Filmkritik: „Frontier(s)“ (2007)

Filmtitel: Frontier(s)
Regie:
Xavier Gens
Mit: /
Laufzeit:
108 Minuten
Land:
Frankreich / Schweiz
Genre:
Horror

Inhalt: Eine Gruppe junger Männer überfällt in Zeiten der französischen Krawallsituationen und der damit einhergehenden politischen Unruhen eine Bank. Bei der nicht ganz so erfolgreichen Aktion verliert einer der Kriminellen das Leben, und der Rest versucht panisch, irgendwie aus dem Land zu kommen. In einer merkwürdigen Absteige im französisch-belgischen Grenzbereich finden sie erst einmal Unterschlupf – doch schon bald beginnen sich die Männer zu fragen, ob das die richtige Entscheidung war. Denn: von der Polizei verfolgt, müssen sie sich nun auch noch mit einigen sehr unheimlichen Motelbetreibern auseinandersetzen. Was führt die psychopathische Familie nur im Schilde; und: werden die Kriminellen dem vorgezogenem Selbstjustiz-Urteil, welches sich abzeichnet, entkommen können ?

Kritik: Bereits an dieser Stelle sollte auffallen, dass Frontier(s) nicht gerade das Horrorgenre neu definiert. Vielleicht war das auch gar nicht gewollt – doch insgesamt wirkt das Ganze wie ein müder Abklatsch von Rob Zombie’s Haus Der Tausend Leichen, zusätzlich garniert mit jeweils einer Prise Hostel und Texas Chainsaw Massacre. Wieder ist es eine durchgeknallte Familie, die – warum auch immer – bisher unentdeckt eine Art Motel betreibt und sich unschuldige Bürger einfängt und zum Vergnügen quält. Halt – unschuldig ? Nein, Frontier(s) erdreistet sich sogar, eine kleine Vorgeschichte zu präsentieren, mit der das später folgende in einer Art und Weise gerechtfertigt werden soll. Schließlich handelt es sich bei den hier gefolterten Männern „nur“ um Kriminelle.

Die Story bietet auch sonst nichts neues. In Sachen Brutalitätsgrad wurde allerdings an der ein oder anderen Schraube gezogen, sodass das Ganze extrem blutig ausfällt, und in einem menschenverachtenden Gemetzel mündet. Gut, für wen Hostel eine Offenbarung war, der könnte auch an Frontier(s) Gefallen finden. Schließlich gibt es ganz und gar innovative Elemente, wie einen uralten Nazi-Opa als Storyaufhänger; oder besonders „feuchte“ Tötungen wie die mithilfe einer riesigen Kreissäge. Ganz abgesehen davon, dass ich Filme mit derart billigen Konzepten nicht sonderlich schätze; bietet Frontier(s) noch zusätzlich eine auffallend dämliche Inszenierung, und eine Riesenportion Sinnlosigkeit.

Fliehst Du lieber oder wagst Du einen Blick in meinen Hobbykeller ?

Merkwürdig wird es beispielsweise, wenn man das Verhalten der Charaktere näher betrachtet. Natürlich flüchtet man – wenn man zudem noch schwer verletzt ist – am besten immer in ein dunkles und unübersichtliches Bergwerk. Natürlich ist das auch immer so eine Sache mit dem Zielen bei Schusseisen; es macht auf einfach Spaß lieber auf unterstehendes Gedöns zu ballern als auf das eigentliche Ziel. Und, meine Lieblingsszene des Films: natürlich kriecht man, am Ende eines Tunnels angekommen, in ein 40 Zentimeter breites Loch, anstatt einfach wieder kehrt zu machen. Es macht schließlich mehr Sinn, dann über eine mangelnde Luftzufuhr zu klagen; als das man genausogut draußen (und aufrecht) hätte weiter suchen können. Weitersuchen… ja, nach was denn überhaupt ? Nach einem Fluchttunnel etwa ? Doch so einen benutzt man doch eigentlich nicht, wenn man schon draussen (in der Freiheit) steht. Schlecht, wenn besagter Tunnel dann (natürlich !) auch noch direkt in die Höhle des Löwen führt.

Aber, für den ganzen Wahnsinn sind ohnehin mal wieder die Deutschen verantwortlich. Schließlich ist unser Mr. Altnazi aus Frontier(s) der eigentliche Strippenzieher hinter dem geheimnisvollen… Quälprojekt. Oder was auch immer das Ganze darstellen soll; einen Sinn ergibt es jedenfalls nicht. Und schon gar nicht, wenn es mit Haus Der Tausend Leichen (nur ein Beispiel) schon einen viel besseren, kultigeren und schockierenden Horrorfilm zum Thema „Psychopathenfamilie“ gibt. Auch, wenn in dem keine Gammelfleisch-Altnazis vorkommen, was vielleicht auch besser so ist. Schließlich wirkt es so, als wolle sich „Frontier(s)“ immer wieder Rechtfertigungsmöglichkeiten suchen, wie zu Beginn schon mit den Kriminellen und der ja ach-so-realitätsnahen Story. Da fällt es auch nicht mehr sonderlich ins Gewicht, dass tatsächlich eine Art fragwürdiger „Plan“ hinter der ganzen Quälerei zu stehen scheint. Denn auch dieser erweist sich als relativ sinnfrei und wenig nachvollziehbar.

Machen Sie wenigstens im DVD-Regal einen großen Bogen um "Frontier(s)"...

Die kunstvolle Kameraführung vermag es, dem Zuschauer schnell ein Gefühl des Brechreizes zu vermitteln – und das noch nicht einmal wegen all dem Kunstblut. Nein, die Kamerafahrten, Schnitte und Lichtverhältnisse sind einfach so mies, dass Kopfschmerzen unvermeidbar sind. Der Sound kommt typisch Horror-lastig daher, bietet dabei aber keinerlei einprägsame Stücke oder eine stimmige Titelmelodie. Gibt es denn überhaupt einen positiven Aspekt an Frontier(s) ? In der Tat, und es schmerzt mich, diesen zu erwähnen. Doch es ist verdient – denn die Darsteller wirken insgesamt recht überzeugend, von den Ganoven (die nicht viel mehr zu tun haben als zu sterben) einmal abgesehen. Ganz besonders die Figur der Tochter der Nazi-Familie weist auf ein gewisses, verschenktes Potential hin. Aber auch diese kann nicht viel reissen in diesem zwanghaft auf extravagant ausgelegtem Cast. Extravagant ist aber eigentlich nur das selten dämliche Konzept des Films. Wie kann man bei einer so sinnfreien Story überhaupt noch soviel falsch machen ?

Fazit: Wie auch immer, bei diesem französischen Film handelt es sich um ein Machwerk übelster Qualität. Innovationen sucht man vergebens. Die Geschichte gab es so oder ähnlich schon tausendmal, die Charaktere sind größtenteils uninteressant (und entweder unwichtig oder total überzeichnet), die vermeintlichen Rechtfertigungsmethoden für die vorhandene Brutalität unerträglich.

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s