Spieletest: FALLOUT 3 Inklusive Aller Addons (2008, PC)

Entwickler: Bethesda – Genre: Action / Rollenspiel– Release: 28.10.08

Es war einmal vor einiger Zeit in den heimischen Multimedia-Geschäften… da war ein Spiel; dessen Vorgänger bereits einen gewissen Kultstatus besaßen, ganz frisch in die Regale gekommen – und wartete darauf, von Fans und Neulingen gleichermaßen entdeckt zu werden. Richtig, es handelte sich um das Spiel FALLOUT 3. Und: glücklicherweise hatte es einen gewissen Erfolg – der bis heute in der Fanbase anhält.

Nun, Fallout 3 ist gewiss kein typisches Action- oder Rollenspiel. Es verknüpft diese beiden Genres in einer bisher einzigartigen Art und Weise, die mir in dieser Komplexität und grandiosen Umsetzung bisher nur beim ersten Teil der DEUS EX-Reihe untergekommen ist. Jede Entscheidung, die man als Spieler trifft, hat ihre eigene Tragweite und differente Folgen für den weiteren Spielverlauf. Man kann mit allerlei NPC’s diskutieren, Handel treiben, und die Gegend erkunden – und dabei immer wieder neues entdecken, so auch zahlreiche Gegenstände und Waffen. Hierbei folgt man – sofern man möchte – stets der Hauptquest, in der es gilt, den verschwundenen Vater Ihrer Spielfigur wiederzufinden. Man hat die Wahl: entweder man versucht es auf die eben genannte, also eher vorsichtige und diplomatische Tour – oder aber man setzt alles ein was man im „Wasteland“ so finden kann, bastelt sich eigene Waffen und versucht es in der guten alten Rambo-Manier. Unter anderem wegen dieser Entscheidungsfreiheit und der nicht gerade unzimperlichen Gewaltdarstellungen ist das Spiel auch erst ab 18 empfohlen. Bitte – wenn möglich – dran halten !

Die Welt von FALLOUT 3 ist tatsächlich riesig. Riesiger, als man zuerst annehmen möchte, vor allem wenn man erst nur den Hauptquests folgt. Doch was passiert, wenn man mal ein wenig herumstöbert, mal woanders hingeht als eigentlich vorgeschrieben – das mündet dann in einer einzigartigen Spielerfahrung und einem größtmöglichen Gefühl einer spielerischen Freiheit. Wer Wert darauf legt, die gesamte Karte des Hauptspiels zu erkunden, der wird – je nach Geschwindigkeit – durchaus seine 50-70 Stunden unterwegs sein. Sollte man alle 5 offiziellen Addons sein eigen nennen, könnte die Gesamtspielzeit auch gerne 80-100 (+) Stunden in Anspruch nehmen. Das ist gut, und enorm ! Denn: die Zeit wird nicht sinnlos „verdaddelt“, die Welt von FALLOUT 3 ist einfach stimmig und glaubhaft, das Ganze spielt sich einstweilen wie ein gut gemachter Film, in dem man selbst die Hauptrolle übernimmt. Trotz relativ langer Spielzeit also keinerlei Anzeichen von Langeweile – zumindest nicht bei mir. Einzig die Laufwege kamen mir stellenweise etwas zu lang vor, zumal (leider !) keine Fahrzeuge im Spiel existieren. Gut, es gibt sie zwar schon, aber meist in Einzelteilen – sie funktionieren nicht. Hätten die Entwickler in diese Richtung auch noch etwas gemacht… aber gut, man kann nicht alles haben. Auch so ist das Spiel einfach rundum gelungen. Und der Wiederspielwert ist ebenfalls enorm – nicht zuletzt aufgrund der verschiedenen Entscheidungen, die zu einem guten oder einem bösen Karma führen. Und damit auch zu anderen, möglichen Begleitern… und so weiter, und so weiter.

Es spielt eigentlich kaum eine Rolle, in welcher Reihenfolge man die Addons spielt. Vielleicht sollte man aber doch mit „Broken Steel“ beginnen, da eine Levelerhöhung (Hauptspiel: maximal 20) enthalten ist, es sich also dann auch wieder „lohnt“ (Erfahrungspunkte). Ich möchte einige Aspekte von FALLOUT 3 in einer Positiv- und einer Negativliste festhalten:

  • + Der Spielbeginn ist sehr einzigartig (Geburtsstunde und das Aufwachsen in der „Vault“)
  • + Die Spielwelt ist riesig, und fühlt sich nach „Freiheit“ an
  • + Gut designte Areale sowohl im Innen- als auch Außenbereich
  • + Unvergleichliche Spielatmosphäre
  • + Detaillierte Story, viele NPC’s mit eigenen Geschichten, viele Infotexte
  • + Nette Grafik und Texturen
  • + „Third-Person“ Perspektive (flexibel einstellbar) oder Egoperspektive
  • + Spezielle Spielsequenzen (beispielsweise das simulierte „Spiel im Spiel“)
  • + Gute Animationen der Monster, NPC’s und des Hauptcharakters, wunderschöne Explosions- und Wassereffekte
  • + Viele verschiedene Gegnertypen
  • + Sehr stimmungsvoller Sound und passende Musik (+ auswählbare Radiostationen)
  • + „Echtzeitaspekte“ – Der Tag hat 24 Stunden, Tag- und Nachtwechsel, „Schlafen“ im Spiel förderlich
  • + Komplexes Gesundheitssystem mit unzähligen Möglichkeiten der HP-Heilung
  • + Komplexes Itemsystem mit hunderten verschiedener Objekte, davon ein Großteil mit Nutzen
  • + Eigener Waffenbau möglich
  • + Bücher und Figuren als spezielle Objekte, die Fähigkeiten verbessern
  • + Gutes Skill-, Quest- und Statussystem mit einer hervorragenden Übersicht
  • + Viele Möglichkeiten auch neben den Quests
  • + Radar unten links (zeigt Verbündete und Feinde, sofern ausreichend geskillt)
  • + Verschiedene wählbare Begleiter (abhängig vom Karma)
  • + Spezielle nicht menschliche Begleiter wie der Hund oder der Roboter
  • + Gutes Dialogsystem mit speziellen Optionen (und Folgen)
  • + Besondere persönliche Errungenschaften (Statistik)
  • + Ein „eigenes Haus“ mit einer eigenen Inneneinrichtung (möglich)
  • + Ladensystem (+ Feilschen, An- und Verkauf)
  • + Ausreichende Ingame-Statistiken
  • + einstellbarer Schwierigkeitsgrad (der wirklich etwas ausmacht), direkt während des Spiels änderbar
  • + Screenshot-Option, Pauseoption, Konsole mit weiteren Möglichkeiten
  • + Schnelles automatisches Speichern
  • + Einfache Implementation von Mods oder neuem Content möglich
Die riesige Welt von Fallout 3
  • – Nicht allzuviele Optionen hinsichtlich der Charaktererstellung
  • – Grafik: das Gras und die Büsche sehen eher bescheiden aus
  • – Wenig geskriptete Szenen (z.B. der erste Behemot) und keine wirklichen Bossmonster
  • – Die Hauptquest ist eher einfach gestrickt, und relativ kurz
  • – Ohne ein Addon endet das Spiel nach der letzten Mission (egal wieviel man erkundet hat)
  • – Technik: nicht komplett bug- und fehlerfrei (Clipping, Spawning, Abstürze)
  • – Einige Optionen fehlen, wie zum Beispiel das exakte Anordnen von Objekten („FengShui“ MOD)
  • – Keinerlei Fahrzeuge oder schnelleres Vorankommen („Sprint“ MOD)
  • – Maximallevel ist 20, oder maximal 30 (mit “Broken Steel”) – immer noch zu wenig ! (MOD schafft Abhilfe)
  • – Das Maximalgewicht das man tragen kann ist viel zu niedrig (MOD schafft Abhilfe)

Fallout 3 – Broken Steel

  • + Neues Maximallevel: 30 (sehr nützlich)
  • + Neue Quests, gut ins Hauptspiel integriert
  • + Neue Gegenstände
  • – Eher kurz gehalten
  • – Eher langweilige Quests (durchlaufen und immer dieselben Gegner erledigen)

Fallout 3 – Point Lookout

  • + Eine komplett neue „Welt“ / Insel zu erforschen
  • + Nette Lösung der An- und Abreise
  • + Neue Gegnertypen
  • + Neue Gegenstände
  • + Gute Atmosphäre
  • + Gute Missionen mit einzigartigen NPC’s
  • + Zusätzlicher Witz (siehe eine der finalen Missionen)
  • + Tauchen nach Schätzen um die Insel herum
  • + Länge und Inhalt genau richtig für ein Addon
  • – keine Erhöhung des Maximallevels trotz recht großer neuer Welt (nur ein MOD schafft Abhilfe)
  • – ein bisschen „einsam“ – es gibt keine wirklich belebteren Orte auf der Insel, ausser der Kirche

Fallout 3 – Operation Anchorage

  • + Fallout 3 mal anders (Schneelandschaft)
  • + Neue Waffen und Ausrüstung (ins Hauptspiel übertragbar)
  • – Nur eine Simulation
  • – Keine Atmosphäre
  • – Wenig Interaktionsmöglichkeiten
  • – Immer gleiche Gegner- und Munitionstypen
  • – Viel zu kurz und wenig umfangreich
  • – Eher Shooter als Rollenspiel

Fallout 3 – Mothership Zeta

  • + Überraschend, sprüht vor Witz und Ideen
  • + Neue Texturen, neue Umgebung
  • + Neue Waffen, neue Gegner, neue NPC’s und Begleiter
  • + Fühlt sich ein wenig wie ein „neues Spiel“ an
  • + Sehr stimmige Atmosphäre
  • + Sehr eindrucksvolle Levelpassagen (Weltraumspaziergang)
  • – Eher kurz und in sich geschlossen

Fallout 3 – The Pitt

  • + Sehr glaubhafte, irgendwie „schmutzig“ wirkende Spielwelt
  • + spannendes „Vorarbeiten“ bis hin zum Chef von „The Pitt“
  • + Atemberaubende Grafik (Industrieviertel + Türme)
  • + Spannende Story und Questmöglichkeiten (gut / böse, das Baby)
  • – nicht allzuviele neue Elemente

Zum Schluss noch die Wertungen: das Hauptspiel FALLOUT 3 erhält satte 9.5 Punkte und ist damit zweifelsohne eines der besten PC-Spiele aller Zeiten. BROKEN STEEL bekommt immerhin noch 7 Punkte, und das hauptsächlich wegen der nützlichen Levelerhöhung. POINT LOOKOUT erhält ganze 8 Punkte, OPERATION ANCHORAGE indes nur klägliche 2 Punkte. MOTHERSHIP ZETA und THE PITT erhalten wiederum beide gute 7 Punkte.

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