Filmkritik: „Evangelion 1.01 – You Are (Not) Alone“ (2007)

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Originaltitel: Evangerion Shin Gekijôban: Jo
Regie: Kazuya Tsurumaki, Hideaki Anno
Mit: /
Land: Japan
Laufzeit: ca. 98 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Science Fiction, Action, Drama
Tags: Evangelion | Shinji | Nerv | Seele | Third Impact | Engel

Wenn das kein gelungener zweiter Anlauf ist.

Inhalt: In Neo-Tokio-3 ist die Hölle los – und das, obwohl die Gestalten, die die Stadt angreifen, als Engel bezeichnet werden. Auf den ersten Blick ist das was wir sehen aber wohl keine besonders freundliche Geste: ein mehrere Stockwerke großer Engel namens Sachiel arbeitet sich durch den nun verbunkerten Stadtkomplex, und verbreitet dabei Angst und Schrecken. Sein Ziel ist noch unklar, doch offenbar will er in die Hauptzentrale von NERV, einer Geheimorganisation der UN; gelangen. Geleitet wird diese von einem gewissen Gendo Ikari, doch es scheinen noch weitere geheimnisvolle Organisationen und Pläne dahinterzustecken. Das Militär hält mit allem dagegen was sie haben – doch offensichtlich haben konventionelle Waffen keinen Erfolg. Die letzte Chance von NERV sind die sogenannten Evangelions, riesige Mechas, die ausschließlich von Kindern gesteuert werden können. So soll auch Gendos eigener Sohn, Shinji Ikari, als Pilot für Evangelion Einheit 01 rekrutiert werden. Doch der sträubt sich merklich gegen diese ihm aufgezwungene Aufgabe, und beginnt nicht zuletzt gegen seinen Vater zu rebellieren. Schließlich hatte er ihn viele Jahre lang nicht gesehen – warum sollte er ihn also gerade jetzt brauchen ? Shinji zweifelt, doch je länger nichts gegen den Engel unternommen wird, desto näher rückt die Gefahr. Die Pilotin von Einheit 00 ist jedoch kaum in der Lage, ihren Evangelion zu steuern. Und so wagt sich Shinji doch noch in den Kampf, obwohl er kaum weiß was auf dem Spiel steht…

Dieser junge Mann ist der Hauptcharakter des Evangelion-Universums
Es wird episch… unendlich episch werden

Kritik: Hideaki Anno und sein EVANGELION sind zurück ! EVANGELION 1.01 ist der erste Teil einer neuen Film-Reihe zum berühmten Franchise und beginnt ziemlich genau da, wo bereits die originale Serie (NEON GENESIS EVANGELION aus dem Jahre 1995, Link) vor vielen Jahren begann – inmitten eines spektakulären Kampfes gegen einen noch unbekannten Feind. Dass sich derlei Szenen nun plötzlich wiederholen, hat indes einen guten Grund: Hideaki Anno hatte nach der Serie noch längst nicht mit dem Kapitel EVANGELION abschließen können. Erst folgten alternative Enden und ein weiterer, abschließender Film mit dem Titel THE END OF EVANGELION (Link) – doch das reichte ihm noch immer nicht. Dass die Techniken und Möglichkeiten im Anime-Bereich mit dem Beginn des neuen Millenniums dann immer ausgefeilter und besser wurden, kam dem EVANGELION-Schöpfer natürlich gelegen; hatte er nur auf eine solche Gelegenheit gewartet. Sein Ziel: den höchst philosophischen Stoff endlich so darstellen zu können, wie es seine ursprüngliche Intention war. Doch ist die neue EVANGELION-Filmreihe (die aus 4 Teilen bestehen wird) längst nicht nur ein optisch verbesserter Neuaufguss der alten Serie. Die zugrunde liegende Thematik von EVANGELION ist schlicht derart komplex, dass weiter auf ihr aufgebaut werden kann – und sollte. Als Zuschauer möchte man einfach immer mehr EVA-Nahrung – schließlich sind viele Fragen noch immer offen; auch wenn manche vermutlich nie beantwortet werden. Doch auch für Neueinsteiger eignet sich dieser Film geradezu optimal – da er noch nicht vollends mit der Philosophie von EVANGELION durchstartet, sondern erst einmal in optischer Hinsicht zu „locken“ und zu beeindrucken weiß.

