Filmkritik: „Illuminati“ (2009)

Filmtitel: Illuminati AKA Angels & Demons
Regisseur:
Ron Howard
Mit: /
Laufzeit:
138 / 146 Minuten
Land:
USA
Genre:
Thriller

Inhalt: Das berühmt-berüchtigte Forschungsinstitut CERN beherbergt ein geheimnisvolles Gefäß mit einem noch geheimnisvolleren Inhalt. Enthalten ist eine nicht unerhebliche Menge der sogenannten Antimaterie, welche ein großes Zerstörungspotential besitzt. Man braucht nicht zu erwähnen, dass dieses Gefäß niemals in falsche Hände geraten sollte – doch da ist es auch schon zu spät. Der sagenumwobene Geheimbund der Illuminaten bekennt sich zum Diebstahl der Antimaterie, und droht, sich nach all den Jahren endlich für alle Missetaten der Kirche zu rächen. Ein Team von Spezialisten um den versierten Symbolologen Robert Langdon (Tom Hanks) wird zusammengestellt, um der verschwörerischen Bedrohung Herr zu werden. Doch Herr Langdon genießt nicht gerade den besten Ruf in den Reihen der Kirche. Währenddessen finden die Papstwahlen statt – doch vier der wichtigen Kardinäle fehlen. Und wieder zeichnen sich die Illuminaten verantwortlich – was führen sie im Schilde ? Wird die Kirche nach all den Jahren der Machtfestigung nun zusehends an Größe und Einfluss verlieren, oder werden die vermeintlichen „Terroristen“ gestellt ?

Kritik: Als Vorlage zum Film dient wie auch schon beim Vorgänger Sakrileg (ebenfalls mit Tom Hanks) ein Buchtitel von Dan Brown. Die Titel Sakrileg und Illuminati beschäftigen sich beide mit den Erlebnissen des Harvard-Symbolologen Robert Langdon und seinen geheimnisvollen Entdeckungen. Immer mit von der Partie: die Kirche, beziehungsweise andere Parteien oder Personen, die an deren althergebrachten Dogmen und allgemeinen „Wahrheiten“ rütteln. Es ist gewiss nichts neues, dass Verfilmungen von Romanen nur selten die Qualität und erzählerische Dichte der Vorlage erreichen. So ist nach Sakrileg auch Illuminati keine Ausnahme: sofern man die Bücher von Dan Brown gelesen hat, wird man unweigerlich feststellen; dass die Filme niemals eine ähnlich intensive Spannung erzeugen. Denn: in Anbetracht der relativ kurzen Spieldauer (obwohl er viel länger auch nicht hätte sein dürfen) wurden viele im Buch ausführlich behandelte Themen entsprechend gekürzt oder gar komplett ausgelassen. Für alle, die die Bücher nicht kennen, bietet Illuminati dagegen grundsolide Unterhaltung im Gewand eines packenden Mystery-Thrillers, der die Geschichte der Kirche einmal aus einem anderen (verschwörerischen) Blickwinkel betrachtet.

Dies setzt automatisch voraus, dass man zumindest ein stückweit unvoreingenommen an diesen Film gehen sollte – Menschen, denen selbst das kleinste Hinterfragen hinsichtlich der Stellung der Kirche zuviel ist, werden ohnehin einen großen Bogen um Werke von Autoren wie Dan Brown machen, und damit auch um die Verfilmungen. Alle anderen erwartet eine (gemäßigte) Form der Kirchenkritik und das Aufkommen von alten Mythen und Gruppierungen. Was eigentlich zu den klaren Stärken des Films zählen sollte, ist mit einem gemischten Gefühl zu betrachten: gerade das Porträt der Kirche fällt noch viel zu oberflächlich und vereinfacht aus; während man im Buch einen ausführlichen Einstieg in dieses (und andere Themen) erfuhr. Der gravierendste Unterschied zwischen Buchvorlage und Film findet sich jedoch in Bezug auf das Finale: so fühlte ich mich bei der Darstellung der (nun stark vereinfachten) Hubschrauber-Szene doch etwas veräppelt. Und; während dem Leser im Buch das Gefühl vermittelt wurde, als handele es sich hier um eine ganz und gar zeitlose Verschwörung – regiert im Film doch eher ein simplifiziertes gut-böse Prinzip, mit einem „Oberschurken“, der zwischen unseren Filmhelden und dem Happy-End steht (überspitzt formuliert). In dieser Hinsicht hätte der Film noch weitaus offener und interpretationsfreudiger inszeniert werden sollen.

