Filmkritik: „No Country For Old Men“ (2007)

Filmtitel: No Country For Old Men
Regie:
Joel Coen & Ethan Coen
Mit:
Javier Bardem
Laufzeit:
122 Minuten
Land:
USA
Genre:
Thriller

Inhalt: Irgendwo in einer verlassenen Wüste in der Nähe des Rio Grande: Der Jäger Llewelyn Moss (Josh Brolin) findet auf seinem Streifzug eher zufällig eine grausame Situation vor. Zwischen einigen Fahrzeugen liegen von Kugeln durchsiebte Leichen; es scheint, als habe sich vor nicht allzu langer Zeit ein Massaker abgespielt. Überraschenderweise trifft er auf einen Überlebenden, der röchelnd nach Wasser fragt – doch Llewelyn’s Interesse an der Rettung des Mannes scheint endgültig zu schwinden, als er eine riesige Lieferung Heroin und einen Koffer mit 2 Millionen US-Dollar Inhalt entdeckt. Obwohl die Vermutung nahe liegt, dass es sich hier um ein fehlgeschlagenes Banden-Geschäft handeln müsste, meldet er den Vorfall nicht – sondern schnappt sich den Koffer. Das Problem: von nun an ist ihm ein gewisser Anton Chigurh (Javier Bardem) auf den Fersen. Die Polizei um Scheriff Bell (Tommy Lee Jones) nimmt aufgrund des allgemeinen Aufruhrs Kontakt zum „altbekannten“ Llewelyn auf, und als die Wahrheit ans Licht kommt, versuchen alle Parteien; noch schlimmeres zu verhindern…

Kritik: Dieser Film, der dem ersten Anschein nach als genretypischer Thriller durchgehen könnte; markiert tatsächlich eines der filmischen Highlights des Jahres 2007.  Der Grund hierfür ist nicht in ein oder zwei Sätze zu fassen; doch eines ist gewiss: er hebt er sich positiv von der Masse der Hollywood- und US-Filme im allgemeinen ab. Und das trotz der relativ schnell erzählten Geschichte, dem relativ simplen Plot; und dem erst einmal komplett fehlenden Bezug zum Filmtitel. No Country For Old Men basiert auf einem Roman von Cormac McCarthy, und ist im Grunde das Porträt eines einzelnen Mannes, der zufällig in eine heikle Situation um Geld, Drogen und Macht gerät. Das folgende Katz- und Mausspiel, das Auftauchen von allerlei interessanten Charakteren und deren Interaktion aber macht den Film zu etwas besonderem – zweifelsohne ist dies (in Filmform) der grandiosen Arbeit der Coen-Brüder als verantwortliche Regisseure zuzuschreiben. Er steckt voller Details und besitzt einem überaus stimmigen Grundton. Mal wirkt No Country For Old Men situationsbedingt makaber; mal abenteuerlich, mal dramatisch; mal emotional – und insgesamt einfach nur packend und spannend. Und, das ist vielleicht das wichtigste: er spielt mit den Begriffen der Veränderung und der Anpassungsfähigkeit der Menschen. Wie verhält man sich, wenn einem eines Tages genau das passiert was man sich vielleicht schon immer erwünscht hat – aber das Abenteuer doch etwas turbulenter ausfällt als eigentlich erwartet ?

Man sollte es sich mindestens zweimal überlegen, ob man sich mit diesem Mann anlegt...

Sicher ist die Altersfreigabe ab 18 hierzulande nicht sonderlich übertrieben. Einerseits ist dies auf die generell etwas düstere Grundstimmung mit einigen brutalen Elementen zurückzuführen; doch hauptsächlich zeichnet sich wohl Anton Chigurh – als gnadenloser Killer der „unter Druck“ steht (in Bezug auf seine einzigartige Waffenwahl) – für die heftigsten Szenen des Films verantwortlich. Das ist auch gut so – denn No Country For Old Men zieht seine Energie zu einem Großteil aus den vielschichtigen und nicht immer eindeutigen Charakterporträts. Ganz besonders Javier Bardem macht hierbei einen unglaublich guten Job, seine Darstellung eines psychopathischen, emotionslosen Killers ist sehr beeindruckend. Und: gleichwohl erschreckend wie faszinierend. Nicht umsonst erhielt er auch einen Oscar für diesen Auftritt – zu Recht. Interessanterweise hat US-Darsteller Woody Harrelson eine Nebenrolle als ebenfalls nicht vollständig durchschaubarer Gegenspieler des Killers. Dieser aber lässt sich auf der Jagd nach dem Hauptprotagonisten (und nach seinem Geld) aber nicht sonderlich beirren – und geht dabei über Leichen. Sehr markant und auf immer in mein (zumindest filmbezogenes) Gedächtnis gebrannt: der Dialog in einer alten Tankstellenstation; wohl eine der besten Szenen des Films.

Besagte Dialoge wissen vor allem durch Reife und Substanz zu überzeugen; und stecken voller eindeutiger Zweideutigkeiten, wenn man so will. Hier waren Drehbuchschreiber am Werk, die ihr Handwerk verstehen. Auch die technischen Aspekte von No Country For Old Men sind durchweg ansehnlich. Die Optik erweckt stellenweise einen (er-)drückenden Eindruck, und vermag es so, die Grundstimmung zu untermalen – bei glasklarem Bild und satten Kontrasten. Die Kameraführung fällt ebenso erfrischend aus wie der Sound und die Musik; doch in erster Linie sind es die Darsteller die diesen Film prägen und gestalten. So ist auch der Auftritt von Tommy Lee Jones als alteingesessener und erfahrener Darsteller lobenswert, und spielt besonders im Hinblick auf das Finale eine zunehmend bedeutendere Rolle. Schlussendlich: etwas, das sich vielleicht im ersten Moment typisch und altbekannt anhört; muss sich nicht als solches (und im zweiten Moment) herausstellen. Dies ist ganz klar der Fall bei No Country For Old Men – ein Film, der es vermag; ein Zusammenspiel von Jäger und Gejagten einmal anders und reichlich erfrischend zu porträtieren. Das Ende hat mich persönlich nicht ganz zufriedengestellt – doch erscheint dies nunmehr wie ein Tropfen auf dem heissen Stein.


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