Unmöglichkeit „FSJ“ / Finanzen Und Status In Der Praxis

Liebe Leser und Interessenten, dies ist der erste Teil meiner Beitragsreihe zum Thema „FSJ“. In der Tat, es geht um das sogenannte „freiwillige soziale Jahr“ – betrachtend als erste Berufserfahrung, als zeitliche Überbrückung, als Notlösung; oder aber ganz anderen Beweggründen.

In diesem ersten Teil befasse ich mich mit der Theorie des FSJ – das heisst, was ist eigentlich ein soziales Jahr, und warum ist es (im Gegensatz zum Zivildienst beispielsweise), so wunderbar „freiwillig“ ? Für wen ist es gedacht, und was gibt es für Vor- und / oder Nachteile ? Bitte halten Sie auch Ausschau nach Teil 2 und 3 dieser Reihe, diese folgen demnächst !

Nun, besagte „Freiwilligkeit“ ist ein Begriff, den man sich wohl spätestens mit der Abschaffung der Wehrpflicht (und damit des Zivildienstes !) sparen könnte – gesetzt dem Fall, dass dies in naher Zukunft geschehen sollte. Schließlich bewegen wir uns in Deutschland auf einem (halbwegs !) „freien Arbeitsmarkt“, wir selbst haben die Wahl in welche Richtung es denn einmal mit unserer Karriere gehen soll. Zumindest theoretisch, aber das ist ein anderes Thema. Es bleibt die Begrifflichkeit „soziales Jahr“ – und in der Tat braucht man nicht allzuviele weitere Worte über das Konzept dieses speziellen „(Arbeits-)Dienstes an der Gesellschaft“ zu verlieren, da sich bereits vieles aus diesen beiden Begrifflichkeiten ableiten lässt.

Typisch angepeilte Berufsfelder des FSJ sind schließlich „typisch sozial“, das heisst sie beinhalten eine meist unmittelbare Arbeit am und für Menschen selbst. Häufig werden die FSJ’ler im Bereich der Kinder- und Altenpflege / Betreuung eingesetzt – also beispielsweise in Krankenhäusern, Schulen oder KITA’s. Auch extravagante Varianten sind je nach Gusto möglich, so zum Beispiel im Bereich der Kultur, der Politik oder aber ökologischen Einrichtungen. So unterschiedlich die Einsatzmöglichkeiten, so unterschiedlich sind die Träger des sozialen Jahres, die meist mehrere FSJ’ler gleichzeitig beschäftigen (beispielsweise über die jeweilige Stadtverwaltung selbst). Gemeinsame Merkmale sind die oft gleiche Dauer (6-18 Monate, meist aber genau ein Jahr), die finanzielle Vergütung (ein sogenanntes „Taschengeld“), sowie die Arbeitszeiten von etwa 39 Stunden pro Woche. Und zusätzlich gibt es eine pädagogische Begleitung mit entsprechenden Lehrgängen.

Für wen also ist ein FSJ gedacht ? Man könnte es unter dem Begriff der „Orientierungssuche“ zusammenfassen – Jugendliche, die nach der Schule noch nicht genau wissen, ob der soziale Bereich etwas für sie ist können sich ausprobieren; und dies zumeist in einem angemesseneren Umfang (und entsprechender besserer Behandlung) als über ein schlichtes Praktikantenverhältnis. Für die Durchführung ist ein Alter von 18 bis 27 Jahren erforderlich – das FSJ kann also durchaus auch als erste berufliche Grundlage für den weiteren Berufsweg betrachtet werden (nach der Schule, dem Studium). So erhöht eine erfolgreiche Durchführung auch die Chancen auf eine (schulische) Ausbildung im angepeilten Berufsfeld. Schließlich bringt man in so einem Fall schon reichlich praktische Erfahrung mit.

