Leitfaden Für Herrscher – Die Medien Als Massenverdummungswerkzeug

… oder: wie die privaten Sender RTL, Pro7 und Konsorten die letzten geschmacklichen und moralischen Grenzen überschreiten. Und: wie kaum einer der (vermeintlich ?) „intellektuellen“ Sender sinnvolle Alternativen zu bieten vermag.

Es Ist So Eine Sache Mit Dem Volk Und Dessen Medienkonsum…

Die erste Regel dieses Leitfadens für angehende (Volks-Be-)Herrscher lautet: „Halte Dir Dein Volk so, dass Du es leicht kontrollieren kannst !“ Und auf die Praxis übertragen heisst das: sorge dafür, dass es nicht zu viele intelligente Menschen in der Bevölkerung gibt – doch vergiss niemals, stets wieder zu heucheln und zu beklagen, dass die Unterschicht ständig wächst und es keinen „qualifizierten“ Nachwuchs mehr gibt. Man soll schließlich sein Gesicht wahren, genau so wie es all die anderen Politiker auch versuchen zu tun – bis es dann tatsächlich mal richtig kracht und mal wieder ein Rücktritt angekündigt wird.

Eben niedergeschriebener Absatz soll in erster Linie nicht hypothetisch klingen (zynisch aber gern !) – denn das ist die Realität in der wir leben !

2010 – wir befinden uns im Mediendschungel Deutschlands. Über die Bildschirme der deutschen Flimmerkisten wird nach wie vor hauptsächlich das transportiert, was im Grunde jeder halbwegs mündige und vernünftige Mensch gleich per Gesetz verbannen würde. Gut, da gibt es noch so etwas wie freie Meinungsäußerung und Co, aber… was ist, wenn diese Meinungsfreiheit missbraucht wird um Menschen (auf negative Art und Weise) zu instrumentalisieren ? In einer Gesellschaft, die sich auf die Fahnen schreibt möglichst alle negativen Einflüsse auf unsere Kinder und die Jugend zu bekämpfen, wird nach wie vor ein ganzes Feld gleich komplett – und als möglicher Aggressor – ausgeblendet: die allgemeine TV- und Medienlandschaft. Während den Computerspiele(r)n zwar bereits ordentlich an den Kragen gegangen wurde, zählt die TV- und Werbeindustrie noch immer nicht zu den möglicherweise „jugendgefährdenden“ Aspekten innerhalb unserer Gesellschaft. Einzelne Sendung entsprechend kind- oder jugendgerecht zu „bewerten“, das geschieht durchaus (und seitens unabhängiger Institutionen) – es erscheint etwas scheinheilig und zu einfach bei der Masse an Mist, den die Sender insgesamt fabrizieren. Ist es vielleicht wie mit den Zigaretten ? Fast jeder weiss, wie ungesund und teuer sie sind – aber trotzdem gibt es eine Menge Raucher. Man sagt natürlich „nein“ zu jungen Rauchern (Jugendschutz !), doch die Tabakindustrie sieht diese gleichzeitig auch als die nächste, dann reichlich investierende „Zielgruppe“ an. Schizophren ? Durchaus. Aber woher sollen denn sonst die ganzen Steuereinnahmen kommen… ?

So ist beispielsweise auch der Betrieb eines privaten TV-Senders für viele Menschen ein äußerst lukratives Geschäft – es wird mit ordentlich Geld hantiert. Allein im Jahr 2003 betrug der Umsatz von RTL Television (ausschließlich der deutsche Sender) 1,88 Milliarden Euro. Wenn man bedenkt, dass die eigentliche, dahinterstehende RTL Group im Jahr 2006 einen Umsatz von 5,640 Mrd. € hatte… ist das natürlich ein nicht unerheblicher Anteil. Oder eben nur „Peanuts“ – je nachdem, wie man es betrachtet. Aber irgendwie sind es doch nur merkwürdige Zahlen, unter denen man sich nicht wirklich etwas vorstellen kann. Nur eines kann sich jeder vorstellen: wenn von solchen Beträgen gesprochen wird, entsteht automatisch eine Kosten-Sinn-Nutzen Frage. Die würde jeder RTL-Mitarbeiter natürlich sofort entsprechend zu relativieren versuchen: „wir machen eben gute Unterhaltung !„. Und das schlimme ist: obwohl er oder sie damit Unrecht hätte, sagen die Zuschauerzahlen nach wie vor etwas anderes. Und solange diese Zahl ein gewisses Niveau hält, wird weiter gesendet.

