Filmkritik: „Knowing“ (2009)

Originaltitel: Knowing
Regie:
Alex Proyas
Mit:
Nicolas CageChandler Canterbury
Laufzeit:
121 Minuten
Land:
USA / UK
Genre:
Science Fiction

Inhalt: Im Jahre 1959 befindet sich eine Schulklasse gerade dabei, ein interessantes und nachhaltiges Projekt in die Tat umzusetzen. Eine sogenannte Zeitkapsel soll versiegelt werden, und für viele Jahrzehnte unter einer Platte auf dem Schulgelände verweilen. Ihr Inhalt: einige selbst gemalte Bilder der Schüler, auf denen ihre ganz persönlichen Visionen von der Zukunft festgehalten sind. Auch ein junges Mädchen namens Lucinda malt ein Bild – doch ihres ist ein wenig anders. Sie malt ausschließlich Zahlen, offenbar ohne jeden Zusammenhang – entsprechend missmutige Blicke inklusive. Dann, ein Zeitsprung, 50 Jahre in die Zukunft: eine spätere Generation von Schulkindern feiert ein Fest, bei dem auch die Zeitkapsel geborgen werden soll. Ein Junge namens Caleb (Chandler Canterbury) erhält das mysteriöse Bild von Lucinda. Doch was als kleine Merkwürdigkeit beginnt, gestaltet sich schnell zu einer von ernstzunehmenden Ereignissen: Caleb beginnt, Stimmen zu hören die etwas zu flüstern scheinen. In einiger Entfernung taucht ein grauhaariger Mann auf, der irgendwie bedrohlich wirkt – doch im nächsten Augenblick ist er auch schon wieder verschwunden.

Caleb’s Vater John (Nicolas Cage) wird indes ebenfalls aufmerksam auf das mysteriöse Blatt Papier, und ahnt schon, dass dahinter weitaus mehr stecken könnte als eine blosse Aneinanderreihung von Zahlen. Und tatsächlich: nach ersten Verwirrungen und Überprüfungen stellt sich heraus, dass die Zahlen versteckte Prophezeiungen sein könnten – die sich teilweise schon bewahrheitet haben. Wie aber konnte ein kleines Mädchen diese vor 50 Jahren scheinbar zufällig aufschreiben ? Und warum endet diese Zahlenfolge an einem bestimmten Datum, welches in gar nicht so entfernter Zukunft liegt ? Eine verzweifelte Suche nach der Wahrheit beginnt.

Kritik: Und schon ist man mitten im Film – und die ersten Pluspunkte hat er bereits eingeheimst. Denn: spannender könnte ein Film wahrlich nicht beginnen, von der ersten Minute an fiebert man mit – die Story ist recht innovativ und macht Lust darauf, immer mehr über die filmischen Zusammenhänge zu erfahren. Nicht zuletzt dank der beiden Hauptcharaktere, die locker als Menschen wie Du und ich durchgehen könnten ! Ein geradezu großartiges Spiel, das Chandler Canterbury und Nicolas Cage hier abliefern. Wohlgemerkt: es handelt sich bei Knowing im Grunde nur um eine US-Produktion mit relativ bekannten Darstellern, entsprechend niedrig werden auch die Erwartungen an diesen Weltuntergangs-Thriller sein. Doch es kommt alles ganz anders.

Panik auf den Straßen... was ist geschehen ?

Schließlich vermag Knowing es, den (imaginären) Spannungsbogen bis aufs äusserste zu dehnen, hierbei jedoch immer kontinuierlich – auf die eine Wahrheit folgt sogleich die Suche nach der nächsten. Ebenfalls überraschend: der Film fällt kaum vorhersehbar aus. Sicherlich kann man sich bereits anhand der Genrebezeichnung als „Weltuntergangs-Thriller“ vor Augen führen, worauf das Ganze letztendlich hinauslaufen könnte. Doch selbst mit diesem Wissen gibt es einfach eine Menge an neuen Aspekten, die Knowing dennoch sehenswert machen. Durch das geschickte Einstreuen von weiteren, mysteriösen Elementen wie den unheimlichen Gestalten tauchen ständig neue Fragen auf. Man sammelt und sammelt also, um ganz am Ende alles in einen Topf zu werfen – um den Zusammenhang endlich zu begreifen. Stichwort begreifen: so komplex ist Knowing dann gewiss auch wieder nicht. Doch man sollte hier von einer anderen Art des Begreifens sprechen, nämlich die der Interpretation. Schließlich ist dem Handlungsablauf stets gut zu folgen, doch am Ende bleiben einige Fragen offen, bei denen die persönliche Einstellung eben auch eine Rolle spielt. Knowing ist also gewiss kein Film, den man einfach mal so nebenbei schauen sollte – sondern einer, den man einfach wirken lassen muss. Wer sich lediglich leicht berieseln lassen möchte, und die Handlung auf das Gezeigte reduziert – der könnte vom Film in der Tat ein wenig enttäuscht werden.

