Wolfsburg – (M)eine VW-Stadt | Eine Persönliche Ansicht

Ein Blick auf das Volkswagenwerk und den Bahnhof in der Dämmerung

Erst 1938 gegründet, bietet die Wolfsburg-Stadt (oder auch gerne charmant: das Dorf) noch nicht viel an weitläufiger Historie – mit Ausnahme der eher unrühmlichen, versteht sich. Der eigentliche Grund der Gründung der Stadt am 01. Juli 1938 war schließlich ein unmittelbar mit Nazi-Deutschland verknüpfter. Doch zeigt sich, dass die Stadt in der Lage ist die Vergangenheit zu bewältigen, nicht totzuschweigen – und damals wie heute Wolfsburg für die hier produzierten Autos im Volkswagenwerk berühmt zu sein. Der beinahe-Vorwurf mit der Betitelung als Dorf oder Provinz findet sich indes nach wie vor in den Medien, und vor allem natürlich in der Mundpropaganda. Kein wirkliches Wunder, möchte man meinen – zählt die Stadt lediglich 130.000 Einwohner, die ihrerseits auch nicht gerade in einem einzigen konzentrierten Ballungszentrum angesiedelt sind. Wolfsburg ist vor allem berühmt für seine vielen umliegenden Dörfer. Eines ist jedoch klar, und das räumen einige Verantwortliche inzwischen auch ein: Wolfsburg ist eine aufstrebende Stadt. Eine moderne Stadt mit viel Potential, sozusagen. Was aber heisst das genau, dieses merkwürdige modern… ? In erster Linie meinen viele, die diesen Begriff in den Mund nehmen; damit wohl eher weniger Gutes.

Es muss sich in jedem Fall noch einiges tun. Die eigentliche, zentrale Innenstadt Wolfsburg’s ist am ehesten ein sich ständig veränderndes Beton-Bollwerk ohne viel Schnickschnack oder Ambiente, es dominieren meist klare Grautöne. Ein paar spärlich angepflanzte Zierpflanzen hie und da bilden (noch) die Ausnahme. Stichwort Veränderung und Moderne: in der Tat befindet sich besonders die Innenstadt in einem stetigen Wandel. Ob in einer positiven oder negativen Hinsicht – das muss jeder für sich selbst entscheiden. Etwas mühsam bleibt es weiterhin, ohne KFZ in Wolfsburg unterwegs zu sein. Wegen der vergleichsweise ausgedehnten Infrastruktur ein Faktum, welches sich wohl so schnell nicht ändern wird. Auch wissen die ständigen, allzu krampfhaften Versuche der Stadt so etwas wie Gemütlichkeit in das Stadtbild einzupflegen, zu stören. Die aktuellste Schandtat bezieht sich dabei vor allem auf die Boden- beziehungsweise Pflasterstein- und Fliesenpolitik der Stadt: ständig wird irgendwo ein Boden (oder ein kompletter Platz, siehe aktuell beim PHAENO) aufgerissen und neu gestaltet. Selbst jedem Laien sollte klar sein, dass solche Projekte ein nicht gerade unerhebliches Loch in die Stadtkassen reissen. Das Problem: wozu soll man eine solide Grundlage schaffen, wenn niemals darauf aufgebaut wird… ? Richtig, dies ist auch in gesellschaftlicher Hinsicht zu sehen. Denn: was nützt einem ein schön aussehender Bodenbelag, wenn darauf nichts stattfindet, das heisst explizit: es wenig Verweil- und Veranstaltungsmöglichkeiten, Sitzgelegenheiten gibt ? Sollte man dieses Geld nicht viel lieber in andere, wirklich wichtige Dinge stecken – wie wäre es denn zum Beispiel mit weiteren, noch sichereren, saubereren und besseren Spielplätzen ? Aber aber, bald kommt ja ein neues Glasdach direkt in der Innenstadt –  dessen genauerer Sinn sich noch nicht ganz erschließt.