Immerhin gibt es einen kleinen Lichtblick am Horizont: seit einigen Jahren scheinen die Marktanteile sowohl bei RTL als auch bei vergleichbaren privaten merklich zurückzugehen. Schauen die Menschen etwa weniger TV ? Schön wär’s. Denn was man dieser Tage dort zu sehen bekommt, überschreitet fast die letzten Grenzen des Geschmacks, beziehungsweise der verbleibenden Restmoral der Zuschauer. Doch man sollte nicht glauben, etwaige Kampagnen oder ein hypothetischer „Zuschauerstreik“ würde dem Abhilfe schaffen. Im Gegenteil. Es würde sich ein Teufelskreis entwickeln: je weniger Menschen einschalten, desto… „gewagter“ werden die Ideen hinsichtlich neuer Sendungen – was dazu führt, das doch wieder mehr Menschen einschalten werden. Das Stichwort lautet „Sensationsgeilheit“, ein besonders repräsentatives Phänomen bei RTL-Zuschauern. Diese bekommen uninteressante, verfälschte oder private Inhalte so präsentiert, das sie glauben etwas wirklich wichtiges (und vor allem richtiges !) erfahren zu haben. Diese Informationen geistern dann – besonders bei geistig eher nicht so starken Zuschauern – enorm lange in den Köpfen herum und können sich zu eingefahrenen Gedanken und Meinungen entwickeln.

  • Beispiel 1: „Solitary“ (Pro7)

Nun, aus welchem Land kommen generell die schrecklichsten Shows ? Richtig, den USA. So ist auch das menschenverachtende „Solitary“ ein Produkt aus Übersee – wie so vieles, obwohl die deutschen Sender dies gern anders darstellen. In dieser Sendung geht es darum, wie eine handvoll sogenannter „prominenter“ Teilnehmer verschiedene Aufgaben in einem nur wenige Quadratmeter großen Raum absolviert – und das möglichst gut, schnell oder lange. Instruiert werden die Teilnehmer von einem (nervigen) „allwissenden“ Computer namens Alice, der als „Oberguru“ über die Kandidaten wacht und sie je nach Laune (und Quotenlust) – entsprechend drangsaliert. Es gibt nur ein passendes Wort für diese Sendung: Verzweifelung. Wie verzweifelt muss man sein, ein solches Format zu importieren, um zumindest noch ein paar Menschen zu „schocken“, für Gesprächsstoff zu sorgen und so die Quote doch noch um 2 oder 3 Prozent anzuheben ? Wie verzweifelt müssen die Kandidaten sein, sich freiwillig in ein solches Martyrium zu begeben, welches das Grundgesetz quasi ad acta legt ? Besonders originell: der „Sieger“ erhält nicht einmal ein Preisgeld (mit dem er mögliche Schulden hätte abbezahlen können). Nein, aber er darf sich im (fragwürdigen) 5-Minuten Ruhm sonnen, aber dann bitte auch wieder von der Bildfläche verschwinden. So wie es auch schon bei unzähligen Staffeln von BigBrother, Popstars, Das Supertalent und so weiter der Fall gewesen war. Und diejenigen, die besonders „auffallen“ – erhalten vielleicht einen entsprechenden Job; der Verar…ung als Grundprinzip zelebriert. Irgendwie passend, oder ? Die Teilnehmer werden vom Sender verar…t, die Teilnehmer verar…en sich selbst, und später verar…en sie diejenigen, bei denen sie eigentlich groß „landen“ wollten: die Zuschauer (zum Beispiel über diverse Call-In oder Verkaufssendungen). Das Prinzip funktioniert: ein nicht unerheblicher Anteil der Zuschauer stört dies nicht; oder es fällt ihnen nicht einmal auf.