Robert Langdon, der Symbolologe und Verschwörungsaufdecker

Auch die im Buch grundlegende Behandlung der Frage nach de Zusammenspiel von Wissenschaft und Religion findet kaum den Weg in die Verfilmung – das ist schade, und beraubt ihn damit einer weiteren potentiellen (dann: philosophischen) Stärke. Weiterhin wurden allerlei Personen und Aspekte komplett weggelassen: sei es der Direktor des CERN, die Hintergründe zur Schweizergarde, und generell: unzähliger Charakteraspekte aller Beteiligten. So kann auch ein Tom Hanks kaum über die Schwächen des knallhart auf Hollywood-Blockbuster getrimmten Drehbuchs hinwegtäuschen. Gerade sein Charakter, eigentlich der zentrale Dreh- und Angelpunkt des Buches, verkommt im Film eher zu einer ferngesteuerten und emotionslosen Marionette, die von einer Station zur nächsten hetzt. Stichwort Stationsfahrt: genau das ist Illuminati leider geworden. Stellenweise hat man das Gefühl, als würde einfach nur von Ort A zu Ort B (und so weiter) gesprungen werden; und das ohne jegliche erzählerische Tiefe. Auch der Einsatz der Kamera vermag diesen (negativen) Eindruck nur zu unterstützen: rasant-hektische Kamerafhrten und übertriebene Ansichten auf Menschenmassen vermitteln hier leider kein Gefühl von Bedeutsamkeit oder erzieherischer Größe, sondern lenken nur noch mehr ab von der ohnehin schon leidlich ausgearbeiteten Portierung des Buchstoffes.

Am liebsten würde ich auch den Synchronpart des deutschen Tom Hanks-Sprechers mitbewerten, doch da ich Filme ohnehin viel lieber im Original sehe lasse ich das. Doch der „Kloß im Hals“ ist dieses Mal mehr als auffällig. Wenn das so beabsichtigt war, so zweifele ich an der Ernsthaftigkeit des Synchronstudios; führt diese Darbietung doch zu dem einen oder anderen unfreiwilligen Lacher. Die Optik des Films (Look, Szenenaufbauten, Schauplätze, Statisten) fällt insgesamt noch recht nett aus, aber irgendwohin müssen die (horrenden) Produktionskosten ja auch fliessen. Der Soundtrack von Hans Zimmer dagegen wirkt nicht immer passend, zu orchestral-brachial sind die Klänge – und das leider ständig. Verschnaufpausen sucht man vergebens, aber immerhin hatte man ja auch „nur“ 2 Stunden Zeit, die Geschichte zu erzählen.

Fazit: Für alle Kenner und Liebhaber der Bücher ist Illuminati sicherlich eine gnadenlose Enttäuschung. Für alle anderen bietet der Film – gerade durch seine Hollywood-lastige Kommerz-Inszenierung – auch nicht viel mehr als mittelmäßige Thriller-Unterhaltung. Einzig und allein das relativ ungewöhnliche Thema (Religion-Kirche-Verschwörungen) sollte ein Anreiz sein, sich diesen Film dennoch anzusehen. Keine klare Empfehlung also, eigentlich hochkarätiges und zeitloses Ursprungsmaterial verkommt zu einem schnöden Blockbuster-Machwerk der Hollywood-Neuzeit.

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