Die Vor- und Nachteile des FSJ noch einmal zusammengefasst:

Vorteile:

+ Ermöglicht eine realistische und ausführliche Einsicht in das jeweilige Berufsfeld
+ Wertvolle Erfahrung aus einem Jahr Tätigkeitsausübung
+ FSJ’ler sind generell höher gestellt als Praktikanten
+ Es gibt ein Taschengeld, Unterkunft und Verpflegung (variiert !)
+ Soziale Absicherungen greifen (Krankenkasse, Pflegeversicherung)
+ Lehrgänge kostenlos und nützlich
+ Repräsentativ auf dem Lebenslauf und hilfreich bei weiteren, späteren Bewerbungen
+ Das FSJ kann den Zivildienst oder die Wehrpflicht ersetzen (erkunden !)

Nachteile:

– Relativ hohe Arbeitszeiten (Vollzeit) bei geringem Stundenlohn
– Meist keine Chance auf Übernahme, da die Einrichtungen nicht ausbilden (schulische Ausbildung)
– (Eventuell:) Probezeit von 3 Monaten
 

Doch von Anfang an: im September wurde ich satte 25 Jahre alt – was nicht mehr und nicht weniger als ein Vierteljahrhundert (in Menschenjahren gerechnet) ist. Aber… gibt es auch einen Grund zum Feiern, ausser des Feierns wegen ? Nun ja, ich nahm an, dass dies eventuell mit dem Beginn meiner pädagogischen Unterstützungs-Arbeit in Form eines FSJ einhergehen hätte können. Glücklicherweise ist es das ja auch irgendwie – aber ein etwas schaler Beigeschmack bleibt immer. Warum ?

Gut, folgendes muss ich hier wohl erwähnen – auch wenn ich selbst immer derselbige Prediger bin der sagt, Geld sei nicht alles oder zumindest nicht so wichtig. Was im Prinzip richtig ist – aber ein jeder Mensch braucht eine gewisse Grundsicherung… ! Fabelhaft: ich leiste aktuell einen Dienst am Staat, und bin; einmal ganz realistisch betrachtet, eine sehr kostengünstige Arbeitskraft die schnell eingearbeitet werden kann. Wozu also für dieses Jahr eine (besser bezahlte) Honorar-Kraft oder gar eine komplett ausgebildete Fach-Pädagogin einstellen… ? In der Tat. Das Problem ist allerdings, dass ich für diese Arbeit lediglich 285 Euro (Taschengeld, nicht: Gehalt) erhalte. Mehr nicht, da kommt nichts mehr drauf. Gut, ich lebe bei meinen Eltern – dies mindert die Kosten noch merklich. Aber: die laufenden Kosten fallen ja nicht, im Gegenteil. Beispielsweise muss die Anfahrt zur Arbeitsstätte bezahlt, sowie gewisse Laster (eher harmlos) finanziert werden. Ausserdem habe ich noch eine Rate an die BKK zu zahlen, bitte fragen Sie mich nicht warum. Vielleicht schreibe ich noch einen separaten Beitrag dazu, es ist wirklich ein erstaunliches Thema; gerade für unter 25-jährige.

Man sieht’s, man sieht’s… viel bleibt da nicht übrig. Und was wäre, wenn ich nun einfach aufhören würde zu arbeiten ? Ja genau, dann gibt es zwar die ein oder andere Pflicht-Veranstaltung zu meistern – aber ich bekomme exakt das gleiche Geld in Form von einem (unsäglichen) Hartz-4. Oder ich ziehe spontan aus – und erhalte dann folglich den Regelsatz von knapp 350 Euro. Kann es das wirklich sein ? Wenn ich einen direkten Dienst am Staat leiste, andere Menschen erziehe, ihnen helfe oder was auch immer – und das in Vollzeit (40 Stunden-Woche), erhalte ich weniger oder ebensoviele finanzielle Zuwendungen als wenn ich dem Staat nur zur Last falle ? Dies gilt natürlich nur für meinen speziellen Fall eines FSJ’lers über 25, aber sicherlich kennen auch einige andere dieses Problem.