Sehr nett ist auch die Teilnehmerliste von „Solitary“ 2010: es sind tatsächlich 8 „Promis“ von echtem Rang und Namen zu finden ! Oder etwa… na immerhin ist ein Schauspieler dabei (den irgendwie keiner kennt). Und sogar 2 TV-Moderatorinnen (öhm, bitte nicht fragen bei welchen Formaten – es erscheint aber passend). Und tatsächlich, irgendein abgehalfterter DSDS-Teilnehmer, den niemand mehr sehen will. Und noch eine handvoll „berühmter“ (hüst) Sportler und Körperfetischisten, die ebenfalls niemand kennt. Sagenhaft, diese „Promi“-Riege, oder ? Aber dieses Phänomen ist ja bereits aus vielerlei Formaten bekannt. Je unbekannter und je verzweifelter ein „Teilnehmer“, desto besser funktioniert es. Und überhaupt, würde sich all das kein halbwegs etablierter Schauspieler oder Künstler antun – man hat ja schließlich einen Ruf zu verlieren…

Oder einen zu gewinnen. In dieser sagenhaften Foltershow der Neuzeit, „Solitary“ ! Ein paar Jahre noch, dann kann man sicherlich endlich auch „echte“ Strafen einführen (wie körperliche Misshandlungen) oder sogar den Tod als mögliche Folge (bei Versagen in der Show) im Vertrag mit angeben. Tja, wer Ruhm erlangen möchte, der muss halt gewisse Risiken eingehen…

  • Beispiel 2: „Schöner Wohnen“ (RTL) + ähnliche Shows

Ein recht köperfülliges Wesen klingelt an Ihrer Haustür: es ist die Tine, Hurra ! Endlich wird unser Haus renoviert und auf Vordermann gebracht, endlich wird das möglich, woran wir nicht einmal im Traum gedacht haben: es wird aufgeräumt und sauber gemacht. Alles dank RTL ! Was irgendwann einmal als „neuartiges“ Sendekonzept begann, mutierte in den letzten Monaten zu einem recht öden Selbstläufer, bei dem nun auch schon immer mehr nach „Sensationen“ geschaut werden muss um die Quoten aufrecht zu erhalten. Mehr als fraglich bei all diesen Sendungen: warum schaffen es die Menschen nicht selbst, so etwas grundlegendes und lebenswichtiges wie das Aufräumen im Haushalt zu bewältigen ? Sind diese Menschen richtig beraten wenn sie bei RTL einen Vertrag unterschreiben – oder sollten sie sich eher an andere Institutionen wenden ?

Natürlich gibt es auch den „Idealfall“ im Hinblick auf das eigentliche Konzept – welches gar nicht mal so sehr zu kritisieren wäre. Unter einer Prämisse: es sind keine Kameras dabei… ! Eine Familie, die aus welchen Gründen auch immer überfordert ist ihren Haushalt zu bewältigen (behindertes Kind, Vollzeitarbeit, psychische Probleme) benötigt Hilfe von „Aussen“. Hilfe von Menschen, denen tatsächlich etwas am Wohle dieser in diesem Falle „hilfebedürftigen“ liegt. Nun, im Falle von RTL sieht das leider etwas anders aus: eine „Gallisionsfigur“ welche vorgibt, so etwas wie Mitleid zu empfinden, vertritt den ach-so-menschenfreundlichen Unterhaltungssender. Und der möchte wohl kaum helfen, zumindest nicht in erster, zweiter oder dritter Linie – der möchte hauptsächlich Quote machen (=Kohle) und im Gespräch bleiben. Interessant und markant ist natürlich, dass der Zuschauer niemals auch nur einen Hauch von Vertrag oder Vereinbarung zu sehen bekommt. Im Gegenteil, und auch die Teilnehmer selbst sind nach der Sendung sogar zu Stillschweigen verpflichtet ! Hmm, warum wohl…

