Filmkritik: „Alice Im Wunderland / Alice In Wonderland“ (2010)

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Originaltitel: Alice In Wonderland
Regie: Tim Burton
Mit: Johnny Depp, Mia Wasikowska , Michael Sheen u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 109 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy, Abenteuer
Tags: Mädchen | Magie | Verwunschen | Zauber | Wald | Krieg

Ein ganz und gar wunderliches Wunderland.

Inhalt: Alice (Mia Wasikowska) ist ein 19-jähriges Mädchen auf dem Weg zu einem Dasein als angesehene Dame – zumindest wenn es nach der Meinung ihres engsten familiären Umfeldes geht. So wird sie unter Druck gesetzt einen etwas merkwürdigen Lord und Edelherren zu heiraten, um nicht als einer der berüchtigten hoffnungslosen Fälle zu enden. Aber seit ihrer Kindheit hat sie einen bestimmten Traum von einer fremden Welt, die offenbar weit weg liegt und kaum greifbar erscheint. Einer Welt, die trotz ihres fantastischen Antlitz vielleicht doch gar nicht so abwegig ist. Denn: als Alice völlig verzweifelt von ihrer eigenen Hochzeitsfeier stürmt, findet sie sich kurz darauf in einer recht unüblichen Eingangshalle wieder – woraufhin sich die Tür zu jenem sagenhaften Wunderland tatsächlich öffnet. Schnell wird das verdutzte Mädchen mit den merkwürdigen Kreaturen und der gefährlichen Situation in dieser Welt konfrontiert – und erfährt von einem niemals endenden Kampf zweier ungleicher Schwestern im Streit um die Vorherrschaft im hiesigen Königreich.

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Kritik: Die fantasievolle Geschichte um ein junges Mädchen namens Alice, welches in eine geheimnisvolle Welt unter einem Kaninchenbau reist; sollten nur die wenigsten nicht kennen. Entweder, da sie der Titelfigur Alice schon im ein oder anderen Filmformat begegnet sind – oder aber eines der Bücher gelesen haben, die alle auf die Originalfassung von Lewis Caroll zurückgehen. Die stammt aus dem altehrwürdigen Jahr 1865, verarbeitet einen Teil seiner persönlichen Biografie – und spielt wie keine zweite mit gängigen Genre-Zuordnungen und der sich oftmals anbietenden Frage nach der eigentlichen Zielgruppe. Denn: im Grunde handelt es sich bei ALICE IM WUNDERLAND nicht wirklich um eine Kindergeschichte, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht. Diese spezielle Ambivalenz transportiert nun auch Tim Burton mit seiner ab 12 freigegebenen 2010’er Verfilmung des gleichermaßen bekannten wie vielschichtigen Stoffes – wobei abermals nicht ganz klar wird, welches Publikum erreicht werden soll. Doch auch wenn sich das im Falle von ALICE IM WUNDERLAND offensichtlich anbietet, offeriert die neueste Verfilmung auch ein gänzlich neues, damit einhergehendes Problem: sie sieht so aus wie Tim Burton es beabsichtige, und fühlt sich auch so an – und entfernt sich damit deutlicher von der eigentlichen Vorlage, bei der man sich einen Großteil der entsprechenden Bilder noch selbst hat ausmalen müssen.

Natürlich handelt es sich hier um ein Dilemma, welches kaum zu umgehen war bei einer modernen Verfilmung wie dieser. Tatsächlich hätte Burton aber etwas dezenter vorgehen, und das Ganze nicht in einem relativen cineastischen Tollhaus an der Grenze zum kreativen Wahnsinn münden lassen sollen. In der vorliegenden Fassung etabliert ALICE IM WUNDERLAND schließlich eine bisher noch kaum dagewesene, durchtriebene und zutiefst wechselhafte Atmosphäre irgendwo zwischen einer lautmalerischen Phantasterei, einem spannenden Abenteuer und einem waschechten Alptraum mit kleineren Witzeleien – die einem im Halse stecken bleiben. Die Folge ist ein als durchaus einzigartig, mindestens aber als speziell zu bezeichnender Film – sowie die Tatsache, dass ein Großteil des Mainstream-Publikums eher weniger mit ihm anfangen können wird. Das mag noch nichts heißen – doch auch davon unabhängig vermögen es speziell die optischen Spielereien des Films für ein relatives Unbehagen zu sorgen. ALICE IM WUNDERLAND wirkt schlicht etwas zu bunt und außerdem enorm artifiziell, was vor allem aus dem überschwänglichen Einsatz von Computereffekten und gewöhnungsbedürftigen Hintergründen hervorgeht. Hinzu kommt die inhaltliche Schwierigkeit, überhaupt etwas mit den gebotenen Charakterporträts anfangen zu können. ALICE IM WUNDERLAND zeichnet seine Figuren schließlich nur schwarz und weiß – und lässt kaum Raum für ein dezentes grau. Das mag in Anbetracht eines Märchens angemessen erscheinen, doch letztendlich macht man es sich gefühlt doch etwas zu einfach.

Fazit: ALICE IM WUNDERLAND ist beileibe kein zeitloser Meilenstein der Filmgeschichte, sondern vielmehr ein ungewöhnlich sperriges Produkt der Fantasie zweier Männer respektive Künstler: Lewis Caroll als Urgestein, und nun auch Tim Burton als kreativer Kopf hinter einer gewöhnungsbedürftigen, dem Zuschauer nicht mehr viele Möglichkeiten offen lassenden optischen Interpretation. Das an den Tag gelegte Handwerk hinterlässt einen gemischten Eindruck: die Masken und Kulissen entfalten teils einen gewissen Charme, während alles andere schlicht zu künstlich und unecht wirkt, um überhaupt einen Bezug dazu entwickeln zu können. Für den Soundtrack zeichnet sich niemand geringerer als Danny Elfman verantwortlich, und auch die Darsteller lassen sich sehen – wenngleich die Hauptfigur mit einer jüngeren und nicht ganz so hölzern agierenden Schauspielerin eventuell besser besetzt gewesen wäre. Fans von Johnny Depp werden ihren Liebling dagegen wieder in einer der etwas kurioseren, perfekt zu ihm passenden Rollen vorfinden. Man sollte selbst einen Versuch unternehmen um zu sehen, ob man sich in der hier präsentierten Welt zurechtfindet, sich mit der relativen Fremdartigkeit auf allen Ebenen arrangieren kann – oder ob man im gegebenen Fall doch lieber zur Buchvorlage greift und sich seine eigene Fantasiewelt ausmalt.

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„Eine handwerklich einzigartige, aber eben auch nicht wirklich gute Umsetzung führen zu einem recht wechselhaften Eindruck – analog zum Ausbleiben eines wirklichen Schwerpunkts der Geschichte.“

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