Exakt aus diesem Grund habe ich mich bereits im Wolfsburger Rathaus nach weiteren möglichen Zuwendungen erkundet, das Ergebnis ist noch offen. Fragwürdig bleibt, wie… „attraktiv“ nun manche Lebenswege oder berufliche Perspektiven für junge Menschen sind. Wofür macht man eigentlich ein soziales Jahr ? Oder expliziter: für wen ? Sicherlich auch für sich selbst; für die Erfahrungen und die Einblicke, dagegen sage ich doch gar nichts. Aber kann ich mich davon und während dieser Zeit – überspitzt ausgedrückt – ernähren ? Wenn ich anderen davon erzähle, dass Hartz-4 eigentlich lukrativer (dehnbarer Begriff) ist als sich im sozialen Bereich auszuprobieren (der Staat sagt zum Beispiel: mehr Männer in die Grundschulen !), haben Menschen dann noch Lust auf dergleichen ? Oder gehen sie lieber gleich Fließbandarbeit erledigen, weil sie da (auch ungelernt) monatlich bis zu 10mal soviel Geld verdienen und ohnehin eine bessere soziale Absicherung genießen ?

Ich weiss es nicht. Ich erwarte ja auch nicht viel. Nur, dass Menschen, denen offensichtlich (!) etwas an einem bestimmten beruflichen Weg liegt, besser unterstützt werden. Besser unterstützt werden als Menschen, die sich von vornherein sagen: ich habe Lust auf gar nichts. So ist auch in meinem Fall (noch !) ein gewisses Potential vorhanden, dies wage ich zu behaupten. Ein FSJ und im Anschluss doch noch eine mögliche Ausbildung (die übrigens viel zu lange dauert, aber das ist ein anderes Thema), und danach endlich als Festangestellter arbeiten. Oder all dies bleibt nur ein Wunschtraum, weil man gleichgesetzt und reduziert wird auf den Status eines „Hilfebedürftigen“ – obwohl man sogar noch weniger Zuwendungen bekommt als eben diese !

Und sollte man(n) in diesem Fall tatsächlich die Ausbildung bekommen – herzlichen Glückwunsch. Wie vielversprechend sie doch ist… 2+2 Jahre die Schulbank drücken (in meinem Fall wäre das so), dafür keinerlei Ausbildungs-Vergütung erhalten (stattdessen eventuell Bafög oder Hartz-4 beantragen) und die wenigen, überfüllten Schulen (die meist fernab gelegen sind) aufsuchen und genießen. Und wofür das alles ? Genau, um den Staat „sozialer“ und „menschenfreundlicher“ zu gestalten. Als Hartz-4-Azubi eben.

Die Hoffnung bleibt, dass sich dies später irgendwann einmal bezahlt (sowohl als auch) machen wird. Dass man, wenn man ausgelernt hat (was meist nicht viel mehr heisst, als ein Dokument zu besitzen auf dem eben jenes festgehalten ist), etwas mehr Freiheiten aber auch Sicherheiten hat. Finanzielle Sicherheiten, eine soziale Absicherung, einen festen (und stets wichtigen) Arbeitsplatz. Da muss dringend noch dran gearbeitet werden – sonst bleibt es so, dass eben viele Frauen diesen Berufszweig wählen, weil sie „nichts anderes gefunden“ haben – und die Männer, die diesen Weg vielleicht sogar gerne gehen würden – blieben natürlich weiterhin fort. Und wer badet all dies letztendlich aus ? Richtig, die nächste Generation, also die Kinder. Und es entsteht ein Kreislauf… der nie endet wenn ihn keiner durchbricht. Zum Abschluss sollen noch 2 versendete elektronische Briefe eine Erwähnung finden, die zumindest einen Versuch in diese Richtung darstellen.

