Oliverdsw’s Bio # 3 | (M)EINE WENIGKEIT FÜR DEUTSCHLAND

Unglaublich, aber durchaus wahr… !

Ja, die Zeit bei der Bundeswehr, die hatte schon was. Sie ist im Nachhinein nicht zwingend positiv oder negativ zu bewerten, sondern einfach nur von essentieller Bedeutung für meinen weiteren Lebensweg. Schließlich stand ich, wie in meinem vorherigen Text angemerkt, Anfang anno 2006 vor… so gut wie nichts. Weder meine Besuche bei der Arbeitsagentur, noch die kurz-kläglichen Nebenjobs (beispielsweise als Aushilfe an einer Tankstelle) hatten irgendein Ergebnis zu Tage gefördert. Ich wusste kaum, wie es weitergehen sollte – zumindest nicht in Bezug auf meine berufliche Perspektive. Was also läge da näher, als nun den Grundwehrdienst abzuleisten, der ja ohnehin Pflicht war ? Und: wie gut, dass ich das tat.

Natürlich viel es mir am Anfang ungleich schwer, von „0 auf 100“ in das Kasernenleben einzusteigen, besagte Kaserne meiner Grundausbildung war übrigens in Schwanewede (wurde danach in ein reines Sanitätszentrum umfunktioniert). Schließlich hatte ich vorher einen relativ unstrukturierten Tagesablauf, und nun galt es, einem straff organisierten zu folgen. Natürlich fühlte sich das am Anfang etwas merkwürdig an, zumindest nach einer gewissen Zeit des „Leerlaufes“ – doch schon bald stellte man eben fest, dass dies das normalste der Welt ist. Vielleicht nicht in dieser extremen Form, aber von der Grundidee her.

Interessanterweise hatte ich – selbst als „Querdenker“, der ich wohl damals schon war – kaum Probleme damit, den Befehlen meiner Vorgesetzten zu folgen, die ja nun quasi das Denken für einen übernahmen. Mir blieb gar keine andere Wahl, mögen manche jetzt sagen… ? Vielleicht. Aber ich spürte auch, dass ich mich gar nicht dagegen sperren wollte, nein; mir mache diese Zeit in der Grundausbildung regelrecht Spaß. Es musste einen strukturierten Tagesablauf geben, die Befehle hatten alle einen Sinn (nun, vielleicht habe ich da auch Glück gehabt) – es gab keinen Grund, irgendetwas (philosophisch) zu hinterfragen. Das kam dann, wie einige inzwischen vielleicht wissen (und Sie, wenn Sie diese Reihe hier weiterlesen) – erst einige Zeit später. Natürlich könnte man den Sinn und Nutzen der Bundeswehr selbst hinterfragen – das tat ich natürlich auch, nur nicht in diesem vollen Umfang. Denn egal wie ich mich vorher entschieden hätte – ein Abwägen wäre einfach fehl am Platz gewesen, da ich die Bundeswehr als einzige Möglichkeit sah. Verweigern… ? Ach wo, warum denn – was hätte ich denn bitte schon als „Sozi“ machen sollen ? Bitte unbedingt merken diese Aussage / Fragestellung, später wird sie an Bedeutung gewinnen…

Dann lieber der Herausforderung stellen, wenn die Bundeswehr schon Pflicht ist – und erst einmal keinen „Ersatzdienst“ leisten. Und, die ersten 3 Monate haben sich wirklich gelohnt. Es mag relativ stupide und etwas zu einfach klingen, aber wie predigten schon unsere Väter und Großväter… nur ein arbeitender Mann ist ein richtiger Mann. Und tatsächlich, das stimmt – zumindest dem Grundgedanken nach. Es geht nicht um einen möglichen Schweregrad der Arbeit, sondern einfach nur darum, dass man einen strukturierten Tagesablauf hat, in Lohn und Brot steht – und in irgendeiner Art und Weise „seinen Teil“ zur Gesellschaft beiträgt. Schließlich hat die ja entschieden, dass eine Institution wie die Bundeswehr weiterhin Bestand haben sollte – es muss also etwas dran sein. So war ich in dieser Zeit körperlich topfit, geistig zumindest „auf der Höhe“ – da angepasst und relativ zurückhaltend. Wie sollte es auch anders sein, als nichtmal-Gefreiter (ohne Rang, ganz böse) und einfacher Soldat des Heeres. Ja, es ging eben in erster Linie um die körperliche Belastungsfähigkeit und den „inneren Schweinehund“ beziehungsweise die Überwindung desselben als Teil der Psyche. Sollte man zumindest auch einmal (durch-)gemacht haben in seinem Leben.

