Filmkritik: „The Road“ (2009)

Filmtitel: The Road
Regie:
John Hillcoat
Mit:
Viggo MortensenKodi Smit-McPhee
Laufzeit:
111 Minuten
Land:
USA
Genre:
Drama

Inhalt: Es war einmal in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Vater ( Viggo Mortensen) und sein Sohn (Kodi Smit-McPhee) wandeln scheinbar ziellos durch die von Ascheregen ergraute Landschaft und suchen Schutz. Nur noch vereinzelt tauchen andere Menschen auf, häufiger jedoch hört man bedrohlich wirkende Geräusche wie Explosionen oder Schüsse. Es muss sich eine große Katastrophe ereignet haben – und die wenigen überlebenden sind nun sich selbst der nächste. Gewalt oder sogar Kannibalismus scheinen an der Tagesordnung in diesem erbarmungslosen Kampf ums Überleben zu sein. So macht sich das familiäre Duo auf, um in den Süden zu gelangen. Irgendwo dort soll es möglicherweise noch einen Ort geben, der noch nicht derart verwildert ist, und in dem Menschen in Frieden miteinander leben. Werden die beiden es schaffen; und was ist wenn sich das Ganze doch nur als Mythos herausstellt ? Doch erst einmal gilt es, zu überleben – eine schwierige Aufgabe, ein unberechenbarer Instinkt in einer offenbar hoffnungslosen Welt.

Kritik: Klingt das etwas zu düster ? In der Tat, The Road ist nicht gerade ein Film, der dem Zuschauer gute Laune vermittelt. Aber das soll er ja auch gar nicht, es handelt sich vielmehr um einen weiteren Film, der das Thema „Apokalypse“ behandelt. Das Genre bewegt sich hierbei irgendwo zwischen Abenteuer, Drama und Thriller. Tatsächlich basiert auch dieser Film auf einer Buchvorlage, und zwar der des US-Authors Cormac McCarthy , welche bereits im Jahre 2006 veröffentlicht wurde. Und: The Road ist ein Film, der eher mit Stimmungen und Emotionen anstatt actiongeladener Haudrauf-Szenen arbeitet – was ihm sehr zugute kommt. Schließlich geht es in erster Linie auch um die Frage, wie so ein Leben in einer recht apokalyptischen Welt wohl aussehen könnte. Warum überhaupt apokalyptisch, mövhte man jetzt fragen ? In der Tat ist dies ein weiterer Clou des Films: es wird nie wirklich verraten, warum genau die Welt nun quasi auf Messers Schneide steht. Oder besser gesagt, das Schicksal der Menschheit. Als Zuschauer sieht man lediglich das Ergebnis einer fiktiven Katastrophe, und wie die Menschen damit umgehen, oder umgegangen sind. So sind auch einige schwerer verdauliche Szenen enthalten, in denen beispielsweise Menschen zu sehen sind die Suizid begangen haben. Besagter „Clou“ des Films ist allerdings gleichzeitig Lob- und Kritikpunkt…

Denn zum einen führt das Verwenden eines unbekannten Elements zu einer erhöhten Spannung beim Zuschauer, es lädt ein; sich selbst ein eigenes Bild oder eine eigene Vorstellung zu formen. Andererseits aber verzichtet man so gänzlich auf Erklärungen jeglicher Art – und macht sich damit angreifbarer für Kritik hinsichtlich einiger Storyschwächen oder -Lücken. Schließlich „startet“ man so bereits in einer Welt, in der viele Dinge vorgegeben sind – man hat also deutlich weniger Arbeit, als müsste man erst ein Grundgerüst schaffen. Auch wird nicht erwähnt, wo all die anderen Menschen abgeblieben sind – man sieht kaum überlebende, aber auch keine Leichen oder Gräber. Doch, was soll man tun; wenn die Buchvorlage auch nicht mehr Erklärungen liefert ? Empathie ist mit Sicherheit ein weiteres Stichwort in Bezug auf The Road. Denn als Zuschauer wird man intensiv mitgerissen von den Ereignissen in dieser post-apokalyptischen Welt. Selbst wenn der Film das Hauptaugenmerk fast ausschließlich auf eine Vater-Sohn Beziehung legt – und diese beiden nicht wirklich oft auf andere überlebende Treffen. So aber gelingt dieses Porträt so intensiv und glaubhaft, dass es nachhaltig beeindruckt.

Es gibt auch einen echten, kaum vorhersehbaren Schockmoment im Film. Nur soviel: man stellt sich als Zuschauer die Frage, wie so etwas möglich sein kann, im Hinterkopf das Wissen um die reelle Existenz dieses dort gezeigten Phänomens, beziehungsweise dieser menschlichen Grausamkeit. Die beiden Hauptcharaktere jedoch tragen „das Feuer noch in sich“, wie ein Zitat aus dem Film besagt. So kämpfen sie – scheinbar auf verlorenem Posten – weiterhin um den Erhalt der Menschlichkeit. Und, der Menschheit im gesamten – doch dafür müsste man erst einmal in den Süden gelangen… diese Reise ist schlicht aussergewöhnlich, spannend inszeniert – und einfach nur gruselig – im positiven Sinne. Ein echtes filmisches Erlebnis – das kann man wohl nur von wenigen Filmen behaupten, gerade aus den USA.