Anmerkung: sämtliche Namen und Ortsangaben wurden unkenntlich gemacht. Ich respektiere Dinge wie Schweigepflicht und Datenschutz, aber mein eigenes geistiges Eigentum möchte ich dennoch gern der Welt zur Verfügung stellen. Danke für das Verständnis. Der nun folgende Text ging an einen damaligen Kollegen / Vorgesetzten von mir:

Hallo ****

ich möchte Dir nun auf diesem – vielleicht ungewöhnlichen – Wege einige meiner Gedanken bezüglich des FSJ’s zukommen lassen. Aber es ist nun einmal so, dass ich öfter das Gefühl habe, als würde dies im „normalen“ Gesprächskontext vielleicht den Rahmen sprengen, und außerdem müsste dafür auch erst einmal eine passende Situation (auch zeitlich) gefunden werden.

Natürlich geht es mir hauptsächlich um den nun schon oft angesprochenen Punkt der „pädagogischen Nähe“, respektive der „pädagogischen Distanz“. Wir haben ja schon (gemeinsam) festgestellt, dass einige meiner möglichen „Defizite“ hinsichtlich einer ausgewogenen Mischung auf fehlende Erfahrung, beziehungsweise auch auf eine fehlende Berufsausbildung zurückzuführen sind. Jedoch musste ich, gerade auch nach unserem Gespräch im **** feststellen; dass der Hang zu einer, nennen wir es „zeigerfingerfreien“ Pädagogik (es sei denn, es geht wirklich nicht anders) bei mir wohl tiefer verankert ist. Nach wie vor bin ich mir eher unsicher, ob man diese damit automatisch einhergehende pädagogische Nähe (allgemein: eher freundschaftliche als autoritäre Erscheinung) im Rahmen einer beruflichen Professionalität einfach so „abstellen“ kann in meinem Fall. Woran genau es liegt, dass sich meine Grenze zu einem „Nein“-sagen so sehr von denen der anderen Erzieher unterscheidet, vermag ich nicht genau zu sagen. Ich weiß nur, dass ich stets nach bestem Wissen und Gewissen handele, und ich meine; dass dies den Kindern in keinster Form schadet. Wenn ich nicht dieser Ansicht wäre, könnte ich dieses FSJ auch gar nicht weiter ausführen; da mir viel am Wohlergehen der Kinder liegt. Dem Team sicherlich auch, doch es erscheint schwierig, meine Handhabung mit dem restlichen Team in Einklang zu bringen (und umgekehrt), das ist klar.

Ich schätze, dass ich einfach sehr „tolerant“ aufgewachsen bin, zumindest was das Ausloten von Grenzen angeht. Und, dass ich auch heute noch eher nach dem Credo handele: „lass die Kinder grundsätzlich erst einmal alles ausprobieren, und blocke nicht gleich alles von vorne herein ab oder sehe es „nur“ als Teil des Berufsalltags“. Dass es hierbei natürlich trotzdem Grenzen gibt, ist selbstverständlich – beispielsweise, wenn Verletzungsgefahr besteht, die Aufsichtspflicht verletzt wird oder ähnlich. Aber in diesem Punkt habe ich bisher ja ohnehin noch keinen Anlass zur Diskussion gegeben – wenn ich es richtig einschätze ging es eher nur um das „kumpelhafte“ und die „fehlende Professionalität“. In manchen Situationen aber bin ich mir nach wie vor keinem „Fehler“ bewusst – so bezeichnete mich ein Kind während der Ferienbetreuung als „Klettergerüst“. Wie passend, aber auch: wie fatal, da Du mir ja berichtet hattest, dass eine Kollegin genau diese Formulierung im Vorfeld benutze, um meine Stellung zu beschreiben. Doch, ich hielt mich dabei auch an das, was Du mir gesagt hattest: alles hatte einen klaren Anfang und ein klares Ende, eine kleine „Tobe-Einheit“ eben, wenn wir schon den ganzen Tag über drin waren. Sehr schön war ja nun auch die Sache in der Lerngruppe, in der ich erst noch im Unterricht eingesetzt war. Ein Tag hat der Lehrkraft gereicht, um mich (vielleicht „richtig“ ?) zu beurteilen – da stellt sich natürlich erneut die Frage, ob es sich hier um Dinge handelt an denen man in diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum (1 Jahr) „arbeiten“ kann, oder ob es sich um ganz grundlegende, generelle Meinungs- und / oder Wesensunterschiede handelt. Ich wage dies zu Vermuten – zumal sie mir ja auch relativ klar vermittelt hat, dass auch der Einsatz in anderen Lerngruppen wohl eher nichts für mich sei (überspitzt: „da ist Hopfen und Malz verloren“ ?). Glücklicherweise war nicht von einer negativen Beeinflussung der Kinder die Rede, sonst hätte ich wohl noch anders (und nicht so verhalten und „geschockt“) reagiert – eher war die Rede von einer Störung des Unterrichtsablaufes, so wie er ihrer Meinung nach stattfinden sollte.

