Oliverdsw’s Bio # 6 | I AM (NOT) BACK IN BUSINESS

Wie heisst es doch so schön ? Neues Jahr, neues Glück… !

Wichtig: dies ist einer der essentiell(st)en Artikel aus meiner Biografie.

Nun gut, 2009 war „mal wieder so ein Jahr“ für mich. Aber irgendwie auch nicht wirklich, denn schließlich sah das Ganze ab dem September schon wieder etwas anders und ungleich spannender aus ! Doch beginnen wir vorn: nachdem der Vertrag bei der Wolfsburg AG auslief, meldete ich mich wieder bei der Arbeitsagentur. Wir erinnern uns – mein Weg war immer noch nicht ganz klar, aber zumindest wollte ich alles einmal ausprobiert haben. So schickte mich die Agentur erst einmal für 2 Wochen auf ein Bewerbungsseminar, welches; zugegeben: ganz nützlich war. Die Unterlagen wurden auf den neuesten Stand gebracht, optimiert; Vorstellungsgespräche wurden geübt – und man wurde recht gut betreut beziehungsweise unterrichtet. Eine gute, und irgendwie witzige Zeit die ich dort hatte ! Und wieder stach ich etwas aus der Masse heraus, manche bemerkten ein „gewisses Potential“ an mir. War es mein Auftreten, war es mein sprachlicher und schriftlicher Stil ? War es meine nette und charmante (nein, noch nicht „überhebliche“, aber dazu später mehr) Art ? Wohl ein wenig von allem. In jedem Fall war die Zeit nützlich, und motivierte mich entsprechend, im Anschluss gleich weiterzumachen. Ich telefonierte und erkundigte mich hier und da, und ganz besonders 2 mögliche Arbeiten schienen irgendwie passend zu sein: einmal eine Arbeit als Paketzusteller, und einmal eine Stelle im Bereich Sicherheitsdienst. Es waren keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich, man benötigte keine Ausbildung, und verdienen würde man immerhin genug. Tatsächlich… ? Dann schauen wir doch einmal.

  • Paketfahrer bei Hermes, Job auf 400-Euro-Basis. Man braucht kein eigenes KFZ (ich wurde sogar von Zuhause abgeholt). Vorteil: relativ einfache und körperlich nicht zu anstrengende Arbeit. Nachteile: lange Arbeitszeiten, die merkwürdig berechnet werden (Logistik vor eigentlicher Abfahrt, ca. 1 Stunde, wird schlicht nicht verrechnet), Bezahlung nach abgelieferter Paketanzahl ! In meinem Fall hiess das: besonders am Anfang und in der „Eingewöhnungszeit“ hätte ich so einen Stundenlohn von etwa 1.50 Euro gehabt. Später, also nach mehreren Wochen dann vielleicht 3-4 Euro; wenn ich gut sein würde. Ein Kollege: „über den Verdienst spricht man hier nicht…!“. Gut. Dazu war noch unsicher, ob man den Job überhaupt auf einen sozialversicherungspflichtigen umschreiben lassen könnte = erstmal nicht Krankenversichert ! Nach der Präsentation dieser Rechnung beim Chef bin ich dann auch gleich gegangen, oder „gegangen worden“. Er warf mir tatsächlich noch soetwas wie „Frechheit“ vor ! Pardon, irgendwie sind die Rollen hier etwas vertauscht gewesen…
  • Sicherheitsdienst (ohne Ausbildung). Vorteil: immer noch unsicher, ob es welche gibt. Nachteile: enorm lange Arbeitszeiten (bis an die Grenze der Legalität), auch Abends, Nachts und an Wochenenden; geringer Stundenlohn (Nettobetrag von ca. 4,50 Euro wäre bei mir möglich gewesen), körperliche Belastung (meist nur Stehen).

Und bitte denken Sie nicht, dass ich mich nebenbei nicht weiter um einen Ausbildungsplatz bemüht habe ! Dies lief alles parallel und Schubweise. Ausserdem war ich die ganze Zeit über bei einer Institution registriert, die Ausbildungsplätze vermittelt – der RVA. So gilt es, noch drei (die wichtigsten in 2009) Beispiele aus dem Ausbildungssegment anzuführen:

  • IT-Kaufmann – nach dem Bewerbungsgespräch (leider ?) Ende. Gründe ? Ich konnte die hohen Anforderungen nicht erfüllen, sowie: Lücken im Lebenslauf und meine Zeugnisnote in Mathematik = keine Chance.
  • Einzelhandelskaufmann im Bereich Handy / Computer. Merkwürdig, der Chef der (kleinen) Firma meldete sich nie bei mir zurück.
  • Einzelhandelskaufmann im Bereich Lebensmittel – nach einigen Tagen Probearbeit Ende. Gründe ? Ich konnte mich mit den „anzupreisenden“ Produkten nicht identifizieren. Für einen Nebenjob, selbstverständlich – für eine 3-jährige Ausbildung, und danach jahrelang in diesem Bereich arbeiten… ? Nicht wirklich.