So, und zumindest körperlich leicht gestählt ging es dann nach Munster, die restlichen 6 Monate Dienstzeit ableisten. Ich behaupte mal: ein Glück, dass man körperlich nun so fit war ! Denn jetzt hätte der Schuss auch wieder leicht nach hinten losgehen können – viele mögen es wissen oder zumindest erahnen, besonders wenn man im Innendienst der Kompanie eingesetzt wird, ist oft nicht viel mehr als das sogenannte „Ablümmeln“ angesagt. Natürlich auch während der Dienstzeit. Und was danach kam, glich im ungefähren dem Bild, welches viele vom gemeinen Hartz-4 Empfänger haben: DVD eingeschoben, Kühlschrank in der Nähe (mit viel Bier und wenig anderem), Zigarette angesteckt (natürlich nur vor der Türe…!). Das hört sich vielleicht etwas drastisch und überspitzt an, aber das soll es ja auch. Immerhin blieb der geregelte Tagesablauf und der Dienstalltag, mit vielen auszuführenden Befehlen und einzuhaltenden Zeiten – ausserdem hatte man ja nun selbst die Wahl, welcher „Gruppe“ man sich zugehörig fühlte und dann auch anschloss.

Gut, eine so differenzierte Gruppenbildung gab es dann bei weitem auch nicht, es war eher eine allgemeine Gruppendynamik die regierte. Da konnte man sich kaum abschotten oder „sein eigenes Ding“ durchziehen – oder, man hätte es zwar gekonnt, aber dann wäre man relativ einsam gewesen. So hatte auch ich meine Pappenheimer und Kumpanen, mit denen ich so manchen Abend verbrachte. Wenngleich auch denen auffiel, dass ich „irgendwie anders“ war als viele andere Kameraden. Eine Abwertung ? Nicht wirklich, eher im Gegenteil ! Gerade dieses Gefühl hatte ich ja nun schon länger, und es manifestierte sich mehr und mehr, gerade durch einen solchen (eigentlich wertungsfreien) Zuspruch. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass ich unter anderem der „Kreuzworträtselkönig“ war, und so gut wie jedes Rätsel innerhalb von wenigen Minuten löste ohne den Stift auch nur einmal abzusetzen. Eine gute Allgemeinbildung… ? Wer weiss. Auch las ich in dieser Zeit relativ viel, schließlich galt es ja weiterhin, gewisse Lücken im Tagesablauf sinnvoll zu füllen. Dazu ein Kommentar eines anderen: „der spinnt doch, liest hier das Geschichtsmagazin XY und macht sich auch noch Notizen !„. In der Tat, das habe ich getan. Es ist auch klar dass so etwas auffällt; da es keinem irgendwie „üblichen“ Verhalten entspricht. Dumm nur, dass es (GEO Epoche sei Dank !) schon ein Glossar am Ende der Zeitschrift gab. Ich konnte es nur wieder einmal nicht abwarten…

Was haben wir sonst noch gemacht / gelernt / angestellt ? Vieles, aber im Grunde wenig hier nennenswertes. Einige Dinge sollten ohnehin unter Verschluss bleiben, da wir unter anderem auch von einem relativ heftigen Schicksalsschlag in der Kompanie hörten (ich selbst war aber nicht betroffen). Doch, neben den relativ… gemütlichen Abenden haben wir natürlich auch etwas gelernt. Wieder: weniger auf den Intellekt bezogen, als auf das handwerkliche (Fahrzeuge, Militärtechnik, natürlich auch Waffen), das organisatorische (Listen, Papierkram, Termine) und das sportliche (Pflichtsportstunden, Übungen, Fitness). Immerhin, als schlecht und sinnlos würde ich das nicht bezeichnen. Mir persönlich hat es zumindest etwas gebracht. Nun haben mich viele nach den 9 Monaten natürlich gefragt, warum ich mich denn nicht verpflichtet hätte; „da draussen“ auf dem Arbeitsmarkt wäre es doch ungleich schwerer ? Gewiss, das durfte ich dann ja auch noch zur Genüge erfahren. Aber eines ist klar: ich liebe die Herausforderung, und steinige Wege ziehen mich oftmals wie magisch an. Der eigentliche Grund war jedoch, dass ich mich von der allgemeinen Euphorie, die 9 Monate „endlich überstanden“ zu haben, anstecken liess – nur zwei von den Leuten die ich zumindest ansatzweise und vom Namen her kannte, blieben in der Kompanie.

Ausserdem, wieso in Etappe 1 auf meinem weiteren (beruflichen) Lebensweg nach der Schule steckenbleiben – die war doch jetzt geschafft ! Also auf zu neuen Herausforderungen.

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