Religion Ist Gleich Moral

Liebe Leser;

zum Einstieg in das mir sehr wichtige Thema „Religion“ und „Götzendämmerung“ beginne ich mit diesem etwas ausführlicheren Text, der Sie mit auf eine kleine Reise nehmen wird. Weniger durch die Geschichte und die verschiedenen positiven und / oder negativen Auswüchse der Religion, sondern vielmehr durch die unabhängigen Gedankengänge eines – grundsätzlich konfessionslosen – Wanderpredigers. Beginnen wir mit einer kurzen Einführung, die sowohl auf die Theorie als auch auf die Praxis der allgemeinen Religionsausübung abzielt.

Was sind schon Dogmen, althergebrachte; spirituelle Rituale oder eine mehr oder weniger instrumentalisierte Hoffnung auf ein höheres Wesen und damit einen höheren Sinn ? All dies sind höchst religiöse Themen, an die sich die Menschen klammern um von Ihnen zu zehren. Und das seit Jahrhunderten – sei es, dass die jeweils korrespondierenden Glaubensgemeinschaften und Konfessionen sich stets im Wandel befanden. Im Prinzip bleibt Religion stets dasselbe, egal in welchem noch so abgelegenen Teil der Welt und unter welcher Bezeichnung. Und das hat hauptsächlich zwei Gründe, deren Erläuterung sowohl der physische und der psychische Aspekt des Menschen als Grundlage dienen.

Zum einen scheint es beinahe eine Art evolutionärer Instinkt (wenn auch nicht zwingend lebensnotwendiger) zu sein, sich Zeit seines Lebens auf den Pilgerpfad einer allgemeinen (Sinn-)Suche zu begeben, oder besser: die stille Hoffnung nach etwas höherem zu entwickeln. Und selbst wenn man einem wie auch immer gearteten Ergebnis nicht so nahe kommt wie man es sich vielleicht vorstellt, fühlt es sich einfach gut an, dieser Art von Religion zu frönen. Selbiges scheint nicht nur im allgemeinen Gen-Pool der Menschheit verankert zu sein, sondern ist schlicht gesagt auch Teil eines komplexen chemischen Prozesses im menschlichen Gehirn.

Damit wäre bereits eine Erklärung gefunden, die Abstraktion mithilfe einer pysisch-orientierten Herangehensweise. Eine andere Herangehensweise bedient sich dem menschlichen Verstand, und dem Bedürfnis nicht alleine zu sein; selbst wenn man den anderen oder das andere nicht mit den uns gegebenen Sinnen erfassen und wahrnehmen kann. Oftmals reicht es, wenn unser Herz; der siebte Sinn, uns sagt: das hat einen Sinn, da ist jemand oder etwas bei mir und schaut auf mich; hilft mir. So sind viele Menschen durchaus der Ansicht, dass sie dieses Höhere bereits für sich gefunden haben, und sind deshalb zufrieden mit sich und ihrem Glauben. Manch andere sind wiederum der Ansicht, dass dieses Höhere bereits direkt und unmittelbar mit ihnen Kontakt aufgenommen hat; auf welche Art und Weise auch immer, und sie vielleicht sogar eine Art Mission aufgetragen bekommen haben. Ein höchst diffiziles Thema; nicht umsonst gab es zahlreiche historische Auseinandersetzungen und sogenannte heilige Krieger, die weder Moral noch Menschlichkeit kannten; beziehungsweise sich diese exklusiv auslegten und anwendeten.

Für manche gestaltet sich das alles weniger kompliziert – die, die sich nicht an Konfessionsgrenzen aufhalten, und schon gar nicht anderen ihre Ansichten aufdrängen. Ein wenig Vernunft wäre gewiss nicht verkehrt; eine Vernunft, die vielleicht sogar mit den jeweiligen religiösen Traditionen brechen kann. Oftmals ist dies jedoch leider nicht der Fall, und der Mensch macht Gebrauch von üblen Dogmen, veralteten Praktiken und Denkweisen. Diese können nur dazu führen, dass das, was scheinheilig von vielen Weltreligionen gefordert wird, nämlich Frieden – nicht erreicht werden kann. Es ist durchaus etwas merkwürdig und gibt zu denken, denn in beinahe jeder Weltreligion (und auch den kleineren Vertretern) finden sich Glaubensaspekte, die mit den der anderen nicht immer harmonieren; gelinde ausgedrückt.