Die technischen Aspekte passen zum durchweg positiven Eindruck der Story und der Umsetzung. Die Optik ist im allgemeinen sehr düster und grau gehalten, wirkliche Gegensätze gibt es kaum. Lediglich einige Einzelszenen bieten optische Abwechslung – was aber durchaus als positiv zu bewerten ist. Schließlich bekommt man so einen umso besseren Eindruck von der (grauen) Hoffnungslosigkeit „da draussen“ – wenn es immer noch Rückzugsorte gibt, in denen andere Farben dominieren. Die Kamera-Arbeit und die Schnitte sind gelungen, ganz besonders sind natürlich die Szenenaufbauten und Schauplätze zu erwähnen. Der stimmige Soundtrack unterstützt den Eindruck der „Postapokalypse“. Viggo Mortensen als Familienvater spielt sehr, sehr überzeugend; wenn nicht überragend. Der noch relativ junge Newcomer Kodi Smit-McPhee vermag es, in schauspielerischer Hinsicht absolut, mitzuhalten – es wirkt einfach, als müssten die beiden tatsächlich Vater und Sohn sein.

Fazit: Der gemischter Eindruck ist einer, der nachwirkt. Der Film ist so ausgezeichnet in seiner Machart, doch das Gefühl welches er erzeugt, kann eben nur „übel“ sein. Doch auch diese Tatsache spricht nur für den Film. Ein absoluter Geheimtipp ! Spannend, düster, erschreckend; und am Ende… man wird es sehen. Absolutes, post-apokalyptisches Pflichtprogramm !

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7 Gedanken zu “Filmkritik: „The Road“ (2009)

  1. Ich seh gerade, die 10/10 von mir sind noch nicht eingetragen. 🙂

    Wenn wir bei Wertungen sind, habe gerade jetzt erst gelesen, dass nun auch Roger Ebert bereits am 4. April an seiner Krebserkrankung gestorben ist. 😦 R.I.P.

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    1. Oha, davon habe ich auch nichts gehört. R.I.P. – habe seine Kritiken immer gerne gelesen oder damals auch in den Videos geschaut.

      Tatsache… hatte mich ja damals schon leicht gewundert, dass die volle Wertung hervorgezaubert hast. Wird sofort übernommen !

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  2. Ein guter Endzeitfilm, der es aber nicht vermag, die Qualität der Genreklassiker der 80er zu erreichen. Optisch eindrucksvoll, herrlich düster und die Schauspieler (allen voran Viggo Mortensen, Aragorn aus Herr der Ringe) wissen allesamt zu überzeugen. Leider verliert sich der Film zu oft in Rückblenden, die nahelegen, dass die Regie nicht alleine auf Mimik und Gestik der Schauspieler vertrauen (oder warum brauchen wir diese Szenen?).

    Aufgrund dieser kleinen Schwächen „nur“ 8/10 von mir.

    Empfehlungen für Genre-Fans:

    Testament (1983)
    Quiet Earth – Das letzte Experiment (1985)
    Wenn der Wind weht (1986) [Zeichentrickfilm, billig gezeichnet, aber äußerst sehenswert. Zeigt ein Rentnerehepaar das nach einem Atomkrieg nach dem britischen Zivilverteidigungsprogramm „Protect and Survive“ vorgeht…]

    Der Junge und sein Hund (1975) [War Inspiration für die Computerspielereihe Fallout, wer diese mag, sollte diesen Film gesehen haben.]

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    1. Wie immer gute Vorschläge, die ich aller Wahrscheinlichkeit nach auch abarbeiten werde – auch wenn das natürlich etwas Zeit in Anspruch nehmen wird. Sofort gezündet hat’s dann beim letzten, insbesondere da ich hier den Titel FALLOUT las. Die Überraschung: den Film gibt es komplett auf Youtube zu sehen, offenbar als ‚legale‘ Version (sieht zumindest so aus – kennt man ja von älteren / teils lizenzfreien Filmen). Ich weiss nicht ob es sich lohnt nach besonderen Schnittfassungen Ausschau zu halten (sofern es welche gibt) ? Wenn nicht, wird dies die erste von Deinen Empfehlungen sein, die ich mir zu Gemüte führe 🙂

