Oliverdsw’s Bio # 5 | ARBEITEN – (K)EINE ALTERNATIVE

Im ersten Moment und generell – mit Sicherheit, was denn sonst ? Doch in meinem Fall sollte man nicht allzu vorschnell urteilen.

Denn ich spreche mit der hiesigen Überschrift auf ein durchaus zwiespältiges Thema an: Arbeiten ohne Ausbildung, ist das vorteilhaft ? Da ich, wie im letzten Text angemerkt, für 2008 noch immer keinen Ausbildungsplatz gefunden hatte, bewarb ich mich nun also auch wieder um Arbeitsstellen, bei denen eine abgeschlossene Berufsausbildung nicht zu den Voraussetzungen gehörte. Das sind (auch heutzutage) zumeist entweder (Aushilfs-)Jobs auf der sogenannten 400-Euro Basis, oder aber diverse Jobs in Zeitarbeitsfirmen. Und, ich bekam dann auch schon relativ bald eine Stelle für einen „Sommerjob“ im Volkswagenwerk. Natürlich nicht als Direkteinstellung, sondern über die Wolfsburg AG als eigentlichem Arbeitgeber. Immerhin bestand die Chance, dass der zuerst auf 3 Monate angelegte Arbeitsvertrag um bis zu 2 Mal hätte verlängert werden können – bei mir wurde er das immerhin einmal, so kam ich insgesamt auf ca. 7 Monate Arbeitszeit.

Und die lief so ab: ich hatte durchaus Glück, dass ich in eine Abteilung kam; die sich nicht direkt mit der sogenannten „Bandarbeit“ beschäftigte – sondern mit der Endkontrolle der fertigen Fahrzeuge. In der Tat, ich war auf dem ALS-Stand tätig – das bedeutet, für Achse, Lenkung und Scheinwerfer zuständig. Aber es galt eben nicht nur, zu schauen und optisch zu überfliegen – es musste auch ein wenig an den Fahrzeugen gewerkelt werden. Bei der Achse war das vornehmlich das richtige Einstellen und das Abknicken, sowie ein paar Teile an die Karosserie anbringen. Die Lenkung war anhand eines Lenkkontrollmessgerätes schnell richtig eingestellt, und die Scheinwerfer wurden einfach nur anhand einiger Regler richtig justiert. Danach folgte dann das sogenannte Einlenken, für das aber schon andere Kollegen zuständig waren. Weitere Aufgaben waren die Fahrzeuge zu holen, vorzufahren, zu parken – und natürlich ein wenig Papierkram oder weitere Einstellungen / Kontrollen an den Fahrzeugen.

Hört sich das jetzt nach viel oder eher wenig an ? Sie dürfen entscheiden ! Klar ist jedenfalls, dass diese Arbeiten ungleich fordernder und anstrengender gewesen wären, hätten wir auf diesem Stand ebenfalls nach Taktzeit gearbeitet. Dies war glücklicherweise nicht der Fall, zumindest nicht direkt (natürlich musste man sich an Zeitvorgaben halten) – sodass ein wenig des bekannten „Bandstresses“ hier gar nicht erst aufkam. Den durfte ich dann kurz vor Ende meines (inzwischen verlängerten) Vertrages selbst noch erleben. Und zwar in seiner vollen Blüte. So kam ich zwischendurch für einen Tag an eine spezielle Station, bei welcher auch abgenickt werden musste – diesmal allerdings die Radmuttern. Das waren nicht gerade wenig, zumal diese (6-8 waren das glaube ich pro Rad; ich verdrängte es !) auch noch mal 4 multipliziert werden mussten. Dazu, und aufgrund meiner Größe, war es natürlich auch nicht gerade angenehm; sich mehrere hundert Mal am Tag zu bücken um die Muttern entsprechend zu erreichen (wohlgemerkt, Hochsommer, gefühlte 40 Grad in der Halle). Summa Summarum musste diese Zahl dann noch mit den am Tag zu schaffenden Fahrzeugen verrechnet werden – ca. 200 in meiner Schicht. Klingt das jetzt, als würde ich Jammern ? Vielleicht. Doch so einen Job würde ich nicht machen wollen (und auch nicht können), definitiv nicht. Überhaupt, wozu sich derart kaputtmachen – nicht nur körperlich, denn diese Art von Stress wirkt sich ja auch schnell auf den Geist aus ? Nichts anderes ist eine solch roboterartige Arbeit, die keine Abwechslung bereithält und dazu auch noch sehr, sehr anstrengend und lästig-stressig ist. Wie froh war ich da, als das Band mal für ein oder zwei Minuten still stand, aufgrund technischer Probleme ! Doch, es gibt tatsächlich Menschen, die solche Jobs ihr Leben lang machen. Irgendwie bewundere ich das auch in einer gewissen Art und Weise. Ich für mich selbst sage aber, nachdem ich es zumindest ausprobiert habe: nein danke.