Stichwort persönlicher Angriff – ich weiß, dass alles was bisher gesagt und besprochen wurde auf einer beruflichen Ebene stattfand. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich ein etwas… sagen wir, sensibler Mensch bin der sich Besagtes vielleicht mehr zu Herzen nimmt als eigentlich gewollt. Dies verneine ich dann natürlich in den entsprechenden Situationen, aber später und in den „stillen“ Momenten habe ich dann vielleicht doch das ein oder andere Mal daran zu knabbern. So war es besonders in Sachen „Kollektivschuld“ (Du hattest das irgendwann innerhalb der ersten Wochen mal so erwähnt) oder hinsichtlich der Betrachtungsweise von einzelnen Situationen („das sieht komisch aus“) deutlich spürbar. Dann folgte später das Gespräch im ****, und auch seitens des Teams erhöht sich meiner (gefühlten) Meinung nach der „unter-Beobachtung-stehen“ Faktor – sodass ich mir einstweilen tatsächlich wie ein schlechter, oder gar „böser“ Mensch vorkomme – auf den man ein besonderes Auge werfen sollte. Und das kann es einfach nicht sein, da meiner Meinung nach das absolute Gegenteil der Fall ist ! Vielleicht bin ich einfach nur zu unerfahren, zu nett, zu lieb oder was auch immer – Fakt ist, dass ich den Kindern niemals irgendetwas antun, oder sie sonst wie in Ihrer Entwicklung behindern könnte. Wenn ich aber zur Arbeit gehe, und dann das Gefühl habe als schwebte ein gewisser Vorwurf ständig irgendwo mit herum – dann ist es wohl verständlich, wenn ich von einer gewissen „Belastung“ spreche. So hattest Du auch schon mal irgendeinen möglichen „Eintrag“ erwähnt, der wohl stattfinden könnte wenn einem Elternteil irgendetwas übel aufstösst o.ä. – schade eigentlich, dass ich mit den Eltern bisher noch nicht wirklich gesprochen habe, sonst könnte man sich mal deren Sichtweise einholen. Schließlich müssten die Kinder ja auch einiges (auch über mich) Zu hause erzählen, nehme ich an. Ja, es ist so, dass ich vielleicht auch mal mehr Zeit mit dem Einen oder der Anderen verbringe (mit ihnen spreche, ihnen ausführlich zuhöre etc), sofern dies im Rahmen der Aufsichtspflicht möglich ist. Schließlich landen wir so wieder bei der allgemeinen Thematik „Männer in KITA’s / Grundschulen“, wo man als Mann nun einmal ständig umringt ist von allen möglichen Kindern – es sei denn, man wäre ein „Hardliner“, der allein die Anwesenheit von „zu vielen“ oder zu „aufdringlichen“ Kindern schon für unerträglich hält.

