Filmkritik: „There Will Be Blood“ (2007)

Filmtitel: There Will Be Blood
Regisseur:
Paul Thomas Anderson
Mit: /
Laufzeit:
158 Minuten
Land:
USA
Genre:
Drama

Inhalt: Der grimmig wirkende Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) ist offenbar keiner der Zeitgenossen, mit denen es sich gut, beziehungsweise leicht leben lässt. Doch sind es gerade seine seelischen Abgründe, sein innerstes Geheimnis; welches ihn dennoch zu einem faszinierenden Menschen macht. Wenn er nur nicht so unnahbar wäre – doch ist diese Eigenschaft wohl nur von Vorteil, wenn man im frühen 20.ten Jahrhundert in das lukrative (aber raue) Ölgeschäft eingestiegen ist. Doch auch sein eigener Sohn (Dillon Freasier) – ein Waisenkind welches er in Obhut nahm – scheint nicht gerade Daniels Zuneigung und Liebe zu spüren. Liebe – ist es ihm überhaupt möglich, jemanden zu lieben ? Ersteinmal konzentriert sich Daniel auf das für ihn Wesentliche, das Geschäft – er kauft nach und nach mehrere Hektar Land auf und knüpft die ersten Kontakte zu zukünftigen Geschäftspartnern. Und womöglich auch zukünftigen Gegnern – doch er scheint ein Mann zu sein, der jeden Trick durchschauen würde. Ganz besonders, wenn es dabei um seine eigene Existenz geht. So trifft er eine unvorstellbare Entscheidung: nachdem sein Sohn durch einen Unfall taub geworden ist, schickt er ihn fort anstatt sich um ihn zu kümmern. Dann wäre da noch der aufkeimende Zwist zwischen ihm und einem Priester, Paul Sunday (Paul Dano) – und das Auftauchen eines weiteren Unbekannten, der behauptet, sein verschollener Bruder zu sein.

Kritik: Reichlich (Erzähl-)Stoff für einen guten Film also. Tatsächlich basiert Anderson’s Werk auf Upton Sinclair’s Roman Öl! aus dem Jahre 1927, und ist in filmischer Hinsicht ganz und gar Hollywood-untypisch. Dies liegt in erster Linie an der anspruchsvollen Thematik, und besonders auch der kunstvollen Inszenierungsweise des Films. Wer hier einen 08/15 Blockbuster erwartet, wird enttäuscht sein – und überrascht, ob der Komplexität und Poesie dieses Films. Der Hauptfokus liegt eben nicht auf der Geschichte um das „schwarze Gold“ – sondern auf dem Charakterporträt eines undurchschaubaren Mannes, der vor nichts halt machen würde wenn es um seine persönlichen Ziele geht. Eine unglaubliche Spannung und Atmosphäre zieht sich durch den gesamten Film, man bekommt als Zuschauer eigentlich kaum eine ruhige Minute – gesetzt, man lässt sich voll und ganz auf dieses Werk ein. So ist bereits die Eingangs-Szene erfrischend anders: während der ersten 15 Minuten wird kein einziges Wort gesprochen. Ausgeglichen wird dies durch die kraftvollen Bilder, und natürlich durch die großartige Filmmusik von „Radiohead“-Mitglied Jonny Greenwoord, sowie einigen eingespielten Klassik-Stücken (beispielsweise Brahms‘ Violinenkonzert in D Dur). There Will Be Blood ist filmische Unterhaltung auf höchstem Niveau – anspruchsvoll, stilecht inszeniert und spannend erzählt.

Das schwarze Gold wird bald sprudeln...

Die Leistungen der Schaupsieler sind überaus eindrucksvoll; nicht umsonst erhielt Daniel Day-Lewis einen Oscar für diesen Auftritt. Auch Paul Dano und Youngstar Dillon Freasier tragen ihren Teil zum Gelingen dieses Films bei – besonders auch, da ein spezielles Augenmerk auf die ungewöhnliche Vater-Sohn Beziehung gelegt wird, die auf die ein oder andere knallharte Probe gestellt wird. Das Besondere: der Film wirkt zu keiner Zeit vorhersehbar (das absolute Gegenteil ist der Fall), und auch die Ansichten und Handlungen der Charaktere bleiben größtenteils undurchsichtig. Man ist als Zuschauer also gefordert, da man kein eindeutiges Ergebnis auf dem Präsentierteller geliefert bekommt. Das ist nur vorteilhaft – Szenen wie das Finale des Films werden im Gedächtnis bleiben, und zum Nachdenken auffordern. Der technische Part des Films lässt ebenfalls keine Wünsche offen: die Landschaftsbilder sind malerisch, einzelne Fixpunkte wie das Öl oder Feuer-Effekte sind gut in Szene gesetzt, die Kamera fängt das stellenweise schwermütige Geschehen perfekt ein. Markant: die Abwechslung hinsichtlich der optischen Eindrücke. Einmal sind es überaus beengt wirkende Szenen, ein anderes Mal weite Landschaftsaufnahmen mit einer Silhouette von Daniel Plainview; und auch die abwechslungsreichen und liebevoll gestalteten Schauplätze und Szenenaufbauten wissen in ihrer Gesamtwirkung absolut zu überzeugen.

