Filmkritik: „Gregs Tagebuch“ (2010)

Originaltitel: Diary Of A Wimpy Kid
Regisseur:
Thor Freudenthal
Mit:
Zachary Gordon
Laufzeit:
93 Minuten
Land:
USA
Genre:
Kinderfilm

Inhalt: Mit dem Wechsel auf die Junior Highschool hat man es als „Neuling“ (vergleichbar mit der siebten Klasse hierzulande) gewiss nicht leicht: eben war man noch einer der älteren und möglicherweise „coolsten“ Kids, und nun ist man ausschließlich von älteren und größeren umgeben. Diese lassen natürlich keine Gelegenheit aus, die jüngeren gebürtig zu empfangen und dementsprechend zu drangsalieren. Der 12-jährige Greg Heffley (Zachary Gordon) ist einer dieser neuen Schüler, hat jedoch einen ganz eigensinnigen Plan: er möchte möglichst schnell innerhalb (s)einer „Beliebtheitsskala“ nach oben steigen. So meldet er sich für spezielle AG’s an und versucht, seine eigene Stärken zu finden und möglichst aller Welt zu präsentieren. Blöd nur, dass es ihm sein eigentlich bester Kumpel Rowley (Robert Capron) nicht gerade leichter macht: er ist das, was man Greg’s Meinung nach wohl als „Ober-Nerd“ bezeichnen würde. Mit seinen ständigen, unpassenden Bemerkungen oder schlicht seinem kindischen Auftreten – vermasselt er immer wieder das Erreichen von Greg’s Zielen…

Dieser Film ist wohl am besten als „Familienkomödie“ zu bezeichnen. Gregs Tagebuch basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Jeff Kinney, und beleuchtet die Welt eines 12-jährigen Jungen, der seine Rolle als „Neuling“ nicht einfach so hinnimmt, sondern sich allerlei Pläne ausdenkt, um möglichst schnell beliebter und bekannter zu werden. Die Geschichte wird quasi aus dem Off erzählt, indem Greg alle seine Erlebnisse in ein Tagebuch schreibt – daher auch der Filmtitel. Ja, was also hat Gregs Tagebuch zu bieten ? Es handelt sich in erster Linie um einen seichten Film, der ausschließlich für ein jüngeres Publikum gemacht wurde. Altersübergreifende oder wirklich zeitlose Aspekte sucht man also leider vergebens – hier werden die Kinder eher ihre Freude haben als die Erwachsenen. Eine gute „Familienkomödie“ ist Gregs Tagebuch also eher nicht geworden.

Auch die Machart und Story des Films wirken (passenderweise) eher infantil, wobei dieser Begriff an dieser Stelle eher negativ zu bewerten ist. Im Grunde wird lediglich eine Mischung aus aneinandergereihten Schul-Szenen gezeigt, alle mehr oder weniger peinlich für die beteiligten Protagonisten. In ihrem Gehalt gleichen diese Geschichten und Ereignisse wohl tatsächlich denen, die wir als Erwachsene selbst in unserem Schulalltag so erlebt haben könnten. Wer kennt nicht dieses Gefühl, dass man am liebsten beliebter sein würde, und das am besten gleich bei allen ? Und, dass gerade derart erzwungene Versuche, wie sie in Gregs Tagebuch gezeigt werden, bereits im voraus zum Scheitern verurteilt sind ? Das macht das Ganze zumindest teilweise zu einer unterhaltsamen Angelegenheit, da man in die Position kommt, ein stückweit mit den Charakteren zu sympathisieren – und vielleicht auch, sich selbst wieder zuerkennen. Doch das Hauptproblem von Gregs Tagebuch bleibt die comichafte Inszenierung. Wirkliche Comic-Szenen bekommt man zwar auch zu sehen – besagte, witzige Zeichnungen sind allerdings auf ein Minimum der Spieldauer des Films reduziert. Doch in Sachen Charaktergestaltung wird die Linie knallhart weitergefahren: ein jeder der Protagonisten wirkt irgendwie unnatürlich schräg und überspitzt dargestellt. Eigentlich ein (dann meist positives) Merkmal für Animes oder Cartoons !

So kommt es, dass sich besagte Sympathie für die Charaktere leider auch in Grenzen hält. Vieles erscheint einfach zu unglaubwürdig, und eben nicht wie direkt aus dem Leben gegriffen. Natürlich, die Witze ziehen trotzdem – doch ich halte Filme (auch Komödien), bei denen man sich tatsächlich in eine glaubwürdige Figur hineinversetzen kann, für gelungener. Gerade wenn es um einen Film geht, der sich auch noch die Coming-Of-Age Thematik auf die Fahnen schreibt: schließlich sollen hier auch die (teilweise irrwitzigen) Probleme auf dem Weg ins Erwachsendasein humorvoll porträtiert werden. Doch in dieser Hinsicht versagt Gregs Tagebuch völlig, es scheint; als ist ausschließlich auf die komödiantischen Elemente Wert gelegt worden. Eine nachhaltige Wirkung sucht man vergebens, zumal sich der Erzähl-Zeitraum auf nur ein Schuljahr beschränkt. Und selbst dafür wirkt der Plot noch arg zerstückelt, die Story reichlich mau.

Der technische Part des Films geht in Ordnung, von der Kameraführung bis hin zu den teilweise liebevoll gestalteten Sets und der optischen Abwechslung (Tag-Nacht, Draussen-Drinnen, Rückblenden-Präsens) bewegt sich alles auf einem guten Niveau. Der Soundtrack vermag dagegen nicht wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Die Darsteller geben sich reichlich Mühe, was bei diesem Drehbuch aber nicht mehr viel reissen kann. Zu oberflächlich und gekünstelt auf „nerdig“ getrimmt wirken die Charaktere, eine Gratwanderung zwischen verschiedenen Emotionen findet kaum statt. Es bleibt die Frage nach den enthaltenen Botschaften, beziehungsweise der Existenzberechtigung dieses – leider etwas lieblosen – Werkes. Einige Aussagen wird man akzeptieren können, so wird zum Beispiel die Bedeutung einer wahren Freundschaft fern einer jeglichen „Popularität“ beleuchtet. Der Weg hin zu dieser Erkenntnis ist aber ein steiniger, und teilweise auch ein nerviger: Hauptcharakter Greg bleibt bis dahin ungewöhnlich egoistisch für einen 12-jährigen, avanciert damit also nicht gerade zu einem echten „Publikumsliebling“.

Fazit: Originellere Aspekte wie die „Käsescheibe“ auf dem Schulhof, die plötzliche (und ungeplante !) Beliebtheit von Greg’s Kumpel, sowie generell die technisch einwandfreie Inszenierung stimmen den Zuschauer wieder milder. Doch zu einem wirklich guten Film, an den man sich noch lange erinnert wird, reicht es keinesfalls. Dafür fehlt einfach eine große Portion Herzblut, bessere Slapstick-Einlagen und schlicht und einfach: Originalität.


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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Gregs Tagebuch“ (2010)

  1. Rat mal welche Blu-Ray ich heute bekommen und bereits gesehen habe…und mir gefällt er recht gut, inklusive Greg, den ich nicht wirklich egoistisch, aber auch irgendwie als „verschroben“ bezeichnen würde. ^^

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