Oliverdsw’s Bio # 2 | DER FREIE FALL INS BODENLOSE

…ins unendliche Nichts, in die unaufhaltsame Versenkung… ?

Es hört sich dramatisch an, doch nicht nur in den ersten Momenten hiess es tatsächlich:  ja, das war es. Denn was macht man(n), wenn der eigens angelegte Plan, das Abitur erfolgreich zu bestehen, fehlschlägt ? Mehr noch: wenn dies eben schon seit geraumer Zeit abzusehen war, aber man die Tatsachen irgendwie stets erfolgreich verdrängte – und man sich nun mit der knallharten Realität konfrontiert sieht ? Genau so war es (auch) bei mir. Hurra, hurra, die Schule ist aus – aber was nun, schließlich könnten diese „speziellen Ferien“ sehr lang werden wenn man nichts weiter unternimmt…

Aber was ? Genau das ist die Frage aller Fragen für Schulabgänger, ob vorzeitige oder nicht. Immerhin haben diejenigen, die die Sache komplett durchziehen etwas mehr in der Hand. Gut, einen Abschluss habe ich auch, sogar einen „Erweiterten Sekundarabschluss I“ (man höre und staune) – da war die Zeit auf dem Gymnasium also doch nicht völlig umsonst. Aber erklären Sie mal jemanden in einer plausiblen Art und Weise, warum Sie die Schule abgebrochen haben – ohne dabei allzu offensichtlich negatives („ja, also das war so, ich war faul…„) durchklingen zu lassen. In der Tat, eine denkbar schwierige Aufgabe. Heute fällt mir das natürlich ungleich leichter, da nun eine gewisse Weitsicht (und Weisheit ?) vorhanden ist. Glücklicherweise. Irgendwann war mir klar, warum es damals nicht mehr klappte, warum ich plötzlich nicht mehr „einer der anderen“ war – ich war ein Individuum, ein ganz einzigartiger Mensch; der eben nicht den Weg geht den alle anderen gehen ! Nur die Richtung war mir noch nicht ganz klar. Bei manchen ist sie das bereits mit Anfang 19 oder 20 – bei mir war sie das jedenfalls nicht. Nun, und nebenbei – ich gestehe mir heutzutage so viele Schwächen ein (Sie merken das) – ich kann das, weil ich ein ehrlicher Mensch bin, und diese inzwischen beinahe alle überwunden habe. Das hoffe ich zumindest – doch Rückschläge kann es immer wieder geben, das wäre nur natürlich.

Schon bald griff dann das „soziale Auffangnetz“ (ein Thema, welches ich später noch behandeln werde), die Arbeitsagentur schaltete sich ein. Man mag über die Arbeitsagentur und die dahinterstehende Philosophie denken, was oder wie man will – ich machte damals jedenfalls fast ausschließlich negative Erfahrungen. Warum ? Nun, es ist gewiss nicht die Philosophie, da eben diese eins der wenigen positiven Aspekte des sozialen Netzes ist, der berühmte löbliche Grundgedanke. Es ist vielmehr die Ausführung und Umsetzung desselben, und das in Bezug auf den einzelnen, das Individuum. Auch: auf ein Individuum wie mich ! Dass ich schon immer ein eher schwieriger Fall war (hauptsächlich charakterisiert durch mein ständiges Grüblen), ist mir heute klarer denn je – aber davon gibt es bei weitem auch mehr als genug. Warum aber können auch solche (gar nicht mal so exotischen) Menschen nicht entsprechend betreut und nach ihren Fähigkeiten gefördert werden ? Ganz einfach, weil der psychologische Aspekt immer noch vollständig hintenan steht. So bekam auch ich – ohne zu wissen, was ich eigentlich wollte – nicht viel mehr als gutgemeinte Ratschläge und auch mal einen Stapel Blätter mit zahlreichen Bewerbungsvorschlägen. Das war’s auch schon gewesen.