Doch genug davon. Schließlich sind Geldprobleme und Investitionsfragen nun wirklich Dinge, mit der jede größere (oder auch kleinere) Stadt zu kämpfen hat. Ein wirklich genialer Coup der neueren Zeit ist beispielsweise die AUTOSTADT. Im Grunde nicht viel mehr als ein riesiger Werbe- und Themenpark von und für Volkswagen, bietet diese „Stadt in der Stadt“ viele Möglichkeiten – und tatsächlich so etwas wie Flair und Atmosphäre. Natürlich geht es in erster Linie um Marketing, um (zu verkaufende) Autos – aber hier wurde sich zumindest richtig Mühe gegeben. Auch finanziell nicht so betuchte oder generell Desinteressierte (in Bezug auf die Auto-Thematik) können hier herkommen um zu schlendern, zu verweilen – und wenn man den richtigen Tag erwischt, sogar um richtig etwas zu erleben. Alleine, oder aber mit der Familie. Highlights der letzten Monate waren sicherlich die wiederkehrenden Wasser- und Lichtspiele im Sommer, die Eis-Show im Winter, die imposant inszenierten Fest- und Familientage mit allerlei Auftritten und Shows. Auch die Preise halten sich in Grenzen – sei es für den Eintritt (ab 18.00 Uhr ohnehin frei) oder aber für die Verpflegung. Schließlich ist niemand gezwungen, sein Mahl im sich in der Autostadt selbst befindlichen Ritz-Carlton-Hotel einzunehmen. Und diejenigen, die tatsächlich „geschäftlich“ hier sind, bekommen einen guten Rundumservice und eine gute und nette Betreuung der Mitarbeiter. Es mag ungewöhnlich sein, ein so relativ deutliches Lob auszusprechen, gerade wenn das eigentlich Ziel einer „Institution“ der (gewinnbringende) Verkauf / die Werbung ist. Dennoch… ohne die Autostadt gesehen zu haben, verpasst man etwas in Wolfsburg. Ob man nun einen Volkswagen fährt oder nicht.

Natürlich bieten sich zahlreiche weitere, nicht ganz so geschäftslastige Freizeitmöglichkeiten in Wolfsburg. Gleich in der Nähe der Autostadt befindet sich das PHAENO als Wissenschafts- und Erlebniszentrum auch für Kinder. Jedoch muss man hier Vorsicht walten lassen – nicht zuletzt wegen der fraglichen finanziellen Aspekte (Bodenbelag, Gebäude selbst), die zumindest die recht hohen Eintrittspreise erklären. Dazu sieht das Gebäude selbst – insbesondere von aussen und bei Regenwetter (was leider nicht selten vorkommt) – eher ungünstig aus. Entworfen wurde es übrigens von der Architektin Zaha Hadid. So futuristisch das Gebäude anmutet, eine Fassade wie diese gehört schlicht verboten. Grau in grau, und dann noch schön von Regen angelaufen… ? Einzig bei Nacht sieht das Ganze dann tatsächlich nach etwas aus – durch entsprechende begünstigende Beleuchtungsmaßnahmen, die natürlich weitere Geldausgaben erforderlich machen. Sei’s drum.

Weitere Freizeitmöglichkeiten bieten Institutionen wie das Theater, das Planetarium, das Kunstmuseum – und dann je nach Gelegenheit und Veranstaltung auch das Kulturzentrum Hallenbad oder der Congress Park. Das Nachtleben wird hauptsächlich durch die Kaufhofpassage als abwechslungsreiche Partymeile, sowie den Nachtclubs Nachtschicht, Airport und Esplanade definiert. Kleinere „Spelunken“ wie das Moonlight oder das Memory dürfen natürlich nicht fehlen. Auch Bars wie das Sausalitos oder das Bar Celona bieten die Möglichkeit eines gepflegten abendlichen Plausches – entsprechende, teils hohe Preise natürlich inklusive.

Besondere Erwähnung sollte wohl aber in erster Linie die Gegend um den Allerpark finden; die Gegend, in der freizeit- und landschaftstechnisch das allergrößte Potential zu sehen ist. Und schon jetzt bieten sich einige Möglichkeiten: natürlich findet hier die Volkswagen-Arena ihren Platz, in dem der Deutsche Meister 2009 seine Heimspiele zelebriert. Auch das Schloss Wolfsburg als über das Gründungsjahr der Stadt hinausgehende, historische Bauwerk ist ganz in der Nähe. Den Kern des Ganzen bildet aber sicherlich das Quintett aus Badeland, Eishockey-Arena, Bowling-Center, Soccer-Five-Arena und dem Allersee selbst. Letzterer ist ein zwar nicht immer glasklar, aber es ist doch ein netter See in fast perfekter, ruhiger Lage. Die Landschaft wurde hier wunderbar gestaltet: es gibt Sandstrände, Spielplätze, viel Rasen und Orte zum Entspannen. Natürlich kann man hier auch baden, sofern man sich traut. Ein Restaurant gibt es ebenfalls, den kolumbianischen Pavillon (ehemals auf der EXPO in Hannover zu sehen) – auch hier muss man fast sagen: Achtung, gehobene Klasse. In einem interessanten Ambiente werden diverse Fischgerichte, aber zum Glück auch etwas gewöhnlichere Dinge serviert. Oder aber man trinkt einfach nur einen Kaffee (Normalpreis) inmitten einer schönen Seen- und Strandlandschaft. Hier kommt man gerne öfter her.

Ein Problem Wolfsburg’s bleibt mit Sicherheit die fehlende Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, ihre Freizeit möglichst sinnvoll zu verbringen. Doch dazu wird es einen separaten Artikel geben, da dies ein wichtiges Thema ist. Aber: zumindest offiziell gilt Wolfsburg schon jetzt als eine der familienfreundlichsten Städte überhaupt…

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