Filmkritik: “Mein Freund, Der Wasserdrache” (2007)

Originaltitel: The Waterhorse
Regie:
Jay Russell
Mit:
Alexander Nathan Etel
Laufzeit:
111 Minuten
Land:
USA / Großbritannien
Genre:
Kinderfilm

Inhalt: Der zerbrechlich wirkende Angus MacMorrow (Alexander Nathan Etel) ist ein schottischer Junge mit einer ambivalenten Einstellung gegenüber dem Element Wasser. Auf der einen Seite ist er davon fasziniert, auf der anderen aber empfindet er auch eine gewisse Angst – hauptsächlich bei dem Gedanken, womöglich durch einen unglücklichen Zufall ertrinken zu können. Eines Tages, während der zweite Weltkrieg noch in Europa tobt, sucht er die Küste nach einigen Muscheln und anderen Meerestieren ab, und stößt dabei auf einen seltsamen Stein – der sich als überdimensionales Ei entpuppt. Bald stellt sich heraus, dass darin ein kleines Wesen lebt – ein Wasserdrache. Gleichzeitig nähern sich schottische Militärtruppen, da eine Invasion der Deutschen immer noch denkbar ist. Angus’ Mutter nimmt einige der Soldaten in ihrem Anwesen auf, und Angus bleibt nicht viel mehr als sich zurückzuziehen. Zum Beispiel in den alten Schuppen seines Vaters – in dem er vor sich hin träumt und darauf hofft, dass sein Vater eines Tages doch noch zurückkehren würde. Da er nun aber in Besitz eines Wasserdrachens ist, den er prompt auf den Namen Crusoe tauft – fühlt er sich nicht mehr so allein wie noch zuvor. Eines ist jedoch klar: lange würde er dieses Geheimnis nicht für sich behalten können, da die Kreatur doch recht schnell wächst. Die militärischen Truppen planen indes die Errichtung eines U-Boot-Stützpunktes im nahegelegenen See…

Kritik: Bei einem Fantasy-orientierten Film wie Mein Freund Der Wasserdrache hat man vorab vor allem eine Frage: wie würden die Macher diese sagenumwobene, riesige Kreatur (die, wie der Titel vermuten lässt, recht häufig zu sehen ist) wohl in Szene setzen ? Bei diesem 2007’er Film aber überließ man nichts dem Zufall und arbeitete unter anderem mit einigen Special-Effects-Experten zusammen, die auch schon an der Herr Der Ringe-Trilogie beteiligt waren. Somit offeriert Mein Freund Der Wasserdrache einen rundum gelungenen technischen Part – der stetig wachsende Wasserdrache ist gut und flüssig animiert, und wirkt im Gesamtkontext gerade noch “unkünstlich” genug um nicht wie ein völlig fremdes CGI-Objekt in der Szenerie daherzukommen. Auch merkt man dem Film ein gewisses Maß an Detailverliebtheit an, vom kleinen (Wohnräume, Gärten) bis hin zum großen (Landschaften, Wasseraufnahmen) wirkt alles perfekt inszeniert. Gerade die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen rauben einem beinahe den Atem, sie wirken farblich ansprechend und opulent in Szene gesetzt. Die Schauplätze sind abwechslungsreich und vermitteln dem Zuschauer das Gefühl eines Zusammenspiels von Natur und Magie – genau das richtige für einen “magischen” (Kinder-)Film wie Mein Freund Der Wasserdrache.

Der Film ist hierbei nicht gänzlich aus dem “Nichts” erdacht worden, sondern basiert wie so viele Genrevertreter auf einer Buchvorlage: nämlich der gleichnamigen von Autor Dick King-Smith. Der Schwerpunkt der Erzählung liegt auf dem Jungen Angus und seinen Erfahrungen – sein Umgang mit dem Verlust seines Vaters, seiner allgemeinen Verzweiflung; und schließlich seiner Freundschaft zum Wasserdrachen in schweren Zeiten des Krieges. Eine durchaus ungewöhnliche Konstellation – die jedoch auch im Film recht gut inszeniert wurde. Lediglich das Gefühl, als wüssten die Macher manches Mal nicht, ob man nun den Fokus eher auf die militärischen Begebenheiten oder aber auf Angus und seine Familie – oder beides – legen sollte, kann aufkommen. Dennoch kann man bei diesem Film um ein grundsätzlich wertvolles und spannend inszeniertes Plädoyer für die universelle Kraft der Freundschaft sprechen – und für die Kraft der Imagination, sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen.

Mögliche Negativaspekte beziehen sich zum Teil auf filmisch-logische Aspekte, die man selbst in einem Kinderfilm hätte vermeiden können oder sollen. So erscheinen einige Szenen bei genauerem Hinsehen etwas merkwürdig. Sank Angus zum Beispiel in der einen Szene noch starr wie ein Stein auf den Grund des Sees, schwimmt er in der nächsten plötzlich recht sicher. Lebensrettende Maßnahmen werden durch “gutes Zureden” ersetzt, und ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die Szene, in der Angus tatsächlich auf dem Rücken des Wasserdrachens sitzt, und das stets recht sicher. Natürlich, es handelt sich um einen Kinderfilm… man braucht eine gewisse Vorstellungskraft. Doch im Gegensatz zu anderen, “zeitloseren” Varianten könnten hier bereits junge Kritiker fragen, wie dies (in Anbetracht simpelster physikalischer Gegebenheiten) möglich sei. Sei’s drum – die “Fahrt” ist rasant und spektakulär inszeniert, wenngleich sie keinen weiteren Sinn (erneut im Gegensatz zu anderen Filmen – Schatz oder ähnliches) hat, ausser den Spaßfaktor.

Fazit: Weiterhin zu erwähnen sind vor allem zwei Aspekte: der Soundtrack und die Leistungen der Darsteller. Ersterer wurde von James Newton Howard komponiert, und glänzt durch wahrhaft majestätisch-fantasievolle Bombast-Klänge. Da gibt es rein gar nichts zu bemängeln ! Die wichtigsten Darsteller sind vor allem Alex Etel als Angus, Emily Watson als seine Mutter und David Morressey als Kapitän. Wahrlich – dieses Trio konnte durch und durch überzeugen. Eine erfrischende, absolut aufgehende Mischung aus neuen, jungen Talenten und “alten Hasen” im Filmgeschäft. Schlussendlich: Mein Freund Der Wasserdrache ist generell zu empfehlen, gerade für einen familiengerechten Filmabend. Ältere Zuschauer könnten dagegen Probleme mit den recht oberflächlichen Charakterporträts, den kleinen Logik-Fehlern und der insgesamt nicht zu 100% überzeugenden Story (da relativ simpel) haben.

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