Filmkritik: „Der Nebel“ (2007)

Originaltitel: The Mist
Regie:
Frank Darabont
Mit: /
Laufzeit:
126 Minuten
Land:
USA
Genre:
Horror

Inhalt: Ein Blick aus dem riesigen Panoramafenster der Drayton’s lässt nichts Gutes vermuten: ein Sturm zieht auf. Und was für einer – als am nächsten Tag die Schäden in der Umgebung begutachtet werden, scheint immer noch ein kräftiger Nebel über dem naheliegenden See zu liegen. David (Thomas Jane) und sein Sohn Billy (Nathan Gamble) fahren trotzdem – oder gerade deshalb – in die nächste Ortschaft, um sich mit Verpflegung einzudecken. Auch Brent (Andre Braugher), der Nachbar der Drayton’s, fährt trotz einiger Meinungsverschiedenheiten mit. Merkwürdig erscheint, dass viele Soldaten auf den Straßen unterwegs sind – das Fass zum Überlaufen bringt jedoch ein Mann, der plötzlich blutüberströmt in den Supermarkt hinein gerannt kommt und behauptet, irgendetwas habe ihn und seine Frau aus dem Nebel heraus angegriffen…

Kritik: Diese gruselige Story basiert auf einer Novelle von Steven King, die bereits im Jahre 1980 das Licht der Welt erblickte. Nicht untypisch für King-Verfilmung ist der eher subtile Horror; die zwischen den Zeilen entstehende Panik, wenn man so will: und so ist auch Frank Darabont’s Der Nebel kein Horror-Slasher, der mit allerlei grässlichen Monstern aufwartet, die die Menschen fressen wollen – und einer Gruppe perfekt ausgestatteter Söldner auf der anderen Seite. Zum Glück – denn nur so konnte Der Nebel seine Wirkung auch in Filmform voll entfalten. Die „Monster“ kommen zwar durchaus im Film vor, doch selten sieht man sie in ihrer vollen Gestalt, zumeist sind es nur insektenartige Wesen, die direkt in den Laden kommen und Angst und Schrecken verbreiten. Stichwort Angst und Schrecken: die andere, die „gute“ Seite; die die Monster bekämpft – ist zusammengesetzt aus einer handvoll Zivilisten. Die hält sich verschanzt in besagtem Supermarkt, und versucht das Ganze heil zu überstehen.

Das besondere: der Großteil der Handlung spielt sich im Supermarkt ab, die „vorher-nachher“-Szenen erscheinen lediglich wie ein dünner Story-Rahmen. Das ist das Gute an Der Nebel: der Horror bezieht sich eben nicht nur auf die von den Monstern ausgehende Gefahr, sondern gerade auch um die zwischenmenschliche Gewalt; den zwischenmenschlichen Wahnsinn wie er in einer derartigen Extremsituation wohl entstehen könnte. Denn nachdem sich herauskristallisiert hat wer eher zu den „Leitwölfen“ und wer eher zur „Herde“ gehört, bilden sich bald zwei Gruppierungen. All die hier dargestellten Formen der Gruppendynamik wirken erschreckend authentisch inszeniert, und nehmen den Zuschauer auf emotionaler Ebene mit in den Supermarkt, um sich auf eine der beiden Seiten zu stellen. Schade, dass die Entscheidung bei allen Zuschauern wohl relativ ähnlich ausfallen dürfte – denn das Porträt der weiblichen Leitfigur Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden) fällt doch etwas… einseitig aus. Ihr Fanatismus schürt nicht nur „Rachegelüste“ seitens der anderen, noch „besonnenen“ Überlebenskämpfer im Supermarkt; sondern offensichtlich auch die der Zuschauer. Man wartet eigentlich nur auf den Moment, in dem sie… „aus der Szenerie entfernt“ werden würde.

Zu einem perfekten Film bringt es Der Nebel dann aber doch nicht. Zwar war es ein guter Clou, quasi die gesamte Handlung in das innere eines Supermarkts zu verfrachten – jedoch hat der Film auch nur dort seine Stärken. Alles andere, der Rahmen beziehungsweise die Stützpfeiler der Story (die überhaupt erst zu dieser Situation führen) wirken leider etwas platt und wenig originell in Szene gesetzt. Es mag sein, dass dies auch so beabsichtigt war – man wollte die direkten emotionalen Auswirkungen einer solchen undefinierbaren Bedrohung auf den Menschen porträtieren, und dem Zuschauer nicht wieder (die sonst so typische !) US-Militarismus-Dosis einimpfen. An und für sich gut – doch in einer Art und Weise wirkte der Film so etwas klein in dem von ihm gezeichneten Horror-Universum. Überhaupt ist Der Nebel nicht gerade komplex – schade eigentlich, da man wenigstens die Charakterporträts noch weiter hätte ausfeilen können, Zeit dafür hätte man definitiv gehabt. Doch, stattdessen gibt es einige eher schmerzliche „Must-Have“-Szenen, die mehr Action als Verstand an den Tag legen. Die Szene, in der einige Protagonisten in eine Apotheke gehen um Medikamente zu besorgen, hätte man jedenfalls ersatzlos aus dem Drehbuch streichen können / müssen.

