Filmkritik: „Eden Log“ (2007)

Filmtitel: Eden Log (AKA: Rezo Zero)
Regie:
Franck Vestiel
Mit: /
Laufzeit:
98 Minuten
Land:
Frankreich
Genre:
Horror

Inhalt: Ein uns unbekannter Mann mit dem Namen Tolbiac (Clovis Cornillac) erwacht an einem gespenstischen Ort aus der tiefen Bewusstlosigkeit. Es ist kalt und dunkel, man sieht kaum die eigene Hand vor Augen. Überall ist Schlamm, nur hier und da blitzt mal ein Lichtstrahl auf – wo ist er hier nur hineingeraten ? Was im Moment aber viel wichtiger für ihn ist; wie kommt er da wieder raus, und das am besten so schnell wie möglich ? Es scheint aber, als hätte er sein Erinnerungsvermögen verloren, und so muss er in erster Linie seinem Überlebensinstinkt folgen, und sich auf irgendeinem Weg eine Fluchtmöglichkeit suchen. Doch eines ist klar: je weiter er kommt, desto größer und schwieriger werden die Herausforderungen. Und, umso näher kommt er dem Geheimnis hinter der mysteriösen Anlage…

Kritik: Dieses französische Werk ist wohl eines der ungewöhnlichsten Filmprojekte aus dem Jahre 2007. Doch worin genau begründet sich diese Ungewöhnlichkeit; etwa im Mut, etwas neues zu riskieren – oder aber in der düsteren Inszenierung ? Vielleicht ist beides der Fall, wenn man von Eden Log spricht. Besagter Mut aber ist keinesfalls nur positiv zu werten. Es fällt schnell auf, dass der Film versucht, fast ausschließlich über die düstere Optik zu arbeiten. An sich kein Problem, schließlich gibt es viele andere Horrorfilme, die sich fast ausschließlich in der Dunkelheit abspielen – eventuell nur erleuchtet vom Licht einiger Taschenlampen. Doch: alles muss in gewissen Dosierungen stattfinden. Eden Log jedoch setzt komplett auf eine rabenschwarze Mattscheibe, sodass es einem schwerfällt, dem Geschehen zu folgen. Gefühlt ist es dann eben so, als spielte sich das Geschehen irgendwann nach Mitternacht ab – und das auch noch in einem unübersichtlichen, gruseligen Gebäudekomplex. Wer also nicht auf Horrorfilme steht, die sich komplett in der Nacht beziehungsweise im Dunkeln abspielen, der kann gleich einen großen Bogen um Eden Log machen.

Denn schließlich sind auch die „Eyecatcher“, die die Dunkelheit ein wenig ausleuchten sollen, problematisch in Szene gesetzt. Da läuft der Protagonist durch dunkle Gänge, und im Hintergrund gibt es allerhöchstens mal so etwas wie hektisches Geflacker von kaputten Lampen – was eher zusätzlich anstrengt, als dass es positive (optische) Abwechslung bieten könnte. Auch der Schnitt ist im allgemeinen sehr hektisch ausgefallen, besonders aber in Bezug auf spezielle Szenen (wie eine spätere Monster-Szene im Fahrstuhl). Immerhin kann man die teils aufwendigen und stimmungsvollen Szenenaufbauten und das Setting zumindest erahnen (überall Schrottteile, alte Computer, Pflanzen, stimmig-verwinkelte Gänge), sodass man sagen muss; dass die allgemeine Dunkelheit nicht  genutzt wurde um in optischer Hinsicht mögliche Mankos zu kaschieren. Es scheint, als würde Regisseur Franck Vestiel das Ganze tatsächlich als (stimmungsvolles ?) Stilmittel auslegen, doch die Rechnung geht leider nicht auf. Eden Log strengt in optischer Hinsicht schlicht mehr an, als dass der Film einen positiven Eindruck und eventuelle „wow“-Momente hinterlässt.

Was lehrt uns "Eden Log" ? Man sollte es nicht Übertreiben mit optischen "Spielereien"...

