Filmkritik: „Impostor“ (2001)

Filmtitel: Impostor
Regisseur:
Gary Fleder
Mit: /
Laufzeit:
102 Minuten
Land:
USA
Genre:
Science Fiction / Action

Inhalt: In 50 Jahren sieht die Welt nicht mehr aus wie heute – man befindet sich im Krieg mit einer außerirdischen Rasse, den Centauri. Diese sind in der Lage, Menschen durch Duplikate zu ersetzen – ob als aufklärende Infiltrationsmaßnahme, oder aber als ganz und gar zerstörerische… so wird auch der erfolgreiche Ingenieur und Wissenschaftler Spencer Olham (Gary Sinise) eines Tages bezichtigt, ein Duplikat zu sein und demnach eine Bombe in sich zu tragen – schließlich würde schon bald die Kanzlerin zu Besuch in die hiesige Forschungs-einrichtung kommen. Spencer beteuert sein Unwissen und seine Unschuld, aber die Gruppe um Chefermittler Hathaway (Vincent D’Onofrio) glaubt an einen klaren, politisch motivierten Anschlagsversuch. Das Problem: man kann die Existenz einer Bombe nicht so einfach widerlegen. So bleibt ihm nicht viel mehr, als den Fängen seiner jetzigen Häscher zu entkommen, und ausserhalb der futuristischen Stadt Unterschlupf zu finden. Bei den sogenannten Outsidern mit Captain Burke (Gary Dourdan) als Anführer, scheint er allerdings auch nicht besonders willkommen zu sein als Stadtmensch. Doch langsam aber sicher entdecken die beiden, dass sie eigentlich ganz ähnliche Ziele verfolgen. Sie wollen im Grunde nur eines: Gerechtigkeit für sich und jedermann.

Kritik: Eine kleine Prise Cyberpunk, eine paar Gramm Action und eine verschwörerische Zukunfts-Story um Verrat und (vermeintliche) Menschlichkeit – fertig ist der (hierzulande eher unbekannte) Streifen Impostor. Und: das Ergebnis ist gar nicht mal so schlecht: die Story ist zwar relativ einfach gestrickt, doch die Mischung aus düsteren Zukunftsvisionen, temporeicher Action und dem allgemeinen Look des Films geht im großen und ganzen auf. Natürlich haben Filme wie Impostor immer eine gewisse automatische Existenzberechtigung, da sie quasi vorsichtige Zukunftsinterpretationen sind (meist in Bezug auf den technischen Fortschritt – wie damals schon Blade Runner), und somit potentiell spannende Themenfelder behandeln. Wie sieht es also zum Beispiel mit dem Menschenrecht und der Menschenwürde der Zukunft aus ? Kann dieses eventuell gleich komplett ad acta gelegt werden, wenn ein gewisser Verdacht auf eine „Gefährdung der höheren Sicherheit“ besteht ? Und was, wenn der Mensch eventuell gar kein richtiger Mensch ist…

So vermag es der Film, ebensolche essentiellen Fragen aufzuwerfen, die einen gewissen Realitätsbezug aufweisen. Die Technik ist als filmische Prämisse allerdings schon etwas weiter: Täter können hier Täter sein, ohne etwas davon zu wissen (Stichwort Spezialbehandlung und implantierte Bombe). Die Inszenierung fällt leicht trashig, aber durchaus spannend und atmosphärisch aus. Die Stadtmenschen leben unter riesigen Kuppeln, die „Outsider“ leben ausserhalb in einer kahlen Wüstengegend, bar eines jedes Schutzes. So begleiten wir den (vermeintlichen ?) Attentäter Spencer, wie er sich seinen Weg durch das Ödland bahnt – um später wieder zurück in die steril wirkende Stadt mit all ihren verwinkelten Gebäudekomplexen zu gelangen. Diesmal allerdings mit Unterstützung – sodass auch für die ein oder andere Actionszene gesorgt ist. Die Story fällt letztendlich relativ vorhersehbar aus – aber der Weg bis zum Finale ist mit durchaus unterhaltsamen (manchmal leider auch etwas zu hektischen) Elementen gespickt. Übermäßig brutale Szenen kommen nicht allzu oft vor, lediglich die Szene in der ein Herz „extrahiert“ wird, lässt einen verstehen warum der Film nicht ab einer FSK-12 freigegeben ist. Immerhin gibt es sogar noch eine kleine (nicht brutale – aber story-relevante) Überraschung am Ende, mit der man vielleicht so nicht gerechnet hätte.


Ja, all das sind durchaus positive Aspekte von Impostor, die den Film eigentlich zu einem kleinen Geheimtipp machen. Eigentlich ? Nun ja, es gibt eben auch eine handvoll negativer Aspekte, einer davon fällt sogar schon direkt zu Beginn des Films auf: durch das recht niedrige Budget (obwohl: immerhin 40 Mio US-$) wurde erheblich an den Spezialeffekten gespart (die aber dennoch des öfteren vorkommen), gerade die Anfangsszene mit der längeren Animationssequenz glänzt nicht gerade durch eine gelungene Umsetzung. Diese gilt es also erste einmal zu „überstehen“ – danach kann man sich schon eher auf den Film einlassen. Doch der wohl größte Schwachpunkt von Impostor bezieht sich auf die Story, beziehungsweise die selbstauferlegte Beschränkung derselben. Der Film spielt in der (nahen) Zukunft – doch das größte Augenmerk wurde auf die Existenz und die Verwendung der „menschlichen Bomben“ gelegt, sodass eigentlich kaum Platz blieb für eine glaubwürdige, ausführliche Zeichnung der (Rest-)Welt, wie beispielsweise die Situation reich (Stadt) und arm (Outsider) – oder aber generell den Konflikt mit einer feindlich gesinnten Rasse. Hier wollte der Funke einfach nicht so recht überspringen, vieles wirkt allzu vereinfacht und platt als filmische Grundvorraussetzung deklariert.

Fazit: Schlussendlich – den technischen Part meistert Impostor eigentlich mit Bravour – von den teilweise erschreckenden Spezialeffekten einmal abgesehen. Die Schauplätze wirken gut gewählt und niemals allzu künstlich), die Kameraführung / Schnitt ist auf einem hohen Niveau (einzige Ausnahme: die viel zu hektischen Kämpfe), der Soundtrack in Ordnung. Ein besonderes Lob verdienen die Darsteller, allen voran Gary Sinise, dem man seine Rolle als für die Gerechtigkeit kämpfender Zukunftsbürger zu 100 Prozent abnimmt. Vincent D’Onofrio als sein Gegenspieler bleibt dabei vergleichsweise etwas blass, doch dies ist wohl eher seiner oberflächlichen Rolle zuzuschreiben (also dem Drehbuch). Der Film weiss zu gefallen – gerade wegen der enormen Spannung und der aufkommenden Empathie für den Hauptcharakter und dem halbwegs überraschenden Ende. Andererseits fehlt auch etwas – da besagte „Trashigkeit“ im Gegensatz zu anderen Filmen (die diese als Stilmittel benutzen) wohl nicht zwingend gewollt war, hätte es durchaus noch eine Prise mehr Tiefgründigkeit sein können. Oder eine Prise Einzigartigkeit, denn vermutlich wird der Film leider nicht allzu lange in den Köpfen der Zuschauer bleiben.

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