Filmkritik: „Revolver“ (2005)

Filmtitel: Revolver
Regisseur:
Guy Ritchie
Mit:
Jason Statham – Ray Liotta – Vincent Pastore – André Benjamin
Laufzeit: 115 Minuten
Herkunftsland:
Frankreich / UK
Genre:
Thriller

Inhalt: Ein Spiel, mit dem man sich mehr Feinde als Freunde machen kann, ist das Spiel um Geld. Jake Green (Jason Statham) saß für ganze 7 Jahre hinter schwedischen Gardinen, weil ein gewisser Macha (Ray Liotta), der hauptberuflich Casinoboss ist, wegen eines schweren Deliktes bei der Polizei verpfiffen hat. Wenn es um viel Geld geht, ist man sich selbst eben am nächsten. Jake jedoch scheint die Zeit in der Einzelzelle genutzt zu haben, um die Botschaften seiner Zellennachbarn weiterzureichen und dabei deren Inhalt in sich aufzunehmen. Es handelte sich um einen Schachspieler, und einen Meisterbetrüger – eine treffende Kombination für Jake, der nun selbst eine Strategie entwickelte mit der er „draußen“ mal wieder richtig absahnen könnte. Dies soll ihm mithilfe seiner verfeinerten „Universalformel“ gelingen, die er prompt bei Macha einsetzt. Und es klappt. Das Problem ist nur, dass Macha gerade noch ganz andere Sorgen hat, weil ihm sein Boss nämlich im Nacken sitzt. Jake soll von der Bildfläche verschwinden – die beiden Schergen Zach (Vincent Pastore) und Avi (André Benjamin) sollen das übernehmen. Doch sind die beiden wirklich die, die sie vorgeben zu sein ? Und, wird nicht doch alles auf einen finalen „Kampf der Rivalen“ zwischen Jake und Macha hinauslaufen ?

Kritik: Irgendwie fühlt der Film sich anders an. Anders als viele Gangster-Thriller, die sich mit Revolver in das gleiche Genre einordnen. Allerdings nur vermeintlich – denn wer Guy Ritchie kennt, weiss; dass er immer wieder für eine Überraschung gut ist. So erwartet man vielleicht etwas ganz anderes vom Film, als das letztendliche gezeigte. Auch Revolver ist ein Film, der sich gewisse Grundlagen als Unterbau für einen versierten Thriller schafft, doch spätestens wenn sich das Story-Konstrukt zum ersten Mal in seiner ganzen Vielfalt zu offenbaren beginnt – dann merkt man, dass man so einen Film wie diesen wohl noch nicht gesehen hat. Unverwechselbar ist er also schon mal, und man muss gestehen, dass alles recht durchdacht wirkt. Es bleibt letztendlich nur die Frage, ob der Zuschauer immer dem Geschehen folgen kann. Denn: die Erzählweise des Films verteilt sich auf mehrere Ebenen, sodass eine ungewöhnliche Mischung aus filmischer Realität, Wahn und Fiktion entsteht. Es ist nicht ganz einfach zu unterscheiden, welches der Ereignisse nun tatsächlich so stattfindet, oder aber nur in den Köpfen der Beteiligten. Natürlich lässt dies die Schlussfolgerung zu, dass sich Guy Ritchie einiger psychologischer Elemente bedient hat, was später auch noch deutlicher ersichtlich wird.

Dabei beginnt der Film eigentlich noch recht „harmlos“: die Fronten scheinen klar, jemand musste ins Gefängnis und sinnt nun auf Rache, beziehungsweise dürstet eher nach einem genialen Coup, der seinem Rivalen noch mehr (finanziellen) Schaden zufügen würde. Doch spätestens als mit Zach und Avi zwei recht seltsame Typen in der Szenerie auftauchen, beginnen die Verwirrspiele und die ersten Psycho-Duelle – wobei nicht immer ersichtlich bleibt, wer hier nun mit wem einen Disput hat. Ziemlich genau bis zu diesem filmischen Zeitpunkt hat sich Guy Ritchie auch in Sachen extravaganter Stilmittel noch zurückgehalten, doch jetzt schlagen diese ein wie eine Bombe: wem schnelle Szenen-, Schauplatz oder Schnittwechsel bereits zu hektisch sind, der dürfte so seine Probleme mit den eingestreuten Erzählungen aus dem Off, den Rückblenden oder den Charakter-Monologen (mit überlagerten Stimmen) haben. Eine weitere, offensichtlich relativ zusammenhanglose Szene wird in einer Art Comic-Look dargestellt – der Grund hierfür erscheint fraglich. Zwar wurde so „zufälligerweise“ noch eine Gewaltszene entschärft, doch da dies ein nie wiederkehrendes Stilmittel in „Revolver“ bleibt – bleibt man leicht ratlos zurück. Doch nun weiss man: Revolver ist definitiv keine leichte Kost wie eventuell zunächst vermutet.

Es scheint, als hätte sich Regisseur Guy Ritchie durchaus enorm bedient an allerlei Stilmitteln und Methoden, die etwas… krude Story voranzutreiben. Natürlich wird man auch bald feststellen, dass es in Revolver nicht bloss um typische Schuldfragen und klare Differenzierungen zwischen Gut und Böse geht – sondern um ganz andere Dämonen, um die Feinde,  die sich „da befinden, wo man sie am wenigsten erwartet“ (Filmzitat). Mit so einer Voraussetzung, der Anspielung auf den „Feind in uns selbst“, kann man natürlich erzählerisch aus dem Vollen schöpfen – vielleicht erklärt dies auch die regelrechten Stilmittel-Überschwemmung und die relativen Unklarheiten hinsichtlich des Geschehens. Parallelen zu einem Identität von James Mangold (in dem Ray Liotta ebenfalls mitspielt) tauchen auf – in dem man ebenfalls ein Setting mit mehreren Personen hat, sich am Ende aber doch etwas anderes herausstellt. Eine einfache, aber geniale (beziehungsweise wahnsinnige) Möglichkeit, auf die man als Zuschauer nicht allzu vorschnell kommt. Aber auch ein Mulholland Drive oder ein Donnie Darko liessen sich vielleicht (zumindest ungefähr !) neben einem Revolver platzieren – alle diese Filme haben große kryptische Aspekte und fordern folglich eines: das höchste Maß an Aufmerksamkeit seitens des Zuschauers !

Aber sind komplexe, vielschichtige Werke automatisch gut, weil sie eben so „kompliziert“ erscheinen ? Das ist eine oft auftauchender Irrtum, denn auch Macher solche Werke müssen es sich oft gefallen lassen, ein nettes „Pseudo“- vor ihren ach-so intellektuellen Schinken stellen zu lassen. Im Falle von Guy Ritchie würde mir das wohl kaum einfallen (vor allem weil er kein intellektueller Filmemacher ist, sondern ein extravaganter), doch eins ist gewiss: Revolver ist kein Film für jedermann. Mögliche Zweifler werden abschließend auch noch von einem etwas merkwürdigen Abspann überrumpelt, in dem gewisse Statements einiger Personen (zum Beispiel von Professoren und Wissenschaftlern) zum Besten gegeben werden. Nun, Werke, die es „nötig“ haben im Abspann noch irgendetwas zu rechtfertigen (oder ansatzweise zu erklären), können einfach nicht zur „Film-Elite“ gehören. Ein paar dieser vergleichsweise klaren (oder klärenden) Aussagen hätte man doch vielleicht noch eher in den Schlussteil des Films bugsieren sollen.

Fazit: Was bleibt ? Eine etwas verwirrende Story, zu der jeder eine etwas andere Meinung haben könnte. Eines sollte bei allen aber ähnlich ausfallen: eine gewisse Kritik an der Erzählweise und den übertriebenen Stilmitteln erscheint gerechtfertigt. Es bleibt aber auch ein recht überraschender und versierter Jason Statham in einer nicht ganz einfachen Rolle (und mit ungewohnter Langhaar-Optik), und ein positiver technischer Part im allgemeinen. Wenn man sich einen Film gern ein zweites Mal ansehen möchte, ist das generell ein gutes Zeichen. Wenn man sich einen Film ein zweites Mal ansehen muss, um die Haupthandlung überhaupt erst näher zu verstehen – dann ist zwar noch kein K.O.-Kriterium, aber eher von Nachteil. Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen.

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Revolver“ (2005)

  1. Und, wie es scheint habe ich mit der Wertung genau ins schwarze getroffen. Beziehungsweise die goldene Mitte – in vielen Communities wird der Film entweder in höchsten Tönen gelobt (9/10, 10/10) oder gar als pseudointellektuell-schlecht abgeschmettert (1/10, 2/10). Da möchte ich wiedersprechen – weder ist der Film ein Meisterwerk noch ein Film ohne jeglichen Sinn. Wenn man aufmerksam zuschaut, lässt sich dieser erahnen – doch mehr als ein „durchschnittlich“ ist meiner Meinung einfach nicht drin, dafür ist der Film viel zu überfrachtet (Story + Stilmittel).

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