Filmkritik: „Meet The Feebles“ (1989)

Filmtitel: Meet The Feebles
Regisseur:
Peter Jackson
Mit : /
Laufzeit:
94 Minuten
Land:
Neuseeland
Genre:
Komödie / Gesellschaftssatire

Inhalt: Wer bereits mit der allseits bekannten Muppetshow seine Probleme hatte, der wird bei den Feebles wohl endgültig verzweifeln. Denn diese niedlichen Puppen sind definitiv nicht so niedlich wie sie aussehen: ein verzweifeltes Nilpferd, ein fremdgehendes Walross, ein krankes Karnickel, eine sensationsgeile Fliege oder ein schüchterner Igel – in dieser Puppenstube der Jackson’schen Art kommen so einige merkwürdige Charaktere zusammen. Angelegt als Satire der bitterbösen Art geht es im chaotischen Studio der Feebles nur um eines: um die Vorbereitung für einen großen Auftritt, der im Fernsehen übertragen werden soll. Es wird also geprobt, das heisst; gesungen und getanzt – doch die interessanteren Dinge finden, wie sollte es anders sein, eher hinter der Bühne statt. Wie es das Cover bereits vermuten lässt, wird die pausbäckige Heidi leider feststellen müssen, dass ihr Gönner und Geliebter Bletch fremdgeht. Dies könnte dazu führen, dass das geplante „Finale“ etwas anders ausfällt als geplant…

Kritik: Ist ein Film von Peter Jackson automatisch ein Klassiker ? Vielleicht. Doch eines ist klar: den Beginn seiner Karriere markierten stark trash-orientierte Machwerke, mal mehr oder weniger übel in ihrer filmischen Qualität. So versuchte er sich in diesem Fall an einer Persiflage auf die Muppetshow, in der zwar die Puppen halbwegs niedlich bleiben, aber dafür der Rest ins rabenschwarze abdriftet. Und eben auch ein klein wenig in Richtung Gesellschaftskritik, mit allerlei Seitenhieben auf allzu menschliche Probleme und die Folgen eines Unter-Druck stehens. Das Problem: besagte Seitenhiebe kommen nicht gerade wie eine angedeutete Backpfeife, sondern eher wie ein wuchtiger Schlag mit dem Holzhammer daher. So bietet Meet The Feebles kaum Überraschungen, und selbst der angepriesene Anarcho-Faktor ist – zumindest aus heutiger Sicht – nicht mehr sonderlich beeindruckend oder gar „schockierend“. Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass sich Jackson offenbar – neben „echten“ Darstellern – auch weiterer, sonst üblicher filmischer Teilaspekte entledigt hat. Einzelne Szenen wirken wie planlos aneinandergereiht, einen roten Faden sucht man vergebens. Es herrscht (vielleicht sinngemäßes) Chaos – weder einzelne Charaktere (beziehungsweise Puppen) noch die fragmentartige Story werden im Gedächtnis bleiben. Überhaupt wirkt das Ganze eher wie aneinandergereihte Sketches, aber nicht wie ein (ernstzunehmender) Film.

Das größte Problem ist jedoch die Gesamtwirkung, beziehungsweise auch die Fragestellung nach dem „warum“. Warum nur musste man solch eine (eigentlich simple, seien wir ehrlich) Idee nur in ein ausführliches Filmformat packen ? Als Kurzfilm hätte das Ganze vielleicht besser funktioniert, doch selbst bei einer eigentlich noch erträglichen Spieldauer von 94 Minuten kam unsererseits (viele Filme schaue ich natürlich in Gesellschaft) nur gähnende Langeweile auf. Wie kann das sein – da die Intention doch offensichtlich eine andere war ? Eventuell galt der Film vor 20 Jahren noch als besonders extravagant, anzüglich – ein gewisser zeitloser Aspekt fehlt aber. Zumal der Film eigentlich komplett sinnfrei und inhaltsleer ist – er wird einzig und allein von den „freakigen“ Puppen-Porträts und den bitterbösen Dialogen getragen. Und das funktioniert nur bedingt. Eher nervig als unterhaltsam kamen auch die Sing-Szenen der Feebles daher, weder der Gesang selbst noch der Text offerieren ein großes Maß an Unterhaltungswert. Immerhin gibt es auch einige Szenen, die durchaus Potential haben. Man hätte sie nur weiter ausfeilen müssen – so ist Trevor (die Ratte) einer der Charaktere, die vielleicht so wirken wie es gewollt war. Als echter „böser Bube“ unter den Puppen fungiert er als Betreiber eines kleinen Drogengeschäftes, und es werden seine urkomischen Versuche aufgezeigt, in der Pornoindustrie Fuß zu fassen… und später macht er doch glatt dem netten Sebastian (der Igel) die angehimmelte Herzensdame streitig. Diese Szenen sind durchaus komisch, und sorgten für die ein oder anderen Lacher.

Fazit: Der Film ist nett gemacht, ja – die Optik, die Puppen und der Ton bewegen sich gestalterisch auf einem durchschnittlichen Level, immerhin muss man auch das vergleichsweise niedrige Budget im Auge behalten. Die Kameraführung wirkt – leider – einstweilen schlechter als noch in anderen, frühen Werken von Peter Jackson. Aber wenn wir von einer generellen Existenzberechtigung sprechen würden… ? Fraglich. Dafür bietet der Film meiner Meinung nach einfach zu wenig: wer wäre irgendwann nicht auf die Idee gekommen, eigentlich niedliche und nette Puppen einmal in ihrer bitterbösen Form zu zeigen ? Man nehme: die Muppetshow, und ersetze alle (kindgerechten) Dialoge durch entsprechend versaute, selbiges gilt für die Handlung. Nun, wenn ein Puppen-Nilpferd durch die Gänge watschelt und dabei über einen hässlichen Wurm stolpert; oder eine überdimensionale Fliege ihre Sensations-Fotos in einem schmutzigen Spülkasten entwickelt – dann sieht das zwar reichlich absurd aus, aber… wie passend erscheint da die Schlussszene, in dem der ganze Wahnsinn entsprechend ein Ende findet – unter einer heftigen Mord-Orgie in bester Puppen-Manier. Ein viel zu einfach gestrickter, trivialer Film der eher für Langeweile als für Lach-Flashes sorgt.

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