So ist es auch klar, dass ich relativ beliebt bin bei den Kindern, meine freundliche Wesensart und mein Verständnis und Interesse am Wohlergehen der Kinder noch dazu – und das Ergebnis dieser (eigentlich positiven ?) Mischung ist, dass ich im Team ständig anecke. Und das ist natürlich längst nicht alles, sondern „nur“ die berufliche Seite – private Probleme habe ich natürlich auch noch zur Genüge. Da geht es dann hauptsächlich um existenzielle Dinge wie… wie finanziere ich meinen Lebensunterhalt selbst, werde ich irgendwann mal eine eigene Familie gründen – wo der Gedanke an den sozialen Bereich nun natürlich immer abwegiger erscheint. Gerade, wenn „der Rest“ – neben dem bescheidenen Finanziellen (als FSJ’ler ebenso wie während der Ausbildung) – eben auch „nicht stimmt“. Ich weiß also nicht, wie es in diesem, unseren Fall am Besten weitergehen sollte. Auch weiß ich nicht, was sich im nächsten Gespräch im **** ergeben wird. Ich weiß nur, dass ich mich zwar verändern könnte – aber eben nur ein wenig, und vielleicht nicht in dem vom Team gewünschten Ausmaß ! Das hat zur Folge, dass die Motivation meinerseits natürlich ständig sinkt… obwohl mir die Arbeit im Großen und Ganzen dennoch Spaß macht, es eine „sinnvolle“ ist – das war mir immer besonders wichtig bei der Berufswahl. Schließlich möchte ich nicht den Rest meines Lebens mit irgendwelchen Schrauben oder Autoteilen verbringen.

Einen letzten Punkt zum Stichwort „sinnvoll“: da geht es bei mir (und möglicherweise auch bei anderen männlichen FSJ’lern) auch noch um die Vormittagsbeschäftigung. Bei mir ist es natürlich momentan extrem, da ich nun auch den Donnerstag über „ausgeplant“ bin (Unterrichtseinheiten sind ja passé ?). Freitags ist der Tag „für die Überstunden“ oder für die Vorbereitungszeit – sofern man Überstunden hat, sicherlich okay – sofern nicht (das wäre jetzt bei mir langsam so); stellt sich die Frage was es an sinnvollen Aufgaben zu erledigen gäbe wenn man im Ganztagesbereich allein unterwegs ist, und das für mehrere Stunden. Dies wäre bei mir nun – neben dem Freitag – auch am Donnerstag die Frage. Auch die „Arbeit“ beim Hausmeister fällt, sagen wir; nicht ganz so zeit-füllend aus wie ich eigentlich dachte. Kurz und ehrlich gesagt: die meiste Zeit sitze ich dort relativ beschäftigungslos neben ihm. Das Problem scheint mir aber nicht zu sein, dass ich mehr Aufgaben erhalten müsste – sondern, dass der Einsatz in diesem Bereich generell zu überdenken ist – es sind einfach nicht viele aufzuteilende Aufgaben da (natürlich kann ich nur von einem relativ knappen Zeitraum von nunmehr 3 Monaten sprechen). Vielleicht ist dies auch nur ein Gefühl, aber bis jetzt kenne ich tatsächlich nicht viel mehr als das wöchentliche Müllsack-Austauschen auf dem Schulhof. Alles andere war eher spontan, und nahm höchsten mal einige Minuten in Anspruch (Begleiten, Werkzeug holen etc). Da denke ich natürlich auch an ehemalige und noch kommende FSJ’ler. Der eine Tag, den ich im Sekretariat war, hat mir auf jeden Fall mehr Spaß gemacht; und ich hatte eine zeit füllende Aufgabe. Dies aber nur als kleine Info nebenbei, hauptsächlich hat diese Mail ja ein anderes Anliegen.

