Filmkritik: „Braindead“ (1992)

Originaltitel: Dead Alive
Regie:
Peter Jackson
Mit: /
Laufzeit:
ca. 100 Minuten (unterschiedlich)
Herkunftsland:
Neuseeland
Genre:
Horror / Trash

Inhalt: Eher zart besaitete Gemüter sollten jetzt vielleicht nicht mehr weiterlesen. Schließlich ist Peter Jackson’s Braindead ein waschechter Meilenstein des umstrittenen Splattergenres, welches sich eben dadurch definiert, dass ordentlich (Kunst-)Blut fliesst. Von wegen umstritten, ist ein Splatterfilm denn auch immer und automatisch inhaltslos ? Nein, selbst im Falle eines Braindead gibt es tatsächlich so etwas wie eine Story. Und die ist in ihren Grundzügen zwar durchaus als ernst und vielleicht sogar dramatisch zu bezeichnen, doch die Inszenierung ist einfach nur köstlich-komisch. Eben genau so, wie es auch beabsichtigt war. Der tollpatschige Lionel (Timothy Balme) führt kein sonderlich spannendes, aber auch kein leichtes Leben. Er lebt in einem großen Anwesen, zusammen mit seiner Mutter – die anscheinend die volle Kontrolle über ihren Sohn innehat und keine „Konkurrenz“ duldet. Das ist ein Problem, da Lionel eines Tages der schönen Paquita (Diana Peñalver) begegnet, die sich zuvor bereits vorraussagen lassen hat, dass sie bald die Liebe ihres Lebens treffen würde. Ihr erstes richtiges Date haben die beiden in einem Zoo, wobei Lionels Mutter unglücklicherweise von einer hässlichen Kreatur hinter einem Zaun gebissen wird. Sie scheint sich mit einem gefährlichen Virus infiziert zu haben – letztendlich stirbt sie an den Folgen des Bisses. Doch keineswegs währt dieses Ableben lang… sie wandelt fortan unter den (lebenden ?) Toten und wird zu einem echten Pflegefall für Lionel. Und wie soll er das Paquita und all den anderen Leuten erklären, die ohnehin bald zu einer großen Party kommen würden ? Ja, wie weit kann oder sollte Mutterliebe wirklich gehen ? Und wie steht es um die frische Beziehung von Lionel und Paquita, die nun auf eine harte Probe gestellt wird ?

Kritik: Eines sollte jedem klar sein: ganz so ernst sollte man diese Story nicht nehmen. Aber die Lacher kommen von ganz allein, sobald man die ersten paar Minuten des Films gesehen hat. Die völlig überzeichneten Charaktere sind einfach zum Schießen, die (eigentlich ja tragische) Situation von Lionel einfach nur bedauernswert. Man hat als Zuschauer einfach richtig Mitleid ! Nun, Braindead ist aber auch ein Werk, an dem sich die Geister der Zuschauer ein wenig scheiden. Es gibt natürlich jene, die sagen; der Film sei einfach nur abscheulich und abstossend – wegen seiner übermäßigen, expliziten Gewaltdarstellungen. Meist ist dies auch die Zuschauergruppe, die sagt; diese Art von „Splatter“ und das Komödiengenre seien nicht vereinbar – eine solche Haltung sollte man respektieren – ebenso aber auch die gegenteilige. Diese besagt, dass Braindead ein echter Kultfilm und gleichzeitig ein riesiger Meilenstein für das Splattergenre gewesen ist. Und überhaupt, wie sehr haben sich wohl die Ansichten und die Bewertung hinsichtlich von Gewaltdarstellungen im Film geändert im Laufe der Jahre ? Während früher Gewalt (bzw. der nicht so negativ behaftete Begriff Splatter) ein reines Stilmittel war, sind ekelhafte Gewaltdarstellungen oder Folterszenen fast schon ein Muss in jedem Film. Jedoch mit dem Unterschied, dass diese Szenen in einem möglichst „realen“ Kontext gezeigt werden – und so den Zuschauern arg an die Nieren gehen können, was sie ja meistens auch schaffen (siehe Schundwerke wie Hostel oder SAW). Hauptsache heftig, Hauptsache ekelig, Hauptsache brutal. Und dabei immer ernst bleiben – ja, drehen wir hier eine Doku über einen perversen Serienkiller und ergötzen uns auch noch daran ? Das ist der Unterschied, den Braindead unmissverständlich aufzeigt: hier hatten Wörter wie „Witz“, „Selbstironie“ oder „Charme“ noch eine wirkliche Bedeutung.

Och, welch niedliches kleines Baby !

Denn das ganze Kunstblut (eine Menge !) fliesst nicht, weil die Zuschauer „geschockt“ werden oder sich übergeben sollen. Nein, es fliesst, weil Braindead kein Horrorfilm in dem Sinne ist – sondern auch eine Hommage an die Kultstreifen der 80er, der sogenannten „Zombie-Generation“. Man wird also kaum mit vor Spannung angestrengter oder bitterernster Miene vor dem Bildschirm sitzen – so würde der Film auch nicht funktionieren. Eben deshalb ist der Film auch erst ab 18 freigegeben, um zumindest eine gewisse theoretische Filmerfahrung vorauszusetzen – welche es ermöglicht, zwischen „ernstem“ und auf-die-Schippe nehmendem Film zu unterscheiden. Braindead dürfte da wohl eher zur zweiten Kategorie gehören. Wie gesagt, dieser Film ist nichts für jedermann. Verglichen mit Filmen wie den SAW oder HOSTEL-Reihen wirkt Braindead aber eher harmlos. Trotz der heftigen Gewaltdarstellungen – aber die gibt es auch in Comicheften für Kinder. Sie verstehen, man muss stets differenzieren und unterscheiden können. Auch Dinge wie die Liebesgeschichte sind einfach nur genial und amüsant dargestellt. Aber, und das ist ein weiterer, guter Aspekt – nicht alles erscheint wie völlig aus der Luft gegriffen. Dinge wie die wahrlich übertriebene, vielleicht schon krankhafte Liebe der (jetzt Zombie-)Mutter zu ihrem Sohn, diverse Streitfragen um das Erbrecht oder den Aberglauben – fungieren als solides Grundgerüst des Films. Und obendrauf gibt es eben all die wunderbaren Lächerlichkeiten und das Kunstblut.

Die technischen Aspekte bewegen sich alle auf einem „altersgerechten“ Niveau. Immerhin stammt der Film aus dem Jahre 1992, und man sieht dies auch einfach in Form einer nicht immer glasklaren oder pixelfreien Optik, sowie vielleicht etwas zu dunkel gehaltenen Szenen. Und natürlich: den übertrieben hässlichen Kreaturen – wobei dies wohl schon wieder beabsichtigt war. Die Musik ist größtenteils grottig, also genau passend für diesen Film. Timothy Balme ist wohl das heimliche Highlight des Films mit der extrem übertriebenen Mimik und Gestik – sehr solide gespielt. Ja, kann man mit so einem Typen am Set überhaupt ernst bleiben ? Diana Peñalver als Paquita hat eine ungleich schwerere Aufgabe: sie musste ihre Rolle fast den ganzen Film über relativ ernst spielen ! Gut, es kann wohl nicht jeder so verrückt sein wie ein Ian Watkin als Onkel Les, der wie sein oben genannter Kollege bestimmt eine Menge Spaß hatte beim Dreh (puhh, Zombiehaufen erledigt, erstmal eine Zigarre anstecken !)….

Fazit: Braindead ist ein aberwitziger, höchst unterhaltsamer Filmklassiker. Aber kein Film für Jedermann – vielleicht für jeden zweiten, dritten oder vierten. Und das ist auch gut so ! Eine bessere Horror bzw. Splatter-Komödie wird man nicht finden. 

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Braindead“ (1992)

  1. hmm 100 % ?
    Ich weiss nicht wieso du da 100 % gibst, denn bisher hatte ich ein anderes Bild von dir, was das bewerten von Filmen angeht.
    Klar der Film ist mega lustig.. Horror-Splatter-Komödie, aber dies gleich als den Film der Filme bezeichnen hmm.
    Gut jeder hat eine andere Meinung.
    Ich geb den Film eine 6 von 10, aber auch nur, weil ich selten bei einem Splatter Film so gelacht habe ^^

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    1. Ich bin übrigens der Meinung, dass dieser Film durchaus eine Herabstufung auf eine FSK 16 verdient hätte. Ich habe schon weitaus grausamere und vor allem REALISTISCHE Dinge in 16er Filmen gesehen und wer Braindead ernst nimmt, dem ist nicht mehr zu helfen. 🙂 Zumindest eine Streichung vom Index wäre gerechtfertigt…die Beschlagnahme der unzensierten Fassung ist der Witz schlechthin. Man lese sich mal den Beschlagnahmebeschluss durch: http://www.ofdb.de/view.php?page=text&fid=18&rid=33272 Die Szenenbeschreibungen lesen sich auf den ersten Blick ULTRAbrutal, aber wenn man den Film gesehen hat, dann sollte man realisieren, dass das gezeigte genauso ernst genommen werden kann wie eine x-beliebige South Park Folge. ^^

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