Filmkritik: „Brügge Sehen… Und Sterben ?“ (2008)

Filmtitel: „Brügge Sehen… Und Sterben ?“ (Original: „In Bruges“),
Regie:
Martin McDonagh
Mit:
Colin Farrell – Brendan Gleeson – Ralph Fiennes
Laufzeit: 107 Minuten
Herkunftsland:
Großbritannien / USA
Genre:
Thriller / Drama / Komödie

Inhalt: Ein offenbar recht ungleiches Duo (Colin Farrell und Brendan Gleeson) findet sich im belgischen Städtchen Brügge wieder. Herbeordert von ihrem Boss Harry (Ralph Fiennes) sollen sie hier eine Weile untertauchen, nachdem ein vorheriger Job in einer Kirche schiefgegangen war. Doch es stellt sich allzubald heraus, dass die beiden hier nicht nur untertauchen sollen… einer der beiden erhält einen ganz speziellen Auftrag. Das Problem: langsam beginnen die beiden, ihre bisherigen Handlungen in Frage zu stellen; die Grenzen wer hier noch zu wem loyal ist (und sein sollte) müssen offensichtlich neu ausgelotet werden. Dazu müssen aber alle drei Hauptprotagonisten vor Ort sein… und der große Showdown beginnt.

Kritik: Brügge – wo soll das sein ? So oder so ähnlich wird die belgische Stadt in Brügge Sehen… Und Sterben ? immer wieder umworben – als abgelegener Ort, in dem die Zeit ein wenig still zu stehen scheint. Passend dazu wird immer wieder Bezug auf die alten Gebäude und die poetische Wirkung der Umgebung genommen, was letztendlich den krassen Gegensatz zur relativ unpoetischen Gangstergeschichte – beziehungsweise den strengen ungeschriebenen „Ehrenkodex“ der Charaktere – bildet. Brügge Sehen… ist ein recht ungewöhnlicher, und daher auch erfrischender Film – wenngleich er vergleichsweise zäh beginnt. Es wird nur recht zaghaft gesprochen, die einzigen Dialoge finden zwischen den beiden Hauptcharakteren statt – Hintergrundgeräusche oder Musik gibt es kaum, und wenn dann sind es eher zarte Klänge. Der Film macht eines gleich von Beginn an klar: es handelt sich hier nicht um einen „typischen“ Gangsterthriller, sondern um ein stark nach Drama anmutendes (aber mit allerlei Absurditäten versehenes) Werk.

Das Haupt-Augenmerk liegt hierbei klar auf den drei Hauptprotagonisten aus zwei Profikillern und einem Boss, der erst noch in Großbritannien sitzt. Die Beziehung der drei untereinander erscheint oftmals etwas undurchsichtig, aber genau das macht die Sache so spannend. Drei Männer vergleichsweise „harschen“ Kalibers treffen sich in einer malerischen Kleinstadt, um eine „Großstadtangelegenheit“ zu klären. Spätestens als besagter Boss der Truppe selbst nach Brügge kommt, um, wie er sagt „eine Sache der Ehre“ zu regeln; beginnt ein seltsames Spiel aus (falschen ?) Nettigkeiten und Grausamkeiten. Eben das macht den Film so besonders: die Charakterporträts sind angenehm ungewöhnlich, und vielleicht gerade deshalb so menschlich. Irgendwie kann man mit allen Involvierten ein wenig mitfühlen, wenngleich es selbst die Hotelchefin so treffend formulierte: die sind doch total verrückt.

Letztendlich geht es um die (große) Frage, wer es „verdient hat, am Leben zu bleiben“ – und diese Ansicht variiert von Charakter zu Charakter; und verändert sich auch im Laufe des Films. Eingerahmt wird diese eigentlich dunkle Thematik in eine Mischung aus überaus komischen Dialogen (Stichwort: Ehrlichkeit) und Handlungsabläufen, die einen schon wieder an eine Komödie mit allerlei schwarzen Humor denken lassen. Für Unterhaltung ist also definitiv gesorgt – nicht zuletzt Dank der Leistungen der Darsteller. Colin Farrell als leicht naiv wirkender „Neuling“ im Business hadert mit einem riesengroßen Schuldgefühl – entdeckt quasi nebenbei aber noch seine große Liebe. Brendan Gleeson fungiert als „alter Hase“ und damit als glaubwürdiger, „beruhigender“ Gegenpol, der sich für Kultur und Geschichte interessiert. Und Ralph Fiennes als Boss wirkt irgendwie nie wirklich (und grundsätzlich) böse, es sind eben die Gegensätze die Brügge Sehen… zu dem machen, was er ist. So trägt jeder der Charaktere eine gewisse Menschlichkeit in sich, ebenso wie recht unterschiedliche Meinungen zu dem was „richtig“ ist und was nicht.

Fazit: Die Inszenierung erscheint insgesamt gelungen. Die versierte Kameraführung ergänzt den positiven Eindruck der Schauplatzwahl und der Szenenaufbauten. Der Film beginnt jedoch erst, nach einer gewissen Zeit an Tempo zu zulegen – der Einstieg fällt etwas zäh und nur bedingt gelungen aus. Trotzdem: eine solide Sache !

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