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  3. Hehe…I know.^^ Knowing ist aber so straight US-Popcornkino, es fesselt vielleicht beim ersten Mal, aber er ist nicht so viel „anders“ wie du glaubst. (vielleicht ises eine Glaubensfrage) Ich sage nur „Der jüngste Tag“…schau dir den Film an und du hast eine gewisse Vorlage zu Knowing…der Schluss könnte 1:1 geklaut sein. ^^ Sogar der James Bond Film „Moonraker“ klaut etwas von diesem „Arche Noah Prinzip“. (allerdings im Kontext mit dem Thema „Herrenrasse“^^) „The Road“, der trifft einen richtig, wenn man ne Frau wäre hat man Angst nach dem Kinobesuch danach mit ner verloffenen Mascara durch die Gegend zu laufen. ^^ Also das ist ein Film da hört man eine Stecknadel fallen. Aber ich weiss, dass ich dir den Film sowieso nicht ausreden kann…ich möchte just to point out…The Road is a better movie.^^ Geh weg mit Roger Ebert und solchen Leuten, schau mal bei Wikipedia was der genau gemacht hat….der hat u.a. Drehbücher für Russ Meyer (das amerikanische Pendant zu Franz Marischka *g*) geschrieben, einem berühmt-berüchtigten Soft-Porno (!) Regisseur der auf dicke Titten stand. ^^

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  4. Ich habe heute die Blu-Ray zum Film eingeworfen. Wahnsinnig guter Film und dann dieser geniale bedrückende Score dazu. Noch nie sah das „Ende der Welt“ optisch so gut und glaubhaft aus. Für mich ist der Film eine Allegorie auf die Welt von heute, wie wir langsam unsere Erde zerstören, wir nicht mehr wissen wer „Gut“ und wer „Böse“ ist und uns buchstäblich gegenseitig auffressen. Man muss eigentlich gar nicht wissen was, warum, wieso, ich denke man versteht auch so. Dazwischen gibt es dann aber auch immer wieder hoffnungvermittelnde Szenen wo das Gute zum Vorschein kommt, die Liebe zwischen Vater und Sohn, obwohl sich Mitleid, Nächstenliebe und Hoffnung von einem kleinen Jungen und die Angst, Hoffnungslosigkeit und Paranoia des Vaters immer wieder in die Quere kommen. Auf weitere Symbolik darf ich hier dann nicht mehr eingehen ohne zu spoilern. Ich muss sagen, dieser Film ist SO VIEL besser als „Knowing“. Auch finde ich Viggo Mortensen mittlerweile viel besser als Nicholas Cage, Mortensen erinnert mich irgendwie ein wenig an dich…du hast was von ihm k.a.^^ Es wäre auch eine Rolle für dich gewesen. Trägst du das Feuer in dir?
    Fazit: 10/10 und absoluter DVD-Tipp oder am besten gleich auf Blu-Ray kaufen! Der Score wie gesagt auch furchtbar schön.

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    1. Ui, eine 10/10 Wertung… sieht man ja auch nicht oft von Dir, gerade bei US-Filmen ? Stimme natürlich zu, genialer Film. Aber ich und Herr Mortensen… ? Interessant, das höre ich definitiv zum ersten Mal ! Das mit dem „Feuer“ scheint aber tatsächlich zuzutreffen, auch ich spüre dergleichen in mir (Hilfe); wie man auch immer wieder an meinen musikalischen Auswahlen sehen kann. Das Verfechten von grundsätzlichen Werten in schwierigen Zeiten, in denen andere längst der Dekadenz oder dem Wahn verfallen sind… halte die Flagge hoch, keep the spirit alive, der Geist ist stark etc… ja, warum bin ich eigentlich nicht zum Casting gegangen ? Aber offenbar muss es ein Mindestalter für die Rolle gegeben haben, es würde einfach nicht zu mir passen wenn ich mit 25 schon einen ca. 10-jährigen Sohn hätte 😉

      Ach ja, Knowing ist derat übelst zerissen worden von einem Großteil der Kritiker – Wertungen von 1.5/10 bis 3/10 sind absolut keine Seltenheit. Was soll ich sagen… ist das noch objektiv, ist es eine blosse Geschmacksfrage ? Oder ist es die zwiespältig ankommende Tatsache, dass dem Film ein enorm mystischer Touch innewohnt – auf den man sich nur einlassen muss, was viele aber offenbar nicht konnten und den Film eher distanziert betrachteten ? Man weiss es nicht, nur eines ist klar: Knowing ist kein deutlich mieser Film, allen Kritikern die Wertungen unterhalb der 50%-Grenze geben spreche ich jegliche Objektivitätsansätze ab. Wenigstens verstehen mich hier Herr Christianbw (der meine Meinung teilt) und Herr Roger Ebert, der sonst recht knallharte Kritiker; der sogar eine Höchstwertung für Knowing vergeben hat (!). Die, die den Film grundsätzlich mies finden, werden schätzungsweise auch nichts mit Evangelion anfangen können, auch wenn der Vergleich etwas hinkt. Aber Bodenständigkeit ist hier einfach nicht gefragt, sondern ein explizites aus-dem-Fenster-lehnen… as long as magic still remains.

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