Eine weitere Prophezeiung hat sich bewahrheitet

Um so erfreulicher ist es, dass Knowing tatsächlich ein Film ist, der zum Mit- und Nachdenken anregt. Und auch zur Selbstreflexion: wie bewerte ich das Gezeigte in Bezug auf meine Ansichten (zum Thema Religion beispielsweise) ? Doch neben der großartig realisierten Story ist es natürlich auch der Film an sich, der sich beispielsweise nicht vor seinen technischen Aspekten zu verstecken braucht. Im Gegenteil: Knowing sieht einfach klasse aus, und verschwendet kaum einen Cent in die sonst so typische Hollywood-Effekthascherei. Computeranimierte Elemente beschränken sich auf das Notwendigste, und besonders die, nennen wir es Luftfahrzeuge, sehen hierbei sehr ansprechend aus. Gut umgesetzt sind auch Schnitt und Kameraführung, sowie die Szenenaufbauten. Irgendwie fühlt man sich im Film ein wenig Zuhause – es gibt keinerlei störende Aspekte wie übertriebene oder unrealistische Szenenaufbauten, Kamera-Wackeln oder nervige Lichteffekte. Auch der Soundtrack versteht es zu glänzen, wenn man so will: ganz besonders ein bekanntes klassisches Stück vermag die zunehmend apokalyptische Atmosphäre des Films zu unterstreichen. Es gibt keine Szenen, in denen die Musik unpassend oder zu aufdringlich wirkt. Die Darsteller tragen zweifelsohne einen der größten Teile zum Gelingen von Knowing bei. Nicolas Cage und der erst 10-jährige Chandler Canterbury spielen absolut versiert, und wirken als filmisches Duo auf der Leinwand tatsächlich wie Vater und Sohn. Besonders in den Szenen, in denen eine gewisse Emotionalität gefragt war, überrascht Herr Cage regelrecht. Brilliant gespielt, etwas anderes kann man dazu nicht behaupten.

Wer wird am Ende über das Schicksal der Menschheit entscheiden ?

Fazit: Der größte Pluspunkt an Knowing bleibt die story-technische Universalität, das heisst das Gefühl einer wichtigen und weitreichenden Bedeutung des Gezeigten. Dies gelingt zum einen durch den Realitätsansatz, mithilfe dessen dem Zuschauer klar wird, dass ein solches Szenario vielleicht gar nicht so unrealistisch ist. Wir Menschen sind schließlich nur millimetergroße Amöben im Vergleich zu den Kräften im Universum. Andererseits gelingt dies durch… Suspense ! Die Spannung ist schier unerträglich. Und auch die Fragen, die Knowing aufwirft, sorgen für reichlich Diskussionen. Nicht zuletzt geht es hierbei um religiöse Themen, aber auch allgemeine Fragen a’la sind wir Menschen wirklich die einzigen Lebewesen im Universum, bestimmen wir unser Schicksal wirklich selbst ? werden auftauchen. Und Filme, die eine plausible, spannende und ausbaufähige Interpretation zu dieser Fragestellung (ohne hierbei zuviel zu beantworten) offerieren, sollten die höchste Aufmerksamkeit genießen. Entsprechend fällt auch die Bewertung aus: in Knowing stimmt einfach alles. Von den technischen Aspekten über die schauspielerischen Leistungen bis hin zur Story, die sich quasi von 0 auf 1000 entwickelt, wenn man so will. Viele Fragen bleiben offen, und das ist aber auch gut so. Pflichtprogramm !