Nun gut, da man sich bei der Arbeitsagentur langsam sicher war, dass es „höchste Eisenbahn“ für mich wurde, sollte ich ab September eine sogenannte BVB – eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme – beginnen. Zu dieser Angelegenheit gibt es ebenfalls einen eigenständigen Artikel, der sich ausführlicher mit dieser Maßnahme befasst. Schön und gut – ich fragte mich, warum dies erst jetzt geschah ! Eine solche Maßnahme wäre schließlich genau das richtige für mich gewesen, und zwar bereits damals (nach der Schule oder Bundeswehr). Hier konnte man sich komplett neu orientieren, sich erproben, Unterstützung bei den Bewerbungsverfahren erhalten. Und ganz wichtig: verschiedenste Praktika absolvieren ! Ich sage einmal: besser spät als nie. Die Erfahrungen bei dieser Maßnahme waren enorm vielfältig und interessant. An dieser Stelle seien einmal nur die zur Überschrift gehörigen Praktika erwähnt, die ich mir selbst suchte. Vielleicht war es nun an der Zeit, sich endlich einmal vernünftig zu orientieren ! Das Ziel: ein klarer und dabei realistischer Berufswunsch, und letztendlich eine sinnvolle und ausreichend bezahlte Arbeit die mir auch noch Spaß macht, die zu mir passen würde (schwierig). Ob es geklappt hat…

Was läge da also näher, die Chance zu nutzen und mal ein völlig anderes Praktikum zu machen (fragende Blicke und Verwunderung bei Freunden inklusive) ? In der Tat, los ging es mit einem…

  • Praktikum in einer Kindertagesstätte. Wohlgemerkt, als Mann. Muss man dies extra erwähnen… ? Jetzt weiss ich es: ja, man muss. Schließlich ist dieser Bereich absolut von Frauen dominiert, ich hatte ausschließlich Kolleginnen. Was hier in dieser Kindertagesstätte „passierte“, was ich erlebte; war bezeichnend für meinen weiteren Lebensweg. Irgendwo auf den vorherigen Seiten hatte ich einen Satz niedergeschrieben den Sie sich merken sollten – „ich, ein Sozialarbeiter – wohl kaum !„. Und doch hat sich dieser Haltung mit diesem Praktikum endgültig relativiert. Mehr noch: sie wandelte sich letztendlich zu dem Berufswunsch, den ich heute habe. Trotz der absoluten Ambivalenz hinsichtlich meiner Erfahrungen. Denn eines ist klar: ich lernte 2 Seiten der Medaille kennen.

Wohlgemerkt, dies war mein erstes Praktikum im sozialen Bereich ! Es ist nur verständlich, dass ich – ausser meinen allgemeinen sozialen Kompetenz – nicht viel an „Erfahrung“ mitbrachte. So viel es mir anfangs schwer, mich in das „Team“ (genauer: 2 Kolleginnen, eine Deutsche, eine nur Englisch-Sprechende) zu integrieren, zumal in der Gruppe in der ich war auch nur ausschließlich Englisch gesprochen wurde ! Nicht, dass ich diese Sprache nicht beherrsche, nein; es ging vielmehr um das merkwürdige (und gekünstelte) Gefühl, mich auf diese Weise mit den Kindern zu verständigen. Ich wollte aber in erster Linie erst einmal ausprobieren, wie sich das überhaupt anfühlt, wie das ist mit Kindern zu arbeiten. Deshalb blieb ich oft im deutschen… was mir natürlich entsprechend angekreidet wurde. Soviel noch vieles mehr… meine letztendliche Beurteilung ist nicht gerade sehr positiv ausgefallen. Ich hatte bereits im Gefühl, dass dies so enden würde – schließlich spürt man, wie sich eine Chemie zwischen 3 Erwachsenen entwickelt und verändert. Immerhin, ein paar positive Punkte hatte ich auch auf der Beurteilung (Pünktlichkeit, regelmässiges Erscheinen, äusseres Erscheinungsbild)… aber der Rest: wohl viel aus „Rache“, weil die Chemie irgendwie einfach nicht stimmte zwischen mir und den beiden jungen Damen. Das wohl heftigste: ich wurde als „Lügner“ bezichtigt, was ich – ich gestehe mir ansonsten viele Fehler ein – so nicht hinnehmen wollte. So schrieb ich auch eine mehrseitige Stellungnahme zur Praktikumsbeurteilung. Immerhin, ich war 4 Wochen da, also hat es sich auch gelohnt, ich konnte einige Einblicke erhalten. Danach folgte ein…

  • Weiteres Praktikum in einer Kindertagesstätte. Dies stand nun an, um die vorangegangene Bewertung zu überprüfen. Würde es in einem anderen Team ähnlich ablaufen ? Würde hier die Chemie schon eher stimmen ? Würde ich in einem (noch) deutschsprachigen Kindergarten eher „klarkommen“, und mich natürlicher verhalten ? Oha, ein hohes Ziel, solch eine (Selbst-)Überprüfung – das Ergebnis war einfach nur unglaublich, wenn ich dies einmal so sagen darf.