Was aber ist mit dem wichtigsten Aspekt, der Story ? Nun, erst einmal wirkt die Erzählweise still, langsam und bedrohlich – was am Anfang noch Laune auf mehr macht. Doch – die Stimmung bleibt im Verlauf des Films exakt dieselbe (es ist zwar spannend, aber kommt da jetzt noch etwas ?). Man wird als Zuschauer also durchaus ein wenig im Regen stehen gelassen, was den Inhalt beziehungsweise die mögliche Aussage dieses Films angeht. Worum geht es überhaupt ? Schwer zu sagen, wenn mich jemand persönlich ansprechen, und nach dem Inhalt des Films fragen würde; hätte ich so meine Probleme. Man müsste eher über die Schiene einer Beschreibung der Ereignisse im Film gehen, um sich möglicherweise eine eigene Interpretation zu formen. Doch auch von besagten „Ereignissen“ gibt es (leider !) gar nicht mal so viele: ein unbekannter bahnt sich seinen Weg durch irgendeinen mysteriösen Komplex, der sich bald als eine Art Pflanzenplantage herausstellt, von ganz unten (Ort des Erwachens) nach ganz oben (Freiheit ?). Zwischendurch trifft er immer wieder auf Menschen in Anzügen, die die Anlage zu überwachen scheinen. Und, er trifft auf mutantenartige Wesen, die irgendetwas mit der höchst ominösen „Superpflanze“ (siehe Cover) zu tun haben.

Besonders ärgerlich ist, dass ein jegliches „Klärungspotential“ auch in den Szenen, die dies geradezu angeboten hätten, vergeudet wurde. Natürlich liebe ich kryptische Filme; Filme, bei denen man sich einstweilen auch mal anstrengen muss um dem Geschehen zu folgen. Doch Eden Log übertreibt deutlich, und vermittelt einem das Gefühl, als könnte es auch sein dass hier nur „viel Wind um Nichts“ gemacht wird. Der Architekt der Anlage, die Videologs, die Pflanze… all dies sind Aspekte, die irgendwo und irgendwann im Film vorkommen, doch im Ganzen (ob einzeln oder kombiniert) keinen näheren Sinn ergeben. Beziehungsweise eben nur einen solchen, wie man ihn selbst dem Film zuschreibt. Eindeutig ist hier nichts, auch nicht Zweideutig – es fühlt sich an, als würden dem Zuschauer häppchenweise verwirrende Versatzstücke zugeworfen, die er am Ende selbst zusammenbauen muss. Was man erreichen kann ist, dass man eine ungefähre Vorstellung vom Sinn dieser… „Anlage“ und der Pflanze bekommt, dann allerdings auch erst gegen Ende des Films. Doch das ist einfach viel zu wenig für einen nicht unbedingt kurzen Spielfilm; der Weg bis hin zum „Ziel“ fällt enorm träge, etwas öde und einfach nur arg lethargisch aus. Und: unnötig kryptisch, ohne das tatsächlich auch etwas nennenswertes geschieht.

Fazit: Vielleicht ist Eden Log am besten als unkonventionelles Filmprojekt in Cube-Manier zu betrachten, das aber grundsätzlich scheitert ob der fehlenden Begeisterungsfähigkeit, die man als Zuschauer für dieses Szenario bei einem besseren Drehbuch vielleicht noch hätte entwickeln können. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass es in Eden Log um eine futuristische Gesellschaft geht, die mit einer ganz speziellen Form der Energiegewinnung ihr Dasein fristet. Vielleicht rettet Tolbiac die Menschheit. Vielleicht vernichtet er sie. Vielleicht kombiniert er auch beides in einer Lösung gar biblischen Ausmaßes. Doch es fällt einfach schwer, der allgemeinen Dunkelheit weitere Geheimnisse zu entlocken – falls da überhaupt noch welche darauf warten, entdeckt zu werden. Drehbuch und Optik sind Murks, lediglich die Unkonventionalität könnte man positiv bewerten.

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