So sieht das Ganze einstweilen tatsächlich so aus wie eine „Wohlfahrtsveranstaltung“, zumindest für den eher… minderbemittelten Zuschauer. All dies wäre nicht so fatal (da gibt es noch viel schlimmere Veräppelungen), wären da nicht die stetig steigende Zahl der „Extremfälle“. So gab es vor kurzem einen Fall, in dem eine ältere Dame nur noch vor sich hinvegetierte. Das Haus war vollständig versifft, die Möbel vergammelt, der Boden zugemüllt, Spinnweben überall. Aber das ist noch nicht alles: es bestand eine deutliche Gesundheitsgefahr. Es lagen zig Kilogramm Hundekot auf dem Fussboden (inmitten von Zeitungsbergen), im Badezimmer gab es sogar eine „mehrere Zentimeter hohe Kotschicht“ zu bewundern. Nett, was dem Zuschauer hier feilgeboten wird, oder ? Also, wer kann in so einer Situation noch helfen ? Richtig, RTL natürlich. Also wird Tine erneut ausgesandt um sich dieses Schicksals anzunehmen. Der Auftrag stammte wohl übrigens nicht von der alten Dame selbst, sondern von… den Kindern derselben. Interessant, interessant… warum nur sollte all dies erst nach so vielen Monaten / Jahren geschehen – ein plötzlich erwachtes Mitgefühl ? Warum erkundigten die Kinder sich nicht vorher bei ihrer Mutter und bemerkten ihren fatalen Zustand ?

Gut, vielleicht geht es tatsächlich nur um etwas, was vielleicht nicht alle Zuschauer so einschätzen würden. Doch in diesem Falle erscheint es nur allzu überdeutlich: die Kinder rufen bei RTL an, um das Haus der Mutter saniert zu bekommen (andernfalls hätten sie es wohl abreissen müssen bei dem Grad der Verschmutzung – Kostenfrage). Die Mutter wird also gerade noch „gerettet“, aber am besten so dass die Zeit in der „Kothöhle“ noch etwas nachwirkt – und sie bald das zeitliche segnet. Und was bleibt… richtig, ein frisch renoviertes und begehbares Haus für die netten Kinder, die sich all die Jahren nicht wirklich für die Mutter interessiert haben. Eines wird jedoch nicht erwähnt: es bleibt eine Basis aus Kot, auf die die scheinheiligen Kinder bauen… Und der entstand nicht ohne Grund. Es bleibt also die Frage, ob sich in solchen Fällen nicht gewisse Institutionen oder Ämter einschalten sollten (in diesem Falle ganz klar das Gesundheitsamt). Dies wäre aber nur möglich, wenn sie bereits im Auswahlverfahren der Teilnehmer miteinbezogen würden bzw. Einsicht in die Akten hätten. So bleibt es, wie es ist: große Unterhaltung, für jung und alt.

Alles in allem ist die Feststellung, dass es mit dem Niveau in der Medienbranche stetig bergab geht, längst nichts neues. Nur, die Ausmaße werden immer abenteuerlicher. Bald schon wird es vielleicht schon ähnliche Shows wie im deutschen Film Free Rainer geben, über die man im Filmkontext noch lachen konnte – ein Lachen, welches durchaus im Halse stecken bleibt. Denn all dies ist näher an der Realität, als es den ach-so-strengen Moral- und Sittenwächtern eigentlich lieb sein sollte ! Aber auch hier gilt: Dinge, die massig Geld einbringen, sollte man vielleicht doch nicht so „streng“ anpacken… dann doch lieber einzelne Bösewichter herauspicken und anprangern, ein simples (und daher leicht zu bekämpfendes) Feindbild schaffen. Etwas schade ist, dass man sich als (wenn überhaupt) kritischer Fernsehzuschauer auch nicht mit vermeintlich intellektuellem Fernsehkonsum brüsten kann oder (im öffentlichem Sinne) sollte – Programme a’la Arte, 3Sat und Co. gelten einstweilen gar als verpöhnt in der immer dicker werdenden Unterschicht. Denn gerade dann wird man erst Recht belächelt als jemand, der sich mithilfe eines „geistig wertvollen“ TV-Inputs bilden möchte. Ausßerdem schafft es kaum ein Programmkonzept dieser „besseren“ Sender, die nächste Fernsehgeneration mit entsprechend auf sie zugeschnittenen Programmen zu locken – hier bräuchte es noch weitaus mehr jugendgerechte Konzepte und nachhaltige Ideen. Auch Bildung kann Spaß machen, gerade wenn sie aus dem Fernsehgerät kommt – doch wenn weiterhin Möchtegern-Wissenshows a’la Galileo und Co geschaut werden (das will die Gesellschaft offenbar), dann heisst es wohl doch erst einmal: Gute Nacht, Deutschland.

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