Filmkritik: „Jumper“ (2008)

Filmtitel: Jumper
Regie:
Doug Liman
Mit:
Hayden Christensen
Laufzeit:
88 Minuten
Land:
USA
Genre:
Science Fiction / Action

Inhalt: Der merklich jung gebliebene David Rice (Hayden Christensen) hatte nicht immer ein sorgenfreies Leben. Doch vor allem war es ein Ereignis, welches ihn prägte: als 15-jähriger Teenager (Max Thieriot) hatte er einen Unfall, bei dem er im Winter in einen See eingebrochen ist. Er überlebte – aber nicht, weil er sich aus dem Eis herauszog, sondern weil er sich an einen anderen Ort teleportierte. Mit der Entdeckung dieser schier unglaublichen Fähigkeit (die auf eine genetischen Anomalie zurückzuführen ist) begann seine Odyssee, die eigentlich nur auf Spaß ausgelegt war. Tresorräume von Banken besuchen, sich an allerlei sehenswerte Orte teleportieren – all das geschah unbemerkt und in Bruchteilen von Sekunden. Natürlich macht das Laune – doch irgendwann will auch David wieder zu seinen Ursprüngen zurückkehren. Er ist auf der Suche nach seiner ersten großen Liebe, Millie Harris (Rachel Bilson), die nicht einmal weiss dass er überhaupt noch lebt. Doch bald tauchen einige merkwürdige Menschen auf, die sich die „Templer“ nennen – die Gruppe um Roland (Samuel L. Jackson) hat es sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht, die sogenannten „Jumper“ zu verfolgen und zu eliminieren. Glücklicherweise trifft David auf einen Jumper-Kollegen namens Griffin (Jamie Bell), der ihm fortan zur Seite steht…

Kritik: Diese Story-Zusammenfassung könnte glatt eine Hommage (oder besser: ein Klagelied) an das verspielte Potential von Jumper sein. Denn: so interessant sich all das im ersten Moment auch anhören mag – der Film ist und bleibt eine klare Enttäuschung. Man muss dazu anmerken, dass der Film nicht einfach dem Nichts (und damit dem Geist eines „genialen“ Hollywood-Verantwortlichen) entsprang, sondern auf einer Geschichte des Autors Steven Gould basiert. Wir haben also wieder eine dieser mehr als typischen Hollywood-Blockbusterverfilmungen eines eigentlich interessanten Buchstoffes – doch wenn die Amerikaner sich an solche Projekte wagen, kann man das Ergebnis meist getrost vergessen. Die Erfahrung zeigt es – und so ist auch Jumper wieder einmal ein perfektes Beispiel für einen lieblosen, auf Geldmacherei ausgelegten Film – der seine Stärken keinesfalls in der Story oder möglichen Botschaften sucht, sondern hauptsächlich in (teuren) Actionszenen und… natürlich, einer faden Liebesgeschichte, oder auch Liebesschnulze. Die platte Action ist zwar durchaus nett anzusehen, doch gerade im Fall von „Jumper“ stellt man sich als Zuschauer unweigerlich die Frage: ja, wozu das Ganze; oder: was bitteschön hat all dies für einen Sinn ?

Wenn ich jumpen könnte, würde ich... natürlich, auf der Sphinx rumhängen !

Es tut beinahe im Herzen weh, wenn eine so potentiell geniale Geschichte derart verheizt wird. Gut, neben den offensichtlichen Fähigkeiten sind es in erster Linie natürlich die inneren, die hierbei interessieren, der Kampf; der im Geist stattfindet. In Jumper jedoch gibt es ausschließlich die besagte, hier schmerzend dämliche Offensichtlichkeit. Einige „Auserwählte“ sind Jumper, und springen rund um die Weltgeschichte – ohne Sinn und Verstand. Eines Tages aber sagt jemand: „das dürft ihr nicht !„, und fortan wird mit harten Bandagen gekämpft. Warum sie nicht über diese Fähigkeit verfügen sollten (ganz schlimm und oberflächlich: das Porträt der sogenannten Templer) bleibt ebenso schleierhaft wie der Grund, warum sie unbedingt in Besitz dieser Fähigkeit bleiben wollen. Schließlich stellen sie damit kaum irgendetwas nennenswertes an.

Zusätzlich sind es die kleinen aber feinen Unsinnigkeiten, die den Film in einer Art und Weise „auszeichnen“. Es beginnt damit, dass David eine Bank betritt und prompt nach einer Kundentoilette fragt. Natürlich ist diese irgendwo im Keller der Bank, ganz in der Nähe des Tresorraums – wie praktisch. Überhaupt scheint alles total planlos und unstrukturiert abzulaufen – man nehme beispielsweise die Szene, in der David seine Geliebte retten will. Er weiss bereits von den Waffen der Templer, und „jumpt“ dennoch völlig unvorbereitet mitten in das Gefecht. Die Folge… ? Ein schmerzverzerrtes Gesicht, allerlei Qual – nur kein Mitleid seitens der Zuschauer aufgrund der Gewissheit, dass er als Hauptcharakter ja ohnehin nicht sterben könnte. Die Charaktere verhalten sich also nicht authentisch, sondern dem Drehbuch entsprechend – was zu allerlei Kopfschütteln führt. Stichwort Botschaften: klar gibt es eine, nämlich das Geld die Welt regiert. Warum sonst sollte Millie überhaupt irgendetwas an David finden, der ja offensichtlich für einige Jahre von der Bildfläche verschwunden war ? Dann „jumpt“ er prompt zurück in ihr Leben (dass seitdem wohl nicht wirklich weitergegangen ist, warum auch immer) und nimmt sie mit auf eine Italien-Reise. Wie romantisch ! Und so glaubwürdig…

Der letzte Schlag vor den Kopf erfolgt dann gegen Ende des Films, als David seiner Mutter begegnet. Immerhin, nach 15 Jahren – da sollte man doch ein emotionales Wiedersehen erwarten. Aber, aber… nein, es stellt sich heraus dass auch sie einer gewissen Fraktion angehört, und so bleibt ihr nicht viel mehr als zu sagen: „ich gebe Dir ein paar Minuten Vorsprung, mein Sohn„. Wie öde, wie dämlich, wie un-inspirierend. Gut ist, dass der Film kaum positive Merkmale aufweist, sodass ich meinen Frust hinsichtlich der Story in meiner Wertung auch voll ausleben kann (und darf). Einzig und allein die allgemeine Optik, die Kameraführung und die Spezialeffekte sind ganz nett anzusehen. Einen Soundtrack habe ich nicht wirklich wahrnehmen können, aber das gehört sich nun einmal so für einen „echten“ Hollywood-Blockbuster: visual effects overload. Fast schon peinlich ist da wieder die Darbietung von Hayden Christensen (bekannt aus Star Wars Episode 1,2 und 3) und die schmerzliche Performance von einem völlig unterfordertem Samuel L. Jackson als oberflächlicher Templer. Eventuell könnte man gerade noch bei Jamie Bell’s Porträt eines leicht ver-rückten Jumpers von so etwas wie Schauspielerei sprechen.

Fazit: Letztendlich bleibt nicht mehr viel hinzuzufügen. Nur, dass Jumper einen riesigen „Vergeudungswert“ aufweist. Aus so einer Story hätte man viel, viel mehr machen können und müssen. So aber hätte das Drehbuch jeder gelangweilte Sci-Fi Freak innerhalb von 20 Minuten fertigstellen können. Vielleicht war ja auch genau das der Fall. 


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