Fazit: Auch sonst bleiben einige Ungereimtheiten im Raum stehen. So ist es allein der Supermarkt selbst, der merkwürdigerweise aus einem unglaublich widerstandsfähigen Material gebaut sein muss – warum sonst bleibt er so gut wie tadellos erhalten bei all der „lauernden Monsterschar“ vor der Türe ? Sei’s drum. Doch neben der authentisch erscheinenden Gruppendynamik (mit leider etwas zu einfachen Charakterporträts) weiss der technische Part von Der Nebel zu überzeugen, Optik und Sound sind auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Allem voran sind es aber natürlich die Darsteller, die den Film tragen. Das Finale des Films betrachte ich mit gemischten Gefühlen: einerseits wirkt es nur konsequent (und entsprechend schockierend), andererseits ein wenig gezwungen (a’la wenig nachvollziehbare Kurzschlusshandlung für ein künstlich-schokierendes Finale). Wer weiss – insgesamt bietet Der Nebel aber durchaus solide Grusel-Unterhaltung, die den Fokus einmal mehr auf andere Dinge legt als auf schaurige Wesen. Denn die gibt es ohnehin in jedem von uns – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger stark ausgeprägt.

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9 Gedanken zu “Filmkritik: „Der Nebel“ (2007)

  1. Stephen King hat mal in einem Interview gesagt, dass das Ende seiner Geschichte anders ist, und er das Ende des Films aber sehr gut ist.
    Nur wegen dieser Aussage hab ich mir den Film mal mit meiner Schwester zusammen ausgeliehen (King-Fan), und wir waren total geschockt und fasziniert und angeekelt ^^ !

    Das originale Ende von King ist glaub ich offener, also es fehlt nur die Szene, wo er alle im Auto erschießt und dann die Rettung kommt. Bin ich mir aber nicht mehr so sicher, müsst ich jetzt nochmal nachlesen…

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      1. Ich finde der Film gleitet am Schluss so stark in Zynismus ab, dass es an stupider Naivität grenzt was man davor zu sehen bekommen hat…schlicht und ergreifend: Popkornkino, warum werde ich gezwungen am Schluss über einen Film nachdenken zu müssen, den man auch leicht wieder vergessen könnte? Und es geht nicht darum, dass am Schluss (fast) alle tot sind…man könnte es beinahe wieder als genial bezeichnen wie man dem 0815-Zuschauer am Schluss auf den Schlips tritt. ^^ Der Film selbst wird dem Schluss aber einfach nicht gerecht um diese ich nenne es mal so „Drastik“ zu rechtfertigen. Das ist wie Bambis Mutter die erschossen wird, mit dem Unterschied, dass die Geschichte von Bambi so nicht zu Ende ging. Versteht jemand die Parallele hier? Der ganze Film ist reine Unterhaltung…hier und da stirbt jemand (auch zur Unterhaltung) oder Oli, mal ganz unverschämt und wirr ausgedrückt, wie wärs mit einer Langepisode von Teenage Mutant Ninja Turtles mit einem komplexen Ende aus Evangelion? Da passt doch irgendwas nicht. 🙂 Egal…mich wundert nix mehr, aus dem Alter bin ich raus…es gibt keine Wunder. xD

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        1. Hmm, ich find, das Ende passt als ein dramatisches, erschreckendes und verzweifelndes zu dem Drama und den Erschreck- und Verzweifelmomenten, die es vorher im ganzen Film gibt: Die Problematik mit der ollen Sektentussi, die Angst vor den Viechern, und so weiter.

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  2. „Der Nebel“ ist ein komischer Film
    Ja ich weiss, was für ne dumme Aussage. Aber wie soll man es sonst erklären.
    Ja der Film fesselte mich beim ersten mal ansehen, da man nicht wusste was passiert oder warum auf einmal Monster auftauchen.. Es dauert lange, bis man überhaupt mal ins Bild gesetzt wird, warum dies alles passiert. Wohlgemerkt, ich sehe das als einen großen Pluspunkt an.
    Die eine Frau, die dies als Rache von Gott ansieht und mit ihrer Art viele andere bekert, war schon sehr nervig, aber auch irgendwie passend.

    Naja aber natürlich ist das Ende sehr Hart. Es war schon ein kleiner Schock der einem irgendwie ins grübeln kommen lässt.. Wie hätte man selbst gehandelt ?! Musste man unbedingt alle umbringen ehe es überhaupt in die Situation kam, das man dies hätte tun müssen? Das Auto wurde schließlich „noch“ nicht angegriffen.. Aber die Bitte seines Sohnes ?! Hmmm…
    Ein schockierendes Ende, aber eben mal ein anderes, denn nciht immer geht alles „gut“ aus.