In wenigen Stunden werde ich auch wieder vor Ort sein – schließlich bin ich nun wieder einigermaßen gesund. Denn zu den körperlichen Dingen (nun schon seit einigen Wochen permanent diese leichte Grippe) gesellt sich natürlich auch ein gewisser Niedergeschlagenheitsaspekt. Vielleicht aber auch nur, weil der (dunkle) Herbst gerade beginnt…

Der zweite Text, der an eine höhere Stelle ging:

Hallo Frau ****, Hallo Frau ****, Hallo liebes ****-Team;

ich bedanke mich für die Antwort. Nun weiss ich schon einmal, dass mein FSJ definitiv beendet werden würde; gesetzt dem Fall, es klappt nicht an der ****. Sofern ich Sie richtig verstanden habe, muss ich folglich wohl ebenfalls davon ausgehen, dass generell der gesamte Bereich **** nicht mehr in Frage käme; auch in Zukunft (und FSJ-unabhängig) nicht. Wobei ich dazu sagen möchte, dass ich natürlich auch selbst immer mehr zweifele; nicht zuletzt aufgrund einiger potentieller „Unstimmigkeiten“, die vielleicht nur ich selbst so wahrnehme. Ich habe dies auch bereits mit Herrn **** besprochen, das heißt, eine Beendigung des FSJ mit einem beiderseitigen Einverständnis schwebt noch im Raum. Denn; ich würde lieber selbst ein sinkendes Schiff verlassen, als dass ich noch auf den letzten Schuss vor den Bug warten würde.

Schade eigentlich, da all die Problematik nicht auf ein offensichtliches, vielleicht einmaliges (und damit glasklares) Fehlverhalten zurückzuführen ist – wie unentschuldigtes Fehlen, Mobbing et cetera – sondern eher von Anfang an zwischen den Zeilen mitzuschwingen schien. Ein Mann in einer Grundschule – Alarmglocken (genrell) an. Eine recht nette und keinesfalls kinderfeindliche Persönlichkeit, die es erst noch lernen muss, den Kindern Grenzen aufzuzeigen; noch dazu – und fertig ist das Gesamtpaket. Beziehungsweise die Grundvorraussetzung, dass ich generell sehr bei den Kindern beliebt bin; sie teilweise quasi „Schlange stehen“ und dadurch nur noch mehr unter einer (grundlosen !) kritschen „Beobachtung“ stehe. Wenn Sie mir sagen könnten, wie man diese Grundvorraussetzung bearbeiten beziehungsweise umgehen könnte – ja, das wäre wohl eine interessante Art der Problemlösung. Ganz hypothetisch: einmal müsste ich eventuell ein anderes Geschlecht haben, dann bräuchte ich noch eine professionelle Ausbildung; und ich dürfte genrell nicht mehr so partnerschaftlich mit den Kindern umgehen (partnerschaftlich meint, teilweise wie ein „Kumpel“ – aber wenn es darauf ankommt, auch bestimmt auftreten und immer die Verantwortung tragen).

Ich möchte an dieser Stelle nur noch einmal betonen, dass sich das aktuelle Gesprächsprotokoll weniger wie ein (grundsetzlich neutral zu haltendes) Protokoll liest, sondern vielmehr wie eine Anklageschrift. Dies entspricht nicht nur meiner persönlichen Wahrnehmung, da ich dieses Dokument auch anderen Menschen vorgelegt habe, die ähnliches empfanden. Selbstverständlich, sie sind „nur“ Aussenstehende – aber vielleicht ist ja gerade dies das fatale. Selbiges Dokument bestärkt jedenfalls meine Empfindung, dass Männer generell recht schnell, sagen wir „abgestgempelt“ werden und gewissen Schubladen zugeordnet werden; sprechen wir vom sozialen Arbeitsbereich. Angenommen ich wäre eine Frau; wären spezielle Punkte jedenfalls bestimmt nicht so drastisch hervorgehoben, beziehungsweise meiner Meinung nach absolut überbewertet worden. Oder liege ich hier etwa falsch ? Zumal ich von den Eltern (mit den Wenigen, mit denen ich im Kontakt war) stets nur positives gehört habe, und genrell die Formulierung, wie wichtig Männer in solchen Bereichen wären. Dies hört man ja auch immer wieder in den Medien oder anderswo, doch irgendwie scheint diese Formulierung mit einer gewissen Scheinheiligkeit einherzugehen. Dafür nehme ich natürlich meinen, aber auch andere, eventuell ähnliche Fälle als Grundlage und Indiz.