Und es war mit ziemlicher Sicherheit kein Moses, der einen ursprünglichen Kodex auf Steintafeln gemeißelt hat und sie den Menschen überreichte. Es war auch kein Gott, der eine fertige Bibel oder einen Koran vom Himmel fallen ließ, auf dass sich alle Menschen nach diesem unfehlbaren Werk richten. Ein wenig bedauernswert ist das durchaus, denn dann wäre alles so viel einfacher; doch andererseits bleibt uns so zumindest die Freiheit erhalten.

Natürlich sind es wieder einmal wir selbst, die wir uns die Dinge öfter mal ein wenig geraderichten um sie zu vereinfachen. Oder sie unseren Ansichten anpassen, wenn auch jedes Mal nur ein klein wenig mehr. Ein schönes Beispiel dafür ist mit Sicherheit die heutige Bibel der Christen, die wohl kaum noch etwas vom (sinngemäßen) Inhalt der damaligen Zeit in sich trägt. Und dennoch gilt dieses Werk als beinahe unfehlbar. Und damit gelangen wir zu einem der deutlichsten Widersprüche aller Religionskonzepte: eigentlich müsste es tatsächlich eine Art unfehlbares Gesetzbuch geben, nach dem sich alle Welt richtet – dementsprechend so angelegt, dass es zeitlos bleibt und nicht aufgrund einer gesellschaftlichen oder technologischen Entwicklung wieder relativiert werden müsste. Enthalten wären also nur höchst grundsätzliche Dinge, ähnlich den 10 Geboten, oder aber es müsste (nach der Annahme einer sich niemals offenbarenden Gottheit) schlicht gar keinen fixen Regelsatz geben. Aber was bliebe dann noch ? Nun, der Glaube an sich bliebe bestehen, wie auch viele Traditionen und Rituale, die nach Meinungen der Gläubigen so vernünftig und richtig sind, so von Gott gewollt sind.

Was wir aber in der Realität haben ist oftmals eine krude Mischung aus tausenden Versatzstücken, bei denen niemand eigentlich so genau weiss, wie das alles einmal angefangen haben könnte; und wer nicht einer der besagten Menschen war, der hier und da vielleicht ein klein wenig abgeändert hat. Es scheint unmöglich zu sagen, ob überlieferte Geschichten aus der Vergangenheit tatsächlich so stattgefunden haben, oder aber ob sich nicht auch ganz andere (vielleicht absurde) Dinge zugetragen haben. Wer weiss – genau das ist das Problem. Ich bin mir aber beinahe sicher, ob wir nun nach einem religiösen Werk leben und handeln, oder aber unsere Vernunft als Leitmotiv für selbiges platzieren; wäre einem jeglichen „Gott“ relativ gleich. Denn nichts anderes steht in Werken wie der Bibel geschrieben: was damals Sitte und Unsitte war, findet Erwähnung in diesem Buch.

Andersherum müsste sich jeder streng Gläubige bewusst sein (aufgrund seiner Dogmen-unabhängigen Vernunft), dass es recht verkehrt wäre, schlecht über seinen „Gott“ zu reden. Das Geschenk des Lebens selbst würde alles andere aufwiegen; schätzungsweise. Auch wird der Gläubige wissen und spüren, dass es irgendwie unrichtig erscheint, Leben zu nehmen anstatt es zu geben. Dafür brauchen wir kein Buch oder keine neuen Prediger, dafür hat die Natur, und damit vielleicht der Schöpfer selbst, längst gesorgt. Tatsächlich – diese gemeinsamen Eigenschaften einer Ur-Moral (wenn man so will) verbindet uns im innersten, wenn schon nicht die verschiedenen Religionen dazu imstande sind. Wäre es anders, hätten wir wohl kaum den Weg aus der Steinzeit meistern können.