Alles andere muss man selbst erledigen, aber das ist nichts neues und beinahe jedem bekannt. Mir war es das allerdings nicht, zumindest nicht damals nach der Schule. Ich dachte, die Institution „Agentur Für Arbeit“ würde sich um perspektivlose Jugendliche entsprechend kümmern, in Form von Maßnahmen, Weiterbildungen oder was auch immer. Klar, so etwas gibt es auch – nur bin ich damals scheinbar durch das Raster gerutscht. Oder meine Erwartungen waren einfach zu hoch. Natürlich hört sich das jetzt sehr vorwurfsvoll an – das soll es aber nur teilweise. Denn ich weiss, dass ich selbst mit Sicherheit meinen Teil zu meiner Orientierungs- und Perspektivslosigkeit nach meiner Schulzeit beigetragen habe. Ja, was soll man mit einem Jugendlichen machen, der nicht einmal selbst weiss was er will ? Soll man für ihn entscheiden, soll man mit ihm gemeinsam und unter Berücksichtigung seiner Historie und psychologischen Aspekten einen Weg konzipieren ? Doch hier werden bereits Kompetenzen überschritten.

Im übertriebenen Sinne heisst das folglich: da kann ein Jugendlicher mit was auch immer für Gedanken sitzen die ihn beschäftigen; und er soll sich jetzt aber bitte sofort für einen Job entscheiden weil es sonst eng wird – und im Zuge dessen sofort zu 120 Prozent durchstarten. Das klappt oft, was auch gut ist – aber manchmal eben auch nicht. Und solche Menschen gilt es, entsprechend zu betreuen ! Gerade wenn die Signale eindeutig sind. Genau das habe ich selbst erlebt, und diese Erfahrung hat sich gewandelt – vielleicht auch zu einem eindeutigen Berufswunsch. Doch dazu später mehr.

Wie dem auch sei, nach meiner Schulzeit hatte ich erst einmal nicht viel auf meinem (geistigen) Terminkalender – ausser den zahlreichen, diversen Behördengängen. Ich nahm die Zeit also erst einmal als das, was sie meiner Meinung nach hätte sein können – ausgedehnte Ferien. Natürlich ein Fehler, wie sich später herausstellte. Ein Schulabbruch, und dann auch noch Lücken im Lebenslauf ? Im Nachhinein ist man eben immer schlauer. Doch es war tatsächlich so, dass ich diese Zeit zur „persönlichen Orientierung“ brauchte, deshalb steht dies auch exakt so in meinem Lebenslauf. Diverse Nebenjobs einmal aussen vor, die hielten auch nicht sonderlich lange und boten keinerlei Perspektive. Und nebenbei: wenig Sinn.

Doch bereits hier beschäftigte ich mich privat mit meiner „Weiterbildung“, meiner ganz persönlichen. Ich las zahlreiche Bücher und Zeitschriften, sah viele (eher anspruchsvolle, wenn man sich dieses schwierige Urteil erlauben darf) Filme und Dokumentationen. Eben das, was man als hoffnungsvoller Fall (aus meiner Sicht) in der Arbeitslosigkeit machen kann.

Bis dann nach und nach immer klarer wurde, dass etwas geschehen muss – egal was, Skepsis hin oder her. So entschied ich mich Anfang 2006, meinen Grundwehrdienst abzuleisten („da war doch noch was„). 9 Monate verplant, ein 9-monatiger Ausflug ins Ungewisse. Das interessante ist ja, dass ich mich bereits vorher bei der Bundeswehr beworben hatte – allerdings für eine mehrjährige Laufbahn. Dass dieses Bewerbungsprozedere für mich fehlschlug, war aber irgendwie auch klar – immerhin fand es inmitten meiner sogenannten „Orientierungszeit“ statt, in der ich kaum wusste was ich eigentlich wollte. Dann also doch nur die 9 Monate, ohne Bewerbungsverfahren et cetera – nur die Musterung, und dann konnze es losgehen.

Und so geschah es dann auch. Ich leistete meinen Grundwehrdienst teils in Schwanewede (3 Monate), teils in Munster (6 Monate) ab.

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