Irgendetwas ist hier im Gange… irgendetwas großes und bedeutsames…

Und das ist gewiss kein Negativaspekt, zumal man genau weiß dass in dieser Hinsicht in den nächsten Filmen enorm angezogen werden wird. Es wird episch, erschütternd, weltbewegend. Eben so wie es typisch ist in der Welt von NEON GENESIS EVANGELION, jenem wahren Ausnahme-Werk aus der Welt des Anime welches bis heute Fans weltweit beeinflusst wie kein anderer Film oder eine andere Serie. Entsprechend ausgewogen sind auch die Zutaten im ersten Teil der Neuverfilmung: neben wirklich atemberaubenden CGI-Sequenzen (speziell in Bezug auf die Darstellung der Engel), rasanten Gefechten und wunderbaren Landschaftsdarstellungen werden bereits erste grundlegende philosophische und religiös-angehauchte Aspekte von EVANGELION eingestreut. Die werden im ersten Teil hauptsächlich durch den jungen Shinji verkörpert, der im Konflikt mit seinem Vater (und nicht zuletzt auch sich selbst) steht. Man merkt bereits deutlich, dass er noch eine sehr bedeutsame Rolle im weiteren Storyverlauf spielen wird. Und auch die zahlreichen, vielschichtigen Nebencharaktere lernt man erstmals kennen – wie die quirlige Misato als quasi-Ersatzmutter für Shinji, die junge Rei Ayanami als mysteriöse Pilotin von Evangelion Einheit 00 oder den strengen Gendo und weitere Mitarbeiter von NERV; jener geheimnisvollen Organisation welche die Menschheit angeblich retten soll. Man kann nur jedem raten, sich einmal in die Welt von EVANGELION zu begeben; gesetzt dem Fall man hat eine gewisse Affinität für epische Storys, apokalyptische Endzeit-Szenarien oder ist generell ein Freund von guten Animes. So oder so wird man nicht enttäuscht werden.

Die Charaktere sind tadellos gezeichnet, und außerdem brillant charakterisiert

Im Gegenteil, man wird aus dem heimischen Sofa und aus seiner Haut fahren, weil EVANGELION 1.01 schlicht perfekt durchdacht und überzeugend wirkt. So liegen etwaige Gedankenspiele, die das Gezeigte auf die tatsächliche Welt übertragen in gar nicht allzu weiter Ferne. Dies ist gleichzeitig der absolut größte Pluspunkt von EVANGELION: das Gefühl einer absoluten Bedeutsamkeit des Gezeigten. Wenn nicht in Bezug auf einen selbst, dann zumindest in Bezug auf die Welt des Animes und der Charaktere. EVANGELION ist eine epische Saga, die ein höchst mysteriöses (aber nicht unbegründetes) Projekt der besonderen Art beschreibt, beziehungsweise auf den näheren Verlauf zur Vollendung dieses Projektes eingeht. Dabei werden zahlreiche philosophische und religionsorientierte Aspekte nicht ausgelassen. In einer der Schlussszenen dieses ersten Films bekommen wir die bis dahin größte Andeutung: ein gewisser Lorenz Kiel spricht über den markanten Seele-01-Obelisken zu einer mysteriösen Gestalt auf dem Mond. Wer das ist, das wissen bis dato nur diejenigen die auch die originale Serie gesehen haben… es wird jedenfalls sehr, sehr spannend werden. Zumal alles ein klein wenig anders ist als in der Serie – so schafft es Hideaki Anno, neuen Zuschauern den Einstieg zu erleichtern, und macht gleichzeitig auch noch seine „alten“ Fans glücklich. Respekt !

Notfall über Notfall… es gibt kaum Ruhe in Neo-Tokio-3

Fazit: Wo soll man anfangen ? Wie man es auch dreht und wendet, EVANGELION 1.01 ist der perfekte Anime; ob nun für explizite Action-Fans oder solche die Wert auf intensive Zwischentöne legen. Letztendlich ist in diesem Fall wohl die Mischung ausschlaggebend – die einzelnen Elemente des Films werden perfekt dosiert, sodass zu keinem Zeitpunkt ein wie auch immer gearteter Leerlauf entsteht. Wenngleich so gut wie alle inhaltlichen Aspekte auch auf die originale Serie zu übertragen wären, so hat das EVANGELION-REBUILD einen markanten Vorzug: es sieht schlicht verdammt gut aus. Im Zusammenhang mit dem wie immer eindrucksvollen Soundtrack von Shiro Sagisu ergibt sich so ein Highlight auf jeder erdenklichen Ebene – der inhaltlichen, visuellen, akustischen. Dieser Film muss, nein er wird in die Geschichte eingehen.

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„Manchmal klappt’s im zweiten Anlauf – nicht erst, sondern nochmal. Denn auch der erste war sagenhaft.“

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