Filmkritik: „Matando Cabos“ (2004)

Filmtitel: Matando Cabos
Regisseur:
Alejandro Lozano
Mit: /
Laufzeit:
Unterschiedliche Versionen
Land:
Mexiko
Genre:
Thriller / Komödie

Inhalt: Mit Missverständnissen ist das immer so eine Sache. Einerseits höchst ärgerlich, gehören sie irgendwie doch zum Leben dazu. So ist Matando Cabos eine wahre filmische Hymne an zwischenmenschliche Missverständnisse und Kommunikationsprobleme, mit all ihren (teilweise schmerzhaften) Folgen. Oscar Cabos (Pedro Armendáriz) ist ein waschechter Tyrann und Lebemann. Vielleicht mit ein Grund, weshalb ihm zwei maskierte Gestalten in einem Parkhaus auflauern, um ein gnadenloses Verwirrspiel auf Leben und Tod in Gang zu setzen. Eigentlich sinnen sie auf Rache an einer bestimmten Person – doch die wird leider von einem weiteren, anderen Duo im Film entführt. So kommt es, dass alle Protagonisten sich zu einem Zeitpunkt die Frage stellen müssen, was genau schief gelaufen sein könnte… mit der Hoffnung, dass sich am Ende vielleicht doch noch alles aufklärt und halbwegs glimpflich ausgeht.

Kritik: Es lebe der mexikanische Film ! In Matando Cabos wird scharf geschossen und knallhart verhandelt – doch als 08/15-Actioner ist der Film sicherlich nicht zu bezeichnen. Im Gegenteil, es handelt sich um einen erfrischend würzigen, temperamentvollen und rasanten Thriller, der auf eine intelligente Art und Weise ein krudes Verwirrspiel inszeniert – und dabei entsprechend auch den Zuschauer fordert. Und unterhält – mit Situationskomik und Szenen, bei denen man sich als Zuschauer nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen kann. Während man dies bei vielen Genre-Kollegen eher aus Missgunst über die miese Machart oder die gekünstelt wirkende Komik macht, liegt es bei Matando Cabos ohne Zweifel an den irrwitzigen Situationen und den allzu misslichen Lagen, in die die Charaktere immer wieder geraten. Die beabsichtigte Wirkung geht also voll auf. Das besondere: hierbei wird sich weniger offensichtlich an allgemeinen Genre-Klischees bedient, als vielmehr ein ganz neue Definition von Wahnwitz ans Tageslicht gebracht. Der Film wirkt völlig unbeeinflusst vom gängigen Mainstream, hat mit Hollywood nun wahrlich nicht viel zu tun – und besitzt dementsprechend auch einen gewisses Gewaltlevel.

Dies sei nur erwähnt, um „zarte Gemüter“ oder jüngere Zuschauer von diesem Film fernzuhalten (Deutschland: FSK 18). Doch andererseits ist die hier dargestellte Form der Gewalt eine, die sich fern einer jeglichen neuerdings angesagten Perversität einer Hostel oder Saw-Reihe bewegt. Die Gewalt dient eben nicht als Aufhänger für eine simple Story – sondern ist der grundsoliden Geschichte als Zutat beigemengt. Stichwort Geschichte: diese wird merklich von den Charakteren getragen, die in ihrer Mischung bunter nicht hätten sein können. Endlich mal wieder ein vernünftiger Film mit einem sogenannten „verrückten Haufen“ als Protagonisten, der aber keinesfalls dumpf oder gezwungen wirkend daherkommt. So wirkt es einfach nur aberwitzig, wenn sich ein Busfahrer gerade jetzt („muss das sein„) rächen möchte (Szene beachten – köstlich), oder allerlei Chaoten – von merkwürdigen Ehefrauen bis hin zu einem Vogelbesitzer mit einer etwas ausufernden Tierliebe – in dieses bitterbösen Thriller-Komödie miteinander interagieren. Natürlich handelt es sich in keinem Fall um eine ausgefeilte Charakterstudie – sondern nur um leicht vereinfachte Darstellung einiger außergewöhnlicher Charaktere, die zumindest alle eines gemeinsam haben: eine ordentlich Macke.

Haben wir den richtigen ? Oder vielleicht sogar jemanden, bei dem wir es bereuen werden...

Ein Unterhaltungswert ist also in jedem Fall gegeben, der Film wird zu keinem Zeitpunkt langatmig. Der Einstieg könnte einstweilen etwas schwer fallen, doch wenn man erst einmal drin ist im ganz eigenen Matando Cabos-Universum, wird man seinen Spaß haben. Die technischen Aspekte wissen diesen Eindruck nur zu unterstützen: sowohl Bild und Ton bewegen sich auf einem hohen Niveau, markante Szenen als Fixpunkte und Highlight bilden beispielsweise die Halluzinations-Szene oder die abwechslungsreiche Schauplatzwahl im allgemeinen. Ein Büroraum in dem Golf gespielt wird, düstere Seitenstraßen, ebenso zwielichtige Gebäude, ein für eine große Party (und ein furioses Finale !) vorbereitetes Haus… alles wirkt passend und gut in Szene gesetzt. Einzig und allein mit der allgemeinen Verwirrung muss man als Zuschauer versuchen zurechtzukommen – doch diese „Verwirrung“ ist durchaus positiv zu betrachten, und nicht unnötig kryptisch präsentiert wie es manch andere, „große“ Regisseure hie und da gerne mal tun.

Fazit: Matando Cabos ist kein Film für Jedermann. Und das ist auch gut so – man sollte schon wissen, worauf man sich hier einlässt. Wenn dieser Schritt aber getan ist, dann erwartet einen vor allem eines: irrwitzige Unterhaltung vom feinsten. Eventuell genau das Richtige für einen „Männerabend“ – denn im Gegensatz zu neumodischen Varianten wie The Expendables bietet der Film eine weitaus liebevollere Inszenierungsweise und weniger „Haudrauf-Action“. Und wird dabei eben trotzdem nicht langweilig, sondern makaber, urkomisch und bitterböse.

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