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8 Gedanken zu “Filmkritik: „Knowing“ (2009)

  1. Du interpretierst in diesen Film einfach zu viel rein. ^^ Alex Proyas führte übringes bei einem meiner Lieblingsfilme Regie und das ist „The Crow“! Und dann kam „I Robot“…der Film ist so uninteressant, dass ich rein gar nichts mehr davon weiß. „Knowing“ fand ich auch nicht so toll, aber immerhin habe ich dazu noch ein paar Szenen parat. Das Ende könnte zudem glatt eine Hommage an „When worlds collide“ sein. ^^

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    1. Das ist doch mal ein Stichwort… mir ist auch letztens besagter Titel in die Hände gefallen (When Worlds Collide). Sieht recht altbacken aus, hast Du ihn schon gesehen bzw. kannst Du eine Empfehlung aussprechen in Bezug auf meine Vorlieben (Sci-Fi / Apokalypse / Glanz & Glorie) ?
      Zu viel kann man doch gar nicht hineininterpretieren, besser das als wenn der Film wirklich gar nichts ‚anzubieten‘ weiss in dieser Hinsicht^^

      I Robot… kommt bestimmt noch eine Kritik, Mittelmaß…

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      1. LOL Du mit deiner Glanz & Glorie. 🙂 K.a. WWC hat mich jetzt auch nicht so geflasht.^^ Ich glaube da muss man schon so eine Affinität zu 50er Jahre Sci-Fi Movies haben, die sind da recht „speziell“. Trockene Materie meets Effekte die man heute eher als „charmant“ oder gar „trashig“ bezeichnen würde, aber so viel weiß ich von dem Film leider auch nicht mehr.

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  2. Uiuiui, da hat mich doch glatt der Wertungsvergleich mit Filmstarts hergeführt.

    Dass die Story spannend & innovativ ist und somit sogar die Alien-Thematik trägt, sehe ich auch so. Der Film hat mich damals sehr überrascht (nicht zuletzt durch die passenden & stimmigen Effekte) und weckte wirklich eine unbehagliche Stimmung. Auch Cage zeigt eine gute Leistung.
    Und jetzt kommt wieder der Junge, der das Ende nicht mag.
    In meinen Augen war das Ende einfach nur „Trash“ und hat den Film, zumindest für mich, zerstört. Prinzipiell habe ich kein Problem, wenn kleinere religiöse Absichten verfolgt werden, aber so wie diese Thematik hier Umsetzung fand, war das unerträglich. Ein einfacher Cut nach dem Abheben der „Luftfahrzeuge“ wäre für den Film als Ganzes sicher besser gewesen.
    Da muss ich leider der Filmstarts-Redaktion zustimmen:

    „Die gesamte Geschichte verkommt so zum reinen Selbstzweck, die einzelnen Mystery-Elemente wie eben die geheimnisvolle Vorhersage sind nicht mehr als bloße Drehbuch-Gimmicks, die für die Auflösung von keinerlei Bedeutung sind.“

    Somit greift der Film nur beim ersten Anschauen und ist beim zweiten Mal leider bei weitem nicht mehr so stark.

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    1. Heyho,

      ich merke schon dass Du nicht gerade leicht zufriedenzustellen bist wenn es um die jeweiligen ‚Enden‘ von Filmen geht. Und das ist auch gut so !^^

      Schließlich liegt hier oft die Crux begraben. Einerseits bieten Enden wie diese eine größtmögliche Chance das Gezeigte in verschiedene Richtungen zu interpretieren, andererseits riskiert man damit den ‚Fall‘ eines gesamten Films.

      Im Falle von KNOWING spiel(t)en bei mir sicherlich auch einige persönliche Aspekte mit, auch wenn man dies in Bezug auf möglichst ‚objektive‘ Rezensionen vermeiden sollte. Falls es soetwas gibt – wohl eher nicht.

      Da würde mich schon interessieren, was für eine Wertung Du Knowing verpasst hättest, mit den oben genannten Aspekten. Auf jeden Fall stimme ich zu, dass der Film wohl nur beim ersten Ansehen (und durch den Überraschungseffekt) so richtig wirkt.

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      1. So, mal wieder kurz Zeit gefunden^^
        Hm, mit Wertungen abgeben habe ich es nicht ganz so. Aber da du mich ja förmlich dazu zwingst, würde ich wohl eine Wertung zwischen 7,0 und 7,5 geben. Naja, du schreibst es ja schon richtig – objektive Wertungen gibt es nicht^^

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        1. Ja, das klingt in Anbetracht Deiner vorigen Ausführungen doch nachvollziehbar und ‚gerecht‘. Man muss seinen Standpunkt nur nachvollziehbar begründen können.

          Klar, ein Film wie KNOWING ist nicht fehlerfrei oder vor Schwächen gefeit. Mich wurmt es nur, dass viele Online-Filmmagazine dieses Werk nicht einmal an die 50-Prozent Grenze herankommen lassen. Vielleicht war meine Wertung also auch eine Art ’stiller Protest’…

          Man sieht, man kann es in Sachen Subjektivität also auch übertreiben – in beide Richtungen^^

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