Filmkritik: „Inception“ (2010)

Filmtitel: Inception
Regie:
Christopher Nolan
Mit:
Leonardo DiCaprio
Laufzeit:
148 Minuten
Herkunftsland:
USA
Genre:
Science Fiction

Inhalt: In einer Welt, in der es eine Technologie gibt, mit der man die Träume von Menschen betreten kann, ist Cobb (Leonardo DiCaprio) so etwas wie ein Meisterdieb. Er betritt die Träume von anderen, träumt also quasi mit – und versucht dabei, den Zielpersonen das ein oder andere Geheimnis zu entlocken. Meistens hat er damit auch Erfolg – doch würden er und sein Team auch ein „Inception“ durchführen können; ein Vorhaben, welches darauf basiert eine Idee in den Verstand des anderen einzupflanzen ? Motiviert durch das Versprechen, dass er dadurch endlich seine Kinder wiedersehen könnte, wird das scheinbar unmögliche versucht, und zwar bei Robert Fisher (Cillian Murphy). Er wird in einen Traum aus mehreren Ebenen verwickelt, mit dem Ziel; ihn letztendlich dazu zu bringen, seine Firma aufzugeben… doch das Verfahren birgt einige Risiken, wie unsere Protagonisten es noch erfahren sollen.

Kritik: Es weht ein frischer Wind in Hollywood. Eines ist klar: Christopher Nolan ist mit Inception ein kleines Meisterstück gelungen, welches sich – trotz sehr bekannter Darsteller – etwas weiter entfernt vom Hollywood-Mainstream bewegt als üblich. Bereits die Grundidee ist faszinierend, und wurde zugleich noch nicht allzuoft im Kino behandelt: es geht um die (teils verwirrende) Welt der Träume. Als filmische Voraussetzung gilt im Falle von Inception, dass es eine etwas seltsame Gerätschaft gibt, mit der man in die Träume eines anderen mit einsteigen kann, und zwar als luzider Träumer – das heisst, die „Clients“ wissen, dass sie nur träumen, der zu bearbeitende „Host“ aber nicht.

Inception verspricht also ein versierter Action-Thriller zu werden, der nicht gerade mit Bombast-Szenen zu glänzen versucht – sondern eher mit einer tiefgehenden Story. Und dieses Versprechen hält er aucgh problemlos. Selbstverständlich gibt es auch das ein oder andere Feuerwerk, sowie rasante Szenen mit Schusswechseln oder Verfolgungsjagden. Man merkt aber schnell, dass diese in diesem Fall nicht das essentielle Element von Inception sind – sondern eher als Verschnaufspausen fungieren. Denn: die Story zu verfolgen, erscheint einstweilen etwas anstrengend. Dies liegt an der Komplexität derselben, sowie der Arbeit mit den verschiedenen Traumebenen und den entsprechenden Auswirkungen. Ein kleiner Kopfzerbrecher also – sofern man sich die Mühe macht, über das gezeigte nachzudenken und ein wenig zu reflektieren. Aber das sollte man ja ohnehin als halbwegs anspruchsvoller Kinogänger, der sich nicht einfach nur „berieseln“ lassen möchte.

Nix mit Haudrauf-Action – „Inception“ ist weitaus mehr

Allein die Optik und Inszenierung des Films sind beeindruckend. Wenn sich das erste Mal eine komplette Stadt bedrohlich zu neigen beginnt; wenn innerhalb der verschiedenen Traumebenen mit passenden Zeitlupeneffekten gearbeitet wird um die Zeitunterschiede deutlich zu machen, wenn die Auswirkungen aus der einen Traumebene auf die andere überschwappen – dann ist das einfach nur faszinierend anzusehen. Die Kamerafahrten und die Schnitte sind ausgezeichnet, und wissen stets den storytechnischen Hintergrund zu untermalen. Auch der Soundtrack vermag zu punkten; vor allem in Sachen bedrohlich-mysteriös angehauchter Klänge in den Traumebenen. Natürlich ist der Cast erlesen und scheint perfekt ausgewählt: mit Leonardo DiCaprio hat Christopher Nolan einen echten Glückstreffer gelandet. Schließlich scheint dieser gerade auf bestem Wege, eine echte filmische Größe zu werden – eben nicht mit Filmen, die zwingend dem Mainstream entsprechen; sondern mit Filmen, die etwas neues versuchen. Nach Shutter Island ist Inception also bereits der zweite Film dieser Kategorie (Hollywood mal anders + DiCaprio), den man vorbehaltlos jedem empfehlen kann. Auch die anderen brauchen sich nicht hinter ihren Leistungen zu verstecken – diese sind durchweg positiv und überzeugend. Von Cillian Murphy ist man zwar etwas… „fiesere“ Rollen gewöhnt, doch auch den unsicheren Erben eines Firmenimperiums spielt er ausgezeichnet.

In der Welt der Träume wird es düster… und geheimnisvoll

Größter Diskussions- und Bewertungsfaktor bleibt aber mit Sicherheit die Story und die Präsentation derselbigen. Allein die Tatsache, dass sich Christopher Nolan mit einer solchen Akribie an eine möglichst nachvollziehbare Darstellung der Traumthematik machte, verdient Respekt. Und auch, dass man als Zuschauer absolut gefordert ist. Man sollte sich schon auf diese mysteriöse Welt einlassen können, um den Film in vollen Zügen zu genießen. Spätestens mit dem Einbringen des sogenannten „Limbus“ wird es nämlich nicht immer ganz leicht, die verschiedenen Ebenen und die Bedeutung der einen auf die anderen auseinander zu halten. Wer oder was ist hier noch „real“, also tatsächlich noch am Leben und an die merkwürdige Maschine angeschlossen (deren Funktionsweise nie wirklich erklärt wird); wer nur noch eine Reflexion des Unterbewusstseins eines der „Teilnehmer“ ? Dies ist hierbei natürlich noch eine der leichteren Fragen. Schwieriger wird es dann, wenn man sich fragt, was es generell mit dem Limbus auf sich hat, oder wie es mit Cobb steht, der ohnehin die größte Erfahrung mit dem Thema zu haben scheint (ich war schon einmal dort). Oder, was genau zwischen ihm und seiner Frau, beziehungsweise ihrem Abbild im Limbus geschehen ist, bevor er noch eine weitere Ebene (?) tiefer in diesen eingestiegen ist um einen Freund zu retten. Da wird es dann schon etwas schwieriger mit der Übersicht, und einiges bleibt auch der eigenen Interpretation des Zuschauers überlassen.

Sowohl optisch als auch inhaltlich anspruchsvoll: „Inception“.

Fazit: Film-Enden, die weder „Happy“ noch „Bad“ sind, sondern es vielmehr schaffen, die gesamten vorherigen Ereignisse (prinzipiell) wieder über den Haufen zu werfen, sind eine Rarität. Oftmals machen erst solche Enden es möglich eine Interpretation zu erschaffen, die über den Kontext des Films hinausgeht. Denn auch wenn eine „finale Aussage“ nicht enthalten ist, so entsteht diese möglicherweise (hier: wahrscheinlich) in den Köpfen der Zuschauer. Das ist Kino wie es sein sollte – etwas „anders“, anspruchsvoll und unterhaltsam. Ist es nicht egal, ob man nun träumt oder nicht – wenn das eigene Empfinden sagt: das ist deine Welt, das ist real ?

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8 Gedanken zu “Filmkritik: „Inception“ (2010)

  1. Es gibt wirklich nur eine Handvoll Filme die ich mir wieder und wieder ansehen kann… und dazu zählt Inception in jeder verdammten Hinsicht! Vom Cast, Regie, bis hin zu dem Special Effects und dem unpackbaren Soundtrack, ein Masterpiece wie ich es glaub ich noch nie zuvor erlebt habe!

    Alles under 10.0000 ist absolut unterbewertet meiner Meinung nach 😉

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  2. In der Tat schon zwei Jahre her deine Rezension, aber ich befinde mich eben auf einer anderen Traumebene als du, da spielt Zeit sowieso keine Rolle. ^^ Habe ihn heute gesehen…und vorab (bevor ich deine Kritik lese um mich nicht beeinflussen zu lassen) mein Eindruck:

    Am Anfang des Filmes war ich noch etwas schwer vom Film zu beeindrucken, aber je weiter der Film voranschreitet, desto besser wird er. Die größte Voraussetzung ist aber, dass man sich auf die Idee des Films voll und ganz einlassen und die Logik vergessen kann. Der Film hat seine eigenen Gesetze, ob das in Realität möglich ist muss man da eben ausblenden. Die Idee an sich ist sehr interessant und trifft meinen Geschmack als leidenschaftlicher Träumer sowieso. 🙂

    Die Vision die Chris Nolan hier präsentiert ist hervorragend umgesetzt. Die Effekte sind episch, aber auch clever eingesetzt, der Soundtrack ist stimmig, aber auch nicht gerade innovativ. (klingt alles wieder so nach „Batman“…Hans Zimmer halt) Ich bin ein großer Fan Nolans Cinematographie und auch sowieso von den ganzen britischen Regisseuren die den Kontrast zu den ganzen Gelscheffler aus Hollywod bilden…ein weiteres Beispiel ist da z.B. Danny Boyle den wir beide ja sehr schätzen oder auch Neil Jordan.

    Neben dem eigentlichen Star DiCaprio hat mir vor allem Cillian Murphy im Film ganz gut gefallen. (die Szene mit dem Windrädchen hat mich jedenfalls berührt). Lustigerweise hat dieser neben Nolan auch für die beiden anderen Regisseuren gearbeitet, für Danny Boyle in dem stark unterschätzten „Sunshine“, natürlich auch in „28 Days Later“ und für Neil Jordan in „Breakfast on Pluto“ (Zitat: „Meine Nylons sind zerfetzt.“ ^^)

    Das Ende des Films ist mal wieder typisch Nolan. 🙂 Bei ihm hat man immer den Eindruck, dass alles ein Kreislauf ist. Das es kein richtiges Ende gibt, und man eigentlich wieder am Anfang der ganzen Problematik steht. Achja Oli, hattest du nicht mal aufgrund des Films ständig einen Kreisel bei dir, kann mich da an irgendwas erinnern, kann aber sein, dass mir jemand diese Idee auch nur eingepflanzt hat, dass ich so überzeugt davon bin. ^^ Weißt du woran mich dieser blöde Kreisel erinnert hat….an „Blade Runner“ und das Einhorn. 🙂 Keine Ahnung ich sehe da irgendwie Parallelen.

    Conclusion:

    Der Film fängt abrupt an, tatsächlich wie ein Traum an dessen Anfang man sich nicht erinnern kann, wird dann aber interessant als die neue „Traumarchitektin“ ins Spiel kommt und man das Prinzip von Inception dann auch irgendwie verklickert bekommt. So richtig in Fahrt kommt der Film als man mit 3 Traumebenen arbeitet, da wirds tatsächlich geil. lol Hin und wieder muss ich da auch an die South Park Parodie zum Film denken, weil so ganz ernst kann man die ganze Sache nicht nehmen. „Wer hat die Pizza hier bestellt?“ „Das muss einer von denen im Traum gewesen sein.“ „Warten Sie, ich gehe rein.“ ^^ Es gab damals einen mächtigen Hype um den Film und er hat mich dahingehend positiv überrascht, dass der Film doch nicht so blöd ist, die Tiefe des Films zeigt sich dann gegen Ende. Und das ist es was mir bei Nolan gefällt, der Aufbau ist eigentlich immer gleich und er beherrscht das ganz gut die Eindrücke des Zuschauers zu lenken. Allerdings hat mir da persönlich „Memento“ zwei Tacken besser gefallen, auch wenn er nicht so ein TamTam veranstaltet wie Inception, aber der Aufbau ist sehr ähnlich und erfordert uneingeschränkte Aufmerksamkeit um der Handlung folgen zu können. Das Risiko zur Komplexität lobe ich mir bei Nolan immer, denn sowas kann (vor allem in Amerika!) nach hinten losgehen. Aber auch hier bei uns gibt es genug Leute, die seine Filme als pseudo-intellektuelles Arthousekino betrachten. So not true! Wertung: 8/10

    So jetzt lese ich mal was du geschrieben hast…wir treffen uns auf dem 3. Level wieder. 🙂 xD

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    1. Gern und komplett verschlungen, deinen leicht zeitverzögerten Kommentar. Tatsächlich, sind schon wieder 2 Jahre vergangen ? Wird wohl mal Zeit für einen Re-Watch 😉
      Ach ja, MEMENTO ist notiert, kenne ich noch nicht. Grüße mir die Leutz in der anderen Traum-Ebene^^

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  3. Wie du weißt ähneln unsere Bewertungen oder Meinungen zu Film meist oft sehr stark. Deshalb nicht nur zu Inception – „ Ich bin deiner Meinung“. Sondern auch zu den andern Filmbesprechungen – „Danke für das herauskristallisieren der wirklich wichtigen Aspekte. Und es liegt nicht daran dass die Filme von dir/mir so bewertet werden, da wir der gleichen Meinung sind, Nein, die Bewertung erfolgt genau so, da sie der Realität entspricht und ein Maßstab für viele sein sollte.

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  4. Das entspricht in etwa auch meiner Meinung vom Film. Man kann froh sein, dass es in Hollywood momentan jemanden wie Nolan gibt, der es schafft Filme für ein großes Publikum zu machen, aber inhaltlich mehr bietet als all die anderen zahmen Actionblockbuster.

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