Filmkritik: „Cradle Will Fall“ (2008)

Filmtitel: Cradle Will Fall – Wenn Mutterliebe Tödlich Wird (AKA: Baby Blues)
Regie:
Lars Jacobson & Amardeep Kaleka
Mit: /
Laufzeit:
85 Minuten
Land:
USA
Genre:
Horror

Inhalt: Irgendwo in den USA… in einer schön abgelegenen, ländlichen Gegend. Ein Junge (Ridge Canipe) befindet sich auf dem Nachhauseweg. Wer hier bereits böses ahnt, liegt im Falle von Cradle Will Fall absolut richtig. Doch sind es in diesem Fall ausnahmsweise mal keine finsteren Gestalten von aussen, sondern die eigene Mutter der Familie, welche das Szepter beziehungsweise die Keule (oder ähnliche Gegenstände) schwingen darf. Eigentlich sieht auf den ersten Blick alles ganz gewöhnlich aus im Hause der Familie, die die meiste Zeit ohne den Vater lebt. Nur die Mutter, sowie insgesamt 4 Geschwister sind es, die hier auf einem ländlichen Hof wohnen. Doch es dauert nicht lange, bis die Mutter von Halluzinationen geplagt wird, und auch das immer nur kurze Auftauchen ihres Mannes (Joel Bryant) macht es nicht gerade besser. All ihre Sicherungen brennen endgültig durch, als sie eine Streichholzschachtel in der Tasche ihres Mannes vorfindet, auf die Werbung für ein Tanzlokal gedruckt ist. Nachdem der Mann wieder einmal auf und davon ist, beginnt die nun völlig durchgedrehte Mutter einen ausgesprochen widerwärtigen Psycho-Feldzug – nicht gegen die „böse Welt“, sondern gegen ihre eigenen Kinder. So ist auch ein Neugeborenes (!) im Haus – passend angedeutet auch auf dem Cover der DVD.

Kritik: Nun, ein Merkmal von Rezensionen ist sicherlich, dass man als Kritiker möglichst sachlich zu Werke gehen sollte – eigentlich eine kleine Unmöglichkeit im Falle eines Films wie Cradle Will Fall, der extremst auf „schockierend“ getrimmt ist. Das ist er ja auch, das kann man nicht abstreiten. Doch ist er es auf eine ganz andere, perverse Art und Weise – eine, die eigentlich nicht in einem Film gehört. Das Problem: der Film basiert zumindest teilweise auf einer wahren Begebenheit, also einem Gewaltverbrechen der abscheulichsten Art. So ist die hier gezeigte „Geschichte“ keine wirkliche in dem Sinne, sondern vielmehr die Hintereinanderreihung höchst widerwärtiger Tötungsszenen an – man konnte es bereits vermuten – an Kindern ! Aber wenn sich Leute bereits an übelsten Gewaltorgien a’la Hostel und Co erfreuen, war es eigentlich nur abzusehen dass irgendwann auch wieder der „Schocklevel“ nach oben getrieben werden musste. Neue Fallen, neue Grausamkeiten ? Ach wo – wieso nicht einfach Kinder als „Opfer“ nehmen ? Ja, da geht den meisten (zum Glück !) noch der Hut hoch. Doch wie heisst es so schön: nur ein komplett angesehener Film ist vernünftig bewertbar.

Vorsicht bei diesem äusserst fragwürdigen Film !

Stichwort Film: das ist Cradle Will Fall ja eigentlich gar nicht. Durch den bereits erwähnten Realitätsbezug ist es vielmehr eine perverse Darstellung eines Verbrechens – nichteinmal eine Dokumentation, da natürlich die Stimmen von Ermittlern und Psychologen fehlen. Fies auch, dass das Ganze optisch (Kamera, Schnitt, Szenen) und von der Gestaltung her (Cover) einen zwar trashigen (typisch für Horrorfilme), aber soliden Eindruck macht. Nein nein, dass Ganze soll schön als „Horrorfilm“ fungieren – damit manche doch noch im DVD-Regal zugreifen. Denn wer möchte schon eine Doku über eine gnadenlose Killerfrau sehen, bei der man sich besagte Verbrechen auch noch größtenteils mit ansehen muss ? Und die Angst der Kinder, hach, das ist ja so schön schockierend – wie sie Angst um ihr Leben haben (und wohl auch tatsächlich hatten, beachtet man den Realitätsbezug), das ist doch Stoff für einen echten Horrorabend ! Oder ?

Nein. Sich an einer Aneinanderreihung von Morden sowie grausamen, körperlichen und seelischen Qualen zu erfreuen ist so schon eine fragwürdige Form der Filmunterhaltung – wenn aber noch Kinder als Charaktere involviert sind, sollte ein jegliches Verständnis aufhören. Und das hat nichts mit „Prüderie“ oder „Weichheit“ zu tun, es ist schlicht und einfach krank. Als Filmemacher möchte man doch immer eine gewisse „Botschaft“ nach aussen tragen, nur welche soll das in diesem Fall bitteschön sein ? Das es böse Menschen und ekelhafte Verbrechen gibt, das wissen wir auch so. Doch nichts anderes macht der Film, er zeigt dies noch einmal gnadenlos auf (wie sieht es aus, wenn eine Mutter ihr Kind in Rage tötet ?) und bietet keinerlei Möglichkeiten, diese Handlungen auch nur ansatzweise erklärbar zu machen. Kein abschließender Kommentar, kein gar nichts – nur die Botschaft am Ende, dass all dies tatsächlich einmal so geschehen ist. Würg.