    Guter Film, gute Schockeffekte, eine nette Story, auch wenn sie natürlich extremst unrealistisch ist^^

    eine 8 von 10 von mir.
    1 Punkt alleine schon wegen Nathan Gamble, der die Rolle des Sohnes „Billy“ verkörpert hat und sie auch so spielte, wie sich ein Kind in seinem alter im Film wohl verhalten hätte bei all dem was passiert.
    und natürlich auch 1 Punkt für das zwar fragwürdige, aber mutige Ende, da es einer der weniger Filme ist, wo nicht alles gut ausgeht.

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  3. Ach und noch ein imdb-Zitat welches ich anderweitig erwähnt hatte…sorry, ich entwickle schon fast selber so einen Fanatismus gegen diesen Film wie Marcia Gay Harden’s Charakter. LOL

    „Dreh- und Angelpunkt des Films ist jedoch sein Finale – die einzige Sequenz, in der Darabont von der Vorlage abweicht. Generierte King noch ein offenes Ende, dessen verhaltener Funke Hoffnung in etwa an Hitchcocks „Die Vögel“ gemahnte, entschied sich Darabont für das wohl fieseste und boshafteste Anti-Ende, das er finden konnte, scheißt auf Logik und Erklärungen und gibt dem Publikum eine Schrotladung dramatischer Tragödie mit nach Hause.Das wäre noch nicht so schlimm gewesen, wenn dieses Ende nicht den kompletten Film dahingehend auf den Kopf stellt, daß die Guten stets im Unrecht waren und die Bösen offenbar alle recht hatten. Zwar steht es einem Film nicht schlecht, mal alles gegen den Strich zu bürsten, aber so sehr betrogen hat man sich schon lange nicht mehr gefühlt, da Logik, Emotion und gesunder Menschenverstand offenbar hier nichts mehr zählen.Das Ende wirkt zweifellos und hält lange nach, passen will es zum Restfilm allerdings schon gar nicht und Darabont inszeniert es mit dermaßen quälender Langsamkeit, das es schon gehässiges Gelächter provoziert. „

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  4. Ich muss nochmal was anfügen, weil ich selbst drüber lachen musste.^^
    Ein imdb-Zitat welches ich schonmal zitiert hatte:

    „Das größte Ärgernis ist jedoch das, was man mit der religiös motivierten Fanatikerin Mrs.Carmody gemacht hat, dargestellt immerhin von der Oscarpreisträgerin Marcia Gay Harden. In der Vorlage eine dezent eingesetzte Unheilsbringerin, die sich im stärker in den Vordergrund spielt, setzt sie der Regisseur hier mit nie dagewesener Penetranz von Anfang an in absolutem Breitwandformat ein und gewährt ihr vom Start weg endlose Apokalypsenmonologe, bis auch der gutwilligste Zuschauer vor mentalen Schmerzen schäumend nach Blut schreit.“

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  5. Hehe…wollen wir meine Meinung nochmal dazu? ^ ^

    Der Nebel ist INSGESAMT betrachtet ein zu durchschnittlich geratener Film der im Verlauf immer alberner und absurder wird und schon mehr zu einem „Monster-,Tier- und Insektenhorrorfilm“ mutiert…alles animierte Quatschwesen, dann diese ständigen religiös-fanatischen Untertöne bis dann der Schluss einsetzt. Warum muss ich kurz vor Schluss noch so einen Dämpfer einbauen? Es macht den Film einfach noch abstruser. So einen provozierenden Schluss baue ich doch in keinem Film ein der eh schon mehr als dürftig ist. Alles was bis dahin gezeigt wurde war typisches Popcornkino (nicht mehr, nicht weniger), der Schluss hingegen wieder unkonventioneller Independentfilm. Der Schluss ist gut, aber Hallo…bitterböse Ironie, aber es passt nicht zu DIESEM Film bei dem vorher alles Schema-F war. Als ob ich einen Edgar Wallace Film gedreht hätte und den Schluss von Hitchcock hinten dran gesetzt hätte. Es wirkt so falsch. So konstruiert. So „Ich muss den Film retten in dem ich noch was schockierendes bringe.“…das ist doch billig…geht doch nicht…ach komm. ^^
    Besser „The Fog – Nebel des Grauens“ von John Carpenter, der gruselt auch schön, hat keine nervigen Charaktere, keine BILLIGEN Computeranimationen und will gar nicht besonders schlau sein am Schluss. Aber bitte das Original, das Remake ist nämlich auch „Mist“…hehehe.^^
    Hmmm…was hab ich nochmal gegeben…ausm Kopf heraus hätte ich fast 5/10 gesagt, ne war sogar doch bissl besser 5,5/10 und ich glaube ich fand die Musik ganz gut. ^^

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