäischen Sichtweise, doch andererseits könnte man behaupten, dass es weitaus bessere japanische Filme gibt, die auf Manga-Adaptionen basieren. Devilman ist eine gnadenlose Enttäuschung.


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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Devilman“ (2004)

  1. Ganz guter Trailer, Schlachten, etwas epic vllt., hätte mir den Film auch angeschaut nach dem Trailer zu beurteilen. Nachdem ich mir den Trailer angeschaut habe, stellt ich fest dass ich diesen Film noch nicht gesehen habe!!! Hmmm ich dachte mit Mitseher meintest du mich, aber irgenwie nicht, da mir der Film nichts sagt, ausser vom Cover her!!! Aber da ich auf diese Filmkritik vertrauen kann, ist dieser Streifen nicht sehenswert und deshalb verzichte ich darauf diesen mir anzuschauen.

    Gruß CB 🙂

    bis dann…..

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