Ein letztes Doppel-Würg erfährt man dann allerdings doch noch, und zwar in der finalen Szene in der der Vater mit dem einzigen Sohn spricht, der das Massaker überlebt hat. Wenn man so lange durchgehalten hat, versteht sich. Es ist eine Schande, einen so schon mehr als fraglichen, perversen Film so enden zu lassen. Anstatt das sich Vater entsetzt über das Geschehen zeigt (er war zu diesem Zeitpunkt ja wieder unterwegs), reagiert er völlig abwesend, ja; nimmt die Mutter noch in Schutz ! Ach was mein Sohn, so schlimm war das doch gar nicht. Du hast zwar Deine 3 Geschwister verloren (und einige Tiere die auf dem Hof lebten *hüst*), aber das war nur weil Mama krank ist (jaja, sie hat den „Baby-Blues“). Aber bald schon, da ist sie wieder geheilt und kommt zu uns nach Hause ! Wie krank, wie pervers, wie abartig. Soetwas sieht man wirklich nicht alle Tage. Der letzte „Schock-Effekt“ von Cradle Will Fall, der mehr als schwer zu verdauen ist.

Fazit: Haben die Macher also ihr Ziel erreicht ? Ja gewiss, sie haben eine eigentlich heilige Grenze überschritten. Ja gewiss, sie haben es geschafft, dass man sich als Zuschauer fast übergeben muss. Und; dass man sich endlos ärgert, auch noch lange nach Ansehen des Films. Aber wenn das die einzige Existenzberechtigung für einen Film sein soll… nein, Cradle Will Fall hat keine. Dies ist mitunter das mieseste, geschmackloseste Werk aller Zeiten. Machen Sie einen großen Bogen um diesen Film ! Und bitte auch um zukünftige „Werke“ der oben stehenden Regisseure, soviel Grenzüberschreitung gehört einfach bestraft.

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3 Gedanken zu “Filmkritik: „Cradle Will Fall“ (2008)

  1. Im Gegensatz zu „The Children“, den ich schon im Vorfeld (mit)rezensiert habe, sehe ich in diesem Film KEINERLEI ernsthafte Ambition einen massentauglichen oder überhaupt für irgendjemanden funktionierenden Film zu produzieren. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass der Film darauf abzielt Kinogänger und Filmkonsumenten unterhalten zu wollen, auch wenn Horror/Angst/Grusel und bis zu einem Grad auch Gewalt eine Form von Unterhaltung darstellen, so wird man hier nur auf perfideste Art und Weise mit der Gewalt an Kindern schockiert und provoziert. Was genau daran unterhaltsam sein soll weiß ich nicht.

    Hauptthematik des Films ist das Leid der Kinder einer geisteskranken Mutter die plötzlich Amok läuft, doch anstatt auf eine zurückhaltende Rekonstruktion der Geschehnisse zu setzen, werden exploitativ die Taten der Mutter und die Angst der Kinder in den Vordergrund gestellt. Der Film ist so bierernst und grausam, dass man schon nach kurzer Zeit dazu geneigt ist, das Machwerk abzuschalten, weil der Film absolut keinen Spaß (blödes Wort in dem Fall…ich weiß) macht. Ein absoluter HASSfilm dem ich jegliche Wertung verweigere, da er mich NIE versucht hat ernsthaft zu unterhalten, sondern mir penetrant versucht hat, wohl das schlimmste was die Menschheit zu bieten hat, das Quälen und Töten von Kindern, vor Augen zu führen. Und sowas lasse ich mir nur unter bestimmten filmischen Vorraussetzungen „gefallen“, aber so ganz sicher nicht.

    0/10

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    1. Stimme natürlich absolut überein… wenn auch nicht mit der Wertung, die mein persönliches, auf dem Blog etabliertes System schlicht nicht vorsieht.^^

      Verstehe aber Deine Haltung, zumal ich meine mich zu Erinnern den Film auch früher schoneinmal rezensiert zu haben. Und das ebenfalls mit dem Hinweis, dass eine Bewertungsvergabe nicht möglich sei… was mir bisher eigentlich nur ein einziges Mal untergekommen ist. Auch wenn ich gerne darauf verzichten könnte, bleibt mir der Film zumindest in dieser Hinsicht in Erinnerung…

      Da ich die Filme aber – so weit es geht und angebracht ist – in mehrere (Wertungs-)Aspekte aufsplitte, hat selbst dieses Schundwerk hier noch einen klitzekleinen Punkt erhalten. Den gab’s selbstverständlich nicht für den Inhalt oder die Darsteller… sondern eher für den handwerklichen Part (Kamera, Schnitte) der einem ernstgemeinten Drama mit einer ähnlichen (aber längst nicht so exploitativ ausgeführten) Thematik sicher gut zu Gesicht gestanden hätte.

      Einigen wir uns darauf, dass man den Film – ganz unabhängig von den Wertungen, die er erhalten hat – boykottieren sollte.

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      1. Naja boykottieren ist vielleicht zu viel gesagt, das wäre ja eine Form von Zensur. Aber ich würde vorschlagen den Film so zu sehen, was er ist…ein unsympathisches Stück Film. Also wer sich runterziehen lassen möchte und das Gegenteil von Unterhaltung sucht, der ist hier gut aufgehoben.

        Ich habe in der Vergangenheit gesagt, wer so einen Film unterhaltsam findet, der müsse krank und/oder pervers sein, die Aussage tut mir Leid. Nur ist es für mich wirklich fragwürdig und unverständlich, wer diesem Film etwas positives abgewinnen kann…es gibt nämlich nichts. 0/10 mag auch erst mal sehr hart klingen, nur für mich hat der Film komplett versagt, „gut gefilmt“ ist für mich in dem Fall kein Kriterium mehr, wenn der Film aufgrund der gezeigten Bilder ungenießbar ist.

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