  • Es ist nur natürlich (und damit fast automatisch gut), dass es so etwas wie Religion als erlebbare Eigenschaft innerhalb unseres (relativ kurzen) menschlichen Daseins gibt. Selbst wenn sich am Ende doch nur herausstellen sollte, dass all dies nur in unseren eigenen Köpfen stattgefunden hat. Wie die Moral, die wohl (leider !) auch nicht die Menschheit überdauern wird; aber Religion kann Trost spenden, Hoffnung geben; ja sogar Spaß machen.
  • Man sollte niemals überbewerten – Religion (Blüte) ist im Grunde nichts weiter als eine kleine Erweiterung eines geistigen Zustandes (Saat); und daher ein Produkt der Natur / des Menschen selbst. Auch wenn die Möglichkeit besteht, dass noch mehr dahintersteckt.
  • Es ist weniger gut, sich streng nach allzu dogmatischen Regelwerken oder einer (durchaus zweifelhaften) Historie zu richten. Nicht die Religionen an sich sind es, die Feindseligkeiten auslösen, sondern die Auslegung derselben. Eine gute Hilfe für die Rechtfertigungen kriegerischer oder hasserfüllter Handlungen sind – leider Gottes – nuneinmal Werke wie die Bibel; oder das Wort eines einzelnen, besonders mächtigen Mannes der glaubt ein neuer Messias zu sein.
  • Niemals sollte sich ein Mensch auf etwas Höheres berufen (was ihn unantastbar machen würde, doch dies ist oft genug geschehen) oder sein Leben etwas widmen, von dem wir gar nichts wissen. Ein Klosterschüler ist nicht auf der Suche nach Gott (selbst wenn, finden wird er ihn nicht), sondern auf der Suche nach sich selbst. Auch wenn gerne anderes behauptet wird.
  • Religion sollte erlebbar werden. Und das fängt mit der Entzerrung zahlreicher Begrifflichkeiten an, wie der Definition von Religion selbst. Überhaupt, warum gibt es so etwas wie Religionsunterricht. Ein weiterer, von Menschen gemachter Unsinn, der eher aufzwingt anstatt zu lehren vermag. Mein Gegenentwurf: der Glaubens-Unterricht !

Man sollte darauf gefasst sein, dass „Mensch sein“ am Ende eine bedauernswertere Angelegenheit ist als wir alle hoffen. Aber zumindest eines ist ganz gewiss: die Hoffnung stirbt zuletzt; das heißt mit dem letzten Menschen.

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2 Gedanken zu “Religion Ist Gleich Moral

  1. Ich stimme voll und ganz zu.
    Grundwerte wie Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Toleranz und Akzeptanz etc. sind alles Werte, die ich ausleben kann, ohne einer Religion anzugehören. Ich befreie mich ohne die Religion auch zusätzlich von Ritualen und der Kontrolle von Menschen, die Macht über Andere besitzen wollen.
    Denn auch das ist teilweise die Religion: ein Machtinstrument. Die Geschichte zeigt uns, dass die Religion für die eigenen Zwecke missbraucht wurde (Bezahle und wir erlassen dir deine Sünden z.B.). Auch kann sie teilweise nur mit Feindbildern funktionieren. Ein gemeinsames Feindbild steigert das Zusammengehörigkeitsgefühl – hat ja auch im dritten Reich funktioniert, leider.

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    1. Ohlala,

      ein weiterer „freier Denker“; der mitunter ganz ähnliche Ansichten wie ich selbst zu haben scheint. Zumindest in Bezug auf eine (oder zwei, drei…) der ganz großen Fragen: gibt es einen Gott ? Ob nun ja, nein oder: „mindestens ist es möglich“ – spielt das eigentlich eine Rolle, wenn ein jeder diese Frage anders für sich beantwortet; anders für sich beantworten kann ? Zu diesem Thema (Oberkategorie: „Religion“) werde ich demnächst – hoffe ich – auch noch 3 weitere Texte verfassen; eine „Quadrologie“ also – da die Zahl „4“ in meinem Fall schon wieder nur so vor (persönlicher) Symbolik strotzt. Symbolik ist zum Glück nicht immer gleich religiöse Symbolik, aber dazu ohnehin später mehr…

      Ich grüße Dich an dieser Stelle recht herzlich und danke für Deinen Kommentar !

      Ich werde die Tage definitiv und „vice versa“ mal Deinen Blog näher besehen; in einige Texte zum Thema „Religion“, „Gott“ oder „gesellschaftliches“ habe ich schon reingelesen – spannend und lebensnah erzählt !

      Bis dahin,

      Oliverdsw

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