Schließlich klingen Formulierungen wie… „Kam es zu sehr irritierenden Situationen […] Herr **** trägt desöfteren Kinder über den Schulhof“ irgendwie seltsam. Das Problem ist doch: mit solch offensiven Formulierungen erlaubt man es, einen zu großen (und für meine Person sehr gefährlichen) Interpretationsspielraum zuzulassen. Eine Möglichkeit der Interpretation: ich warte möglicherweise direkt am Schultor auf etwaige Kinder, „schnappe“ sie mir und trage sie in die Klasse oder sonstwohin; am besten noch ohne dass sie es wollen. In der Tat, DAS würde ich mal eine „sehr irritierende Situation“ nennen ! Es entspricht nur nicht den Tatsachen, für die es im übrigen auch Zeugen gibt, aber das wissen sie ja. Vielmehr ist es eine Tatsache, dass die Kinder stets an mich herantraten; und ich sie nicht kreuz und quer und wie ein Baby „über den Schulhof“ getragen habe; sondern ein „Hochheben“ oder ähnliches im Rahmen des Spiels oder der Tobezeit vorgekommen ist. Natürlich, ganz zu Anfang wusste ich nicht um gewisse Regularien speziell in der Schule, und ich habe z.B. einige Kinder (weil sie den Wunsch immer wieder äusserten) Huckepack genommen. Dies wurde mir dann als „falsch“ mitgeteilt, und so habe ich Selbiges auch alsbald unterlassen. Dennoch sehe ich hier keinen Grund, das Ganze in einen negativen Bereich einzuordnen.

Selbiges gilt auch für die Formulierung Herr **** „traf sich mit Kindern zu Onlinespielen […] In Zukunft zu unterlassen“ – ich hatte Frau **** doch extra noch erklärt, was es mit diesem (im übrigen einmaligen, nur wird das ebenfalls nicht erwähnt) Fall auf sich hatte. Kurz: einmalige Aktion, betrifft ein einzelnes Kind, geschehen aufgrund von meiner Tätigkeit als Medien-Kritiker (leider privater Blog und daher unbezahlt). So aber klingt das vielleicht eher wie eine passende Textpassage zu einer neuen Sendung, die erst vor einigen Wochen auf einem Privatsender namens RTL 2 angelaufen ist. Vielleicht wissen Sie ja, von was ich spreche. Natürlich birgt ein Kontakt Kind + (fremder) Erwachsener über das Internet eine potentielle Gefahr, ich sehe jedoch keinen Grund, mich mit in diese Schublade einordnen lassen zu müssen ! Und dafür habe ich auch kein Verständnis, ich halte es eher für eine Frechheit.

Ich verstehe natürlich, Sie im Bereich **** tragen eine enorme Verantwortung, auch was Personalfragen angeht. Doch ich würde all diese Zeilen hier nicht schreiben, wenn ich folgende Punkte (und Tatsachen) nicht immer wieder gedanklich durchkauen würde:

A) ich hege in der Tat keinerlei „fragwürdige“ Absichten bei dem was ich beruflich tue, tun möchte.
B) ich möchte nur das Beste für die Kinder und deren Entwicklung.
C) ich bin leider „nur ein Mann“, und
D) ich habe schon eine Einrichtung kennengelernt, bei der ich mich genauso verhalten habe wie jetzt, und bei der es zu keinem „Gespräch“ (oder ähnlichem) gekommen ist.

Ich kann nicht abschätzen, wie Sie auf diese Email reagieren werden. Nur eines denke ich, bereits jetzt erreicht zu haben: ich habe einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mit Herrn **** werde ich natürlich weiterhin im regen Austausch bleiben was die Situation betrifft.

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