Zum Glück ging es dann wieder an den ALS-Stand, sodass ich im Grunde meine gesamte Arbeitszeit gut, friedlich und nach bestem Können (nun ja, in handwerklicher Hinsicht – geistige Höchstleistungen waren ja nicht gerade gefordert) absolvierte – und ganz nebenbei noch sehr gutes Geld verdiente ! Mein erstes, richtiges Gehalt im vierstelligen Bereich (Brutto, sowie auch noch knapp Netto). Das reichte mir vollkommen, schließlich wohnte ich noch Zuhause und hatte kein eigenes Auto.

Gut, würde die Geschichte jetzt an dieser Stelle enden, so wäre sie wohl nicht von mir. So lief der Vertrag zwar ganz normal aus, jedoch nicht ohne eine kleine Konfrontation kurz vorher. Ich erinnere mich noch exakt an diesen einen Tag. Da kam also der Chef der Abteilung auf „uns“ (mich und meine temporären Kollegen) zu, und fragte nach einem Freiwilligen für eine… andere Aufgabe. Ein wenig Abwechslung, warum nicht ? Außerdem kannte ich die neue Einsatzstelle, sie lief zwar nach Takt, doch war es dort wesentlich angenehmer als noch beim Abknicken der Radmuttern. So wartete ich kurz, sah in die Runde – niemand meldete sich, bis ich schließlich meinen Finger hob. Können Sie sich denken, was nun passiert ist… ? Nicht, dass ich irgendjemandem nun irgendetwas unterstellen möchte, es war einfach nur ein ganz blöder Zufall, dass das Schicksal wieder bei mir zugeschlagen hat. So sollte ich, nachdem ich einige Minuten am neuen Einsatzort gearbeitet hatte, plötzlich an einen ganz anderen bestellt. Und dieser… gefiel mir ganz ähnlich wie schon der vorherige bei den Radmuttern (der ja aber nur ein Tageseinsatz war !). So nahm ich an, dass dies hier wohl ebenfalls so sein würde – und biss einfach mal wieder die Zähne zusammen. Dieses ständige, stupide Arbeiten nach Takt, unter Zeitdruck… immer dieselben Handgriffe, keinerlei Kontakt oder Gespräche mit den Kollegen (alles alteingesessene, die mich wohl eher belächelten). Die Pause war 15 Minuten lang, doch meine Sachen waren natürlich noch an meinem alten Arbeitsplatz, genau wie meine alten Kollegen. 5 Minuten Weg hin, 5 Minuten zurück – ein ganz typischer (aber doch irgendwie nicht zufriedenstellender) Tag für mich. Und ich darf das sagen, schließlich war ich bei der Bundeswehr – und weiss daher was es bedeutet, sich an Zeitvorgaben (auch unter höchster körperlicher Anstrengung) zu halten.

Deshalb traf ich am nächsten Tag auch eine Entscheidung: sollte man mich erneut zu diesem Arbeitsort zitieren, würde ich mit aller Kraft versuchen, dies irgendwie zu verhindern. Das ging natürlich nicht, und auf meine Nachfrage hin sagte man mir, „es ist ja nur solange wie der eigentlich dort arbeitende Kollege krank“ sei. Nun, würde ich mein Leben lang hier arbeiten, so wäre ich wohl auch öfter mal krank. Dies ist jedoch erneut keine Unterstellung meinerseits, nur etwas Sarkasmus (bei mir üblich). Es folgten einige Unklarheiten und Gespräche mit der Personalabteilung der Wolfsburg AG, nachdem man mich quasi „gefeuert“ hatte aus der Abteilung – sie wollten keinen „Schlaffi von einer Zeitarbeitsfirma“, der sich auch noch über eigentlich ganz „normale Dinge“ (und damit eben auch die für mich unakzeptablen Arbeitsbedingungen) beschwert.

Nun, ich bekam noch eine Chance in einer weiteren Abteilung, dies arrangierte die Wolfsburg AG – doch im Grunde war der Vertrag schon so gut wie abgelaufen. Dass er nicht noch einmal verlängert wurde, war nun abzusehen. Aber darüber war ich eigentlich auch ganz froh…

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