Filmkritik: „Cloverfield“ (2008)

Filmtitel: Cloverfield
Regie:
Matt Reeves
Mit: /
Länge:
86 Minuten
Land:
USA
Genre:
Horror

Inhalt: Auf einer New Yorker Cocktailparty herrscht eine zwiegespaltene Stimmung. Rob Hawkins (Michael Stahl-David) wird aus Jobgründen bald in den fernen Osten ziehen – doch natürlich soll der offizielle Abschied gebührend gefeiert werden. Rob’s Bruder Jason (Mike Vogel), dem ursprünglich aufgetragen wurde, die Ereignisse des Abends mit einer kleinen Videokamera festzuhalten, hat diese Aufgabe zwischenzeitlich an seinen Kumpel Hud (T.J. Miller) abgegeben. Kurze Zeit später endet der Umtrunk jäh – nämlich als der Boden zu beben beginnt und alle panisch nach draussen stürmen. Es herrscht Chaos auf den Straßen von New York City. Schon bald wird klar, dass es sich diesmal nicht um eine Naturkatastrophe handelt – sondern um eine bedrohliche Begegnung der dritten Art. Es bleibt nicht viel Zeit für weitere Fragen oder Feststellungen, denn von nun an gilt: jeder ist sich selbst der nächste in diesem Kampf ums nackte Überleben.

Kritik: Das ist die Grundsituation im Film Cloverfield, im voraus als höchst geheimnisvolles Filmprojekt behandelt. Es gab kaum Vorabinformationen, und allgemein wurde das Ganze ein wenig in die Ecke der möglichen, noch kommenden filmischen Sensationen des Jahres gestellt. Ist Cloverfield nun auch tatsächlich die filmische Überraschung des Jahres 2008 geworden, die Revolution im einstweilen etwas eingeschlafenen Horrorgenre, auf die wir alle gewartet haben ? Die Antwort ist längst kein Geheimnis mehr: nicht wirklich. Der Film punktet in erster Linie hinsichtlich des verwendeten Stilmittels der „Ego-Perspektive“, welches einen großen Popularitätsschub durch Low-Budget-Werke wie Blair Witch Projekt erfuhr. Das heisst, auch in diesem Fall: die Grundstimmung ist beklemmend, man ist mittendrin im Geschehen – und spürt somit auch schon mal die ein oder andere Erschütterung (in Form von Kamerawackeln) oder sieht „schwarz“. Ganz wie unsere ums Überleben kämpfenden Protagonisten eben.

Jedoch hat der Film gerade deshalb ein riesengroßes Problem, oder vielleicht auch zwei. Natürlich erlaubt die Verwendung dieses Stilmittels die Entstehung eines gewissen Authenzitätsgefühls, aber: was nützt mir – als Zuschauer – eine auf „realistisch“ getrimmte Kameraführung (ein Stativ wurde folgerichtig nicht genutzt) wenn die Szenenaufbauten und die Umgebungen dennoch stark im Sinne der Filmwirkung „präpariert“ wirken ? So wirkt es eben nicht, als ginge eine Gruppe von Freunden „mal eben“ von einer Party auf die Straße; sondern eher wie: wir gehen jetzt einmal durch die stark linear angelegte, vorbereitete Kulisse. Ein Blair Witch Project hatte es hier noch ungleich leichter, da das Setting viel weitläufiger war und ohnehin eher auf Natürlichkeit (Schauplatz Wald) ausgelegt war. Dies ist also das erste, das technisch-orientierte Problem von Cloverfield – der leicht schizophrene Eindruck, der nun einmal entstehen muss; wenn man zwar eine „stinknormale“ Handkamera als Dreh-und Angelpunkt des Films nutzt – aber an der Umgebung durchaus hier und da Hand anlegt. Das die besagte Kleinkamera einen unglaublich gute Soundaufnahme-Option zu besitzen scheint (5.1 Ton ist ja heutzutage auch im Heimkino Standard), ist ein weiterer Aspekt. Ich meine: ich kann nicht einerseits auf die üblichen Mittel (professionelle Kamera-Arbeit) verzichten, um einen Film zu präsentieren; wenn die verbleibenden (Sound, Darsteller, Umgebung) nicht angepasst werden. Das hiesse allerdings und folgerichtig auch, dass man sich den akustischen Part von Cloverfield (wenn er denn so „realistisch“ dargestellt werden würde wie die Kameraführung) nicht antun könnte.

Huch, da ist aber jemand kopflos...

Wenn man schon von einer gewissen Schizophrenie spricht, dann müsste man diesen Begriff sicherlich auch auf die Geschichte selbst anwenden. Das Haupt-Problem mit Filmen aus der „Ego-Perspektive“: stellt man sich vor, man wäre selbst einer der Protagonisten des Films (das will man schließlich auch so), wer bitte würde in Anbetracht der hier stattfindenden Ereignisse die Kamera knallhart in der Hand behalten und alles filmen ? Der Eindruck, der entsteht, ist entsprechend makaber: während ringsherum Menschen sterben und (zumindest gefühlt) die Welt untergeht, versucht der „Kameramann“ stets die perfekte Aufnahme zu machen. Dies geschieht natürlich auch in Szenen, in denen die Protagonisten Gefühlsausbrüche zu bewältigen oder schlicht mit der nackten Angst zu kämpfen haben – auch hier zeigt sich die Unvorstellbarkeit der Situation. Eine realistische Vorstellung wäre, dass der Kameramann die Kamera irgendwann einfach wegwirft (wenn ihm sein Überleben wichtiger ist als die Aufnahme), oder das ihm sie jemand aus der Hand schlägt – beispielsweise in besagten emotionalen Situationen. Natürlich, dann gäbe es keinen weiteren Filmverlauf mehr – doch so schneidet sich Cloverfield mit diesen zwangsweise entstehenden Eindrücken selbst ins Fleisch. Immerhin hätten auch Andeutungen gereicht (die Kamera wird für einige Minuten abgeschaltet et cetera – Schnitt, und weiter) – dies hätte die Spannung ohnehin noch zusätzlich erhöht („was habe ich gerade verpasst ?„).

Der Cast ist größtenteils auf No-Name-Darsteller angelegt, was auch gut so ist – immerhin in diesem Punkt haben die Macher ein Händchen bewiesen. Dementsprechend unvoreingenommen kann man an die Sache herangehen, wenn es gilt, sich mit den Charakteren zu identifizieren. Doch, neben dem eben behandelten Problem (welches viele nicht als negativen Aspekt sehen werden, wenn man sich auf die zahlreichen Grundprämissen des Films einlassen kann), gibt es noch ein weiteres, vielleicht nicht gänzlich subjektives. Und das ist das Drehbuch, welches nicht gerade vor visionären Ideen (wie im Trailer angedeutet !) strotzt oder sonderlich gut durchdacht ist. Die Handlung läuft nach altbewährten Mustern ab: eine Gruppe kämpft inmitten der Zerstörung ums Überleben, und wird im Verlaufe der Spielzeit dezimiert. Dazwischen gibt es typische Schema-F- Aktionen, wie das Retten einer Freundin aus einem (einsturzgefährdetem) Hochhaus – Rettung in letzter Sekunde, aber ohne Sinn und Verstand. Das schlimmste: besagtes Monster, besagtes „großes Geheimnis“ des Films – nämlich die neue, unbekannte Bedrohung – entpuppt sich als totale Nullnummer. Kein „woher“, kein „warum“, kein „was dann“; alles in allem hätte das Drehbuch jeder halbwegs talentierte Hobby-Sci-Fi’ler schreiben können. Man setzte eine Art Godzilla in ein Stadtzentrum, und lasse ihn wüten. Und, man zeige auf, wie eine handvoll Menschen damit fertig wird.

Fazit: Gähn – Cloverfield ist eine gnadenlose Enttäuschung. Weder wurde der Film dem großen Hype gerecht (was auch eine Unmöglichkeit war), noch bietet er Horror- oder Thrillerunterhaltung auf einem sonderlich hohen Niveau. Es fehlt an Ideen, es fehlt an Mut; es reicht einfach nicht, eine Handkamera als einziges „neues“ Objekt in der Szenerie einzusetzen. Das ist dann ungefähr so, als würde man Transformers noch einmal neu verfilmen, mit Sam als Kameramann und Erzähler. Toll, oder ? Immerhin hätte man sich so einige teure Spezialeffekte ersparen können, aber an einer hohlen Story ändert das im Zweifelsfalle auch nichts.

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