Meine Gesamtarbeitszeit belief sich lediglich auf 7 Arbeitstage, und dennoch bekam ich die bisher mieseste und negativste Bewertung, die ich je in einem Betrieb erhielt. In diesem Falle aber gestehe ich mich weitaus weniger Fehler ein als noch beim vorigen Praktikum. Nein, diesmal war die „Gegenseite“ ungleich schwerwiegender am umstrittenen Ausgang des Arbeitsverhältnisses beteiligt. Welch eine Frau, diese Chefin… ! Doch zu den sogenannten „Powerfrauen“ und den (negativen) Folgen der Emanzipationsbewegung der letzten Jahrzehnte an anderer Stelle mehr ! Es war einfach interessant, sich quasi Tag-für-Tag einen Schlagabtausch mit den Kolleginnen zu liefern. Die heftigsten „Gefechte“ lieferte ich mir natürlich mit besagter Chefin, die anderen tuschelten nur unter vorgehaltener Hand, sodass sich alle negative Energie in der Chefin als Sprachrohr manifestierte. Eine echte Herausforderung, das muss ich zugeben.

Das Resultat, oder meine Interpretation: ich war schon vorher ein Querdenker gewesen, doch stiess ich damit (unter anderem aufgrund meiner relativen Zeit der Arbeitslosigkeit) selten auf „Gegenwehr“. Nun aber war ich in eine Maßnahme integriert, uns sogar in ein Arbeitsverhältnis welches – auch unter objektiver Betrachtung, das müssen Sie zugeben – nicht gerade das „üblichste“ für Männer ist, und man dementsprechend gewisse Herausforderungen zu meistern hat. Diese 7 Tage hätte ich mir sparen können, sollen – die Überprüfung schlug fehl, was zu einer gewissen Entscheidung beim Maßnahmeträger führte. „Der Herr S. hat sich nun zweimal im sozialen Bereich ausprobiert – ich sehe, das ist einfach nichts für ihn !„. Also wurde der ohnehin schon steinige Weg – mit weiteren, großen Brocken gepflastert. Doch mein Berufswunsch hat sich bereits hier (und endlich !) herauskristallisiert. So schnell und mit dem ersten eigentlich doch so schlechten Praktikum – es soll in den sozialen Bereich gehen ! Nicht zwingend in einen Kindergarten, gewiss nicht. doch: wie passend, wie einfach – es schwebte die Ganze Zeit vor mir, doch nahm ich es nicht wahr. Wie kann ich anderen Helfen, die vielleicht genau das durchmachen (oder noch durchmachen werden), was ich bereits erlebt habe ? Unklarheiten, Unsicherheiten, Amstgänge, Ängste, generell Schwierigkeiten im und mit dem (Arbeits-)Leben ? So schloss sich auch der Kreis hin zum Gefühl, welches ich bei den Maßnahmen im Umgang mit den deutlich jüngeren (bis zu 8 Jahre Altersunterschied) Teilnehmern gehabt habe: ich half ihnen oft, war sehr beliebt, und ergriff auch mal das Wort für das Teilnehmerrecht. Ein moderner Robin Hood… ?

Was mich meiner Meinung nach prädestiniert und so besonders macht, neben dem Gelten als „Rarität“ (da männlich) in diesem Bereich: meine Lebenserfahrung bisher, meine Kreativität und meine Menschlichkeit. Die durften einige Kinder / Jugendliche dann (später) auch noch kennenlernen. Ich bekam ausschließlich positive Resonanz, sowohl von den Kindern aller Altersstufen, als auch Jugendlichen, als auch den Eltern. Jedoch nicht immer von den Kollegen / Kolleginnen – ich bleibe eben doch immer ein „Querdenker“ mit vielerlei positiven als vielleicht auch als negativ aufgefassten Eigenschaften. Es geht bei mir gewiss auch um meine mir unterstellte „Arroganz“…

Vielleicht nicht zu Unrecht – aber bei manchen Personen kann und sollte man sich schon einmal die Frage stellen, ob sie für gewisse hierarchische Positionen geeignet sind. Egal, ob sie nun in der Rangfolge „über mir“ stehen oder nicht. Tut man dies nicht, so ist man entweder noch schüchtern (weil vergleichsweise jung), oder aber man kann sich getrost zum unkritischen und nichts hinterfragenden Konsumvolk zählen. Wohin solch eine Einstellung führen kann, dafür muss man nicht erst in der Geschichte zurückschauen.

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