Filmkritik: „2009 – Lost Memories“ (2002)

Filmtitel: 2009 – Lost Memories
Regie:
Si-Myung Lee
Mit: /
Laufzeit:
136 Minuten
Land:
Südkorea / China / Japan
Genre:
Science Fiction / Action

Inhalt: Wir schreiben das Jahr 2009 – doch der Verlauf der Geschichte ist in 2009 ein wenig anders als der, den wir heute kennen. Japan zählt zu den klaren Siegermächten des zweiten Weltkrieges, und Korea hat niemals den Status der Unabhängigkeit erreicht.Vielmehr fristet es als eine weitere Kolonie Japans ein zwiegespaltenes Verhältnis: die einen geben sich mit der vorherrschenden Situation zufrieden, doch eine Gruppe von Widerstandskämpfern kämpft mit aller Macht für ein vollständig unabhängiges Korea. Aufgrund dessen wird Herr Sakamoto (Dong-Kun Jang) von den Japanern beordert, die Rebellen ein für allemal Schachmatt zu setzen. Doch im Verlauf der Ermittlungen kommt er in die gefährliche Lage, viele Geheimnisse und Verschwörungen aufzudecken – und steht bald im Kreuzfeuer aller Parteien. Doch als erstes Ziel gilt es, die Ermittlungen erfolgreich zu Ende zu führen, was immer dabei herauskommen mag…

Kritik: Es ist zweifelsohne immer so eine Sache mit Filmen, die mit geradezu fantastischen Prämissen beginnen (und das auch noch im Vorspann !). In diesem Fall befinden wir uns jedoch nicht im Fantasy-Genre, sondern in einem Actioner, der möglichst nah an der Realität angelegt ist. Diese Realität wirkt durch die etwas andere Ausgangssituation (einen alternativen Ausgang des zweiten Weltkriegs) natürlich etwas befremdlich. Doch eines ist klar: schon bald wird man sich als Zuschauer an diese (fiktive) Situation gewöhnt haben. 2009 ist ein gutes Beispiel dafür, wie man eine alternative Realität stimmig und stets nachvollziehbar darstellen kann oder sollte. Und es ist vielleicht auch ein provokantes: denn während viele nur darüber sinnieren, was nach einem „Sieg“ der Japaner im zweiten Weltkrieg hätte passieren können – lebt 2009 diesen Gedanken direkt aus.

Richtig, da war noch etwas mit einer gewissen Atombombe, die auf Hiroshima fiel – in diesem fiktiven Fall jedoch landete sie auf der deutschen Hauptstadt Berlin. Was nach diesen – zu Anfang gewöhnungsbedürftigen – Prämissen folgte, überraschte mich jedoch mehr und mehr. 2009 gibt sich einerseits als gradliniger Actioner mit spektakulären Schusswechseln und beengten Überlebenskampf-Situationen, doch andererseits bietet er auch eine tiefgründige Ebene, welche hauptsächlich durch die alles umgebenden Verschwörungstheorien charakterisiert wird. Es ist einfach spannend mitzuerleben, wie Sakamoto erst als quasi unbefleckter Ermittler in die Szenerie kommt, und nach und nach immer mehr erfährt. Ein guter Action-Thriller ist 2009 also allemal geworden. Doch der Film ist noch mehr – dies liegt hauptsächlich an zwei besonderen Wendepunkten im Filmkontext. Wäre dies ein Standardwerk, so wäre die Geschichte wahrscheinlich damit erledigt, dass Sakamoto irgendwann hinter die wahre Identität der Rebellen / der Verschwörer kommt, und sie letztendlich eliminiert. Punkt, aus ? Zum Glück nicht in diesem Fall. Denn der erste Wendepunkt beschreibt, wie Sakamoto plötzlich selbst im Kreuzfeuer der Länder Korea und Japan steht, nachdem er mehr über eine spezielle Stiftung herausbekommen wollte. Die Grenzen zwischen gut und böse beginnen zu verschwimmen; und man bekommt als Zuschauer das Gefühl, als müsse noch viel mehr dahinter stecken.

Hirnloses Gaballere ? Hey, wir sind hier nicht in Hollywood... zum Glück !

Der zweite Wendepunkt kann an dieser Stelle nicht näher beschrieben werden – aus Spoilergründen. Nur soviel: er relativiert quasi die gesamte erste Hälfte des Films, beziehungsweise zwingt den Zuschauer, über das bisher Gesehene noch einmal anders zu denken. Und es ist kein großes Geheimnis, dass genau solche Filme faszinieren, solche; die erst gegen Ende hin alles bisherige noch einmal in Frage stellen – oder gar komplett über den Haufen werfen. „Nach vorne“ lautet die Devise, und in dieser Hinsicht ist 2009 sicherlich ein Paradebeispiel.

Schön auch, dass dieser Film so typisch un-amerikanisch ist ! Dass heisst, keine Seite / Partei wird übermässig glorifiziert, es sind keinerlei Klischees spürbar. Weiterhin wurde größtenteils auf CGI-Effekte verzichtet, vieles entstand noch aus Handarbeit (die aufwendigen Szenenaufbauten beispielsweise). Die größeren Schusswechsel sind wunderbar authentisch in Szene gesetzt (die Schiesserei im Kunst-Museum). Hierbei regieren keine allzu heftigen Schnitte, aber dennoch ein allgemeine flottes Tempo – so wie es sein sollte. Alle anderen Stilmittel wurden in einem verträglichen Maße eingesetzt, und wirken niemals überdosiert (Hollywood lässt grüßen… !). Die Musik wirkt ebenfalls stimmig, hauptsächlich sind apokalyptisch-klassische Klänge zu hören – und diese Linie wird eben auch beibehalten. Das heisst, es gibt keine bösen Soundtrack-Überraschungen wie beispielsweise am Ende von The One (Papa Roach – einfach nur peinlich !). Die Darsteller sind für unsere (europäischen) Augen vor allem eines: ich nenne es einfach mal frech „unverbraucht“. Dies ist oftmals sehr wichtig für das Funktionieren eines Films, das Ergebnis wäre sicherlich nicht so stimmig wenn ein gewisser Jet Li oder ein Chow-Yun-Fat mit von der Partie gewesen wären. Und erst die Gagen…

Fazit: Zusammenfassend kann man nur jedem halbwegs interessierten raten, sich 2009 anzuschauen. Wichtig wäre es, sich im Vorfeld nicht zu sehr zu informieren, da ansonsten vielleicht das überraschende Ende vorweggenommen wird. Einen weiteren, seltenen Effekt hat 2009 dann auch noch: man hat (ein wenig… ?) Gesprächsstoff, und kann über das Gesehene reflektieren. Hier gilt: Hirn eben nicht aus, sondern aufmerksam hinsehen, die Action dennoch genießen; und sich von diesem wunderbar harmonierenden Genre-Mix berauschen lassen.

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