Vater und Sohn - das Verhältnis bleibt mehr als zwiespältig

Fazit: Schlussendlich bleibt zu sagen, dass man gar nicht allzu viele Worte über There Will Be Blood beziehungsweise der Interpretation des Inhaltes verlieren sollte. Es gilt, sich sein eigenes Bild zu machen – es lohnt sich in jedem Fall. Es ist ein absolut einzigartiger Film, den man so noch nicht gesehen hat – und wohl auch nicht so schnell wieder sehen wird. Absolut kultverdächtig, spannend, stimmig und eindrucksvoll inszeniert – ganz großes Kino !


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2 Gedanken zu “Filmkritik: „There Will Be Blood“ (2007)

  1. Ach und ich will noch hinzufügen: es stimmt dass der Film unvorhersehbar ist, das habe ich selbst bemerkt. Man hat einen Gedanken oder eine Idee und der Film geht wieder komplett in eine andere Richtung. ^^ Eine punktuelle Wertung ist für mich bei diesem Film schwierig, darum kriegt er von mir lediglich einen Daumen nach oben.

    Ich finde es auch äußerst schade, dass dies scheinbar Dillon Freasiers einziger darstellerischer Auftritt ist und vorerst auch zu bleiben scheint.

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  2. *SPOILER-ALARM*

    Ich habe „There will be blood“ heute gesehen und ich habe gemischte Gefühle – geht wahrscheinlich den meisten so – vor allem wegen dem etwas unbefriedigenden Schluss. Die Darsteller sind hervorragend, allen voran Daniel Day-Lewis aus dessen Charakter man den ganzen Film hindurch nicht schlau wird. Mal der liebende Vater und auf der anderen Seite scheint ihm, obwohl er seinen Sohn nach der Explosion auf der Ölplattform rettet, an seinem Wohl wieder recht wenig zu liegen (wird weggeschickt, bekommt Whiskey in die Milch (!) etc..) und dann der Schluss…wow das tat weh. Erst wenn man den ganzen Film gesehen hat wird einem das Ausmaß deutlich wie grausam gleichgültig dieser Mann tatsächlich ist.
    „Großartige Filmmusik“ klingt für mich übrigens anders, der Film ist teilweise durchzogen von disharmonischen Klängen, die, wenn man das Werk insgesamt betrachtet, aber wieder ins Gesamtbild passen. ^^
    Dillon Freasier der den Filmsohn spielt spielt seine Rolle sehr glaubhaft ohne die Penetranz, die andere Darsteller in diesem Alter manchmal in Filmen entwickeln können. Andererseits hat man auch nicht das Gefühl, dass er sich im Film zum typischen „Er spielt halt das Kind“ Nebencharakter entwickelt. Auch deshalb alleine stößt mir das Ende etwas unangenehm auf, da ich das Gefühl habe selbst weitaus mehr Sympathie für den Charakter des Sohnes entwickelt zu haben als der Filmvater es überhaupt je zu haben schien. War alles nur Lüge? Hat er seinen Sohn, der ja nicht sein Sohn sein soll nur benutzt? Hat er HW mit dieser bösen Mine weggeschickt, damit er nie wieder zu ihm zurückkehren möge, weil Daniel weiß, dass er NIE mit einem anderen Menschen außer sich selbst (und nicht mal das – darum der Suff) auf Dauer auskommen würde – quasi ihm damit sogar was Gutes tun (wie zuvor als er ihn in den Zug setzte)? Oder war der Schluss, wie ein paar andere Leute vermuten, nur ein Traum und er hat Eli gar nicht erschlagen?
    Kein Film der einen mit einem guten Gefühl entlässt, eher mit einer „Twin Peak’schen“ Verwirrung.^^
    Ich war leicht geschockt dass der Film dann so abrupt endet, da ich auch nicht bemerkt hatte, dass 2,5 Stunden vorbei sind. Der Film hat so toll, fast episch angefangen und endet und hinterlässt einige Fragen. Ein Film den man sich wahrscheinlich noch einmal anschauen muss um